Frau an Schreibtisch in schwarz-weißem Comic-Stil

Likes garantiert? In Michelstadt öffnet das erste Instagram-Museum. Mit ganz besonders like-würdigen Motiven will die südhessische Kleinstadt junge Menschen anlocken. Die künftigen Influencer zahlen dafür einen stattlichen Preis.

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Ein Heim für Influencer und solche, die es gern werden wollen. So stellen sich die Macher ihr Pop-Up-Museum vor, das am Samstag öffnet und in den kommenden drei Monaten eine im wahrsten Sinne des Wortes junge Zielgruppe nach Michelstadt (Odenwald) locken soll. Und zwar mit Motiven, die das "echte Leben" in dieser Form nicht zu bieten hat: einer riesigen Schatzkammer etwa, deren Boden mit glänzenden Münzen bedeckt ist, oder einer großen Halle mit einem lebensechten Baum als zentralem Motiv. Likes garantiert?

Die Besucher des Instagram-Museums "Bee Yourself", das eigentlich mehr eine Ausstellung ist, sollen ihre Schnappschüsse nachher unter den Hashtags "#beeyourself" oder "#beeodw" auf ihrem Instagram-Account veröffentlichen - und so für neue Kundschaft sorgen. Der Kreislauf des Lebens 2.0 sozusagen. Vorbilder gibt es in Großstädten in den USA und Dubai und auch in Köln.

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Genügend lohnende Motive verspricht das Museum jedenfalls. Es kann geschaukelt, gehüpft und mit Tieren wie der Biene, dem Wahrzeichen der Stadt, posiert werden. Der Haken: Pro Eintrittskarte haben Selfie-Fans "nur" zwei Stunden Zeit, um sich kreativ auszutoben. Und das, wo gerade auf dem Feelgood-Netzwerk Instagram gilt: Gut Bild will Weile haben.

Der Odenwald als Mekka für Influencer?

Insgesamt 24 Motive auf rund 1.100 Quadratmetern erwarten die Besucher, da kann die Zeit schon mal knapp werden. Anders als in den bereits eröffneten Pop-Up-Instagram-Museen, die weltweit zum Trend werden (sollen), setzt das Museum im kleinstädtischen Michelstadt nicht ausschließlich auf neonfarbige, künstliche Motive. Michelstadt will die Region, den Odenwaldkreis, aufs Foto bringen. Natur- , kunst- und handwerksverbunden.

Mit der Pop-Up-Idee will der Gewerbeverein der Stadt kurzfristig den Tourismus ankurbeln und das lokale Gewerbe fördern. Gewerbemanagerin Jenny Weissgerber sieht das Museum als "Energiespritze" für die Region. Ihre Botschaft: "Wir wollen jüngeren Leuten zeigen, dass man auch im Odenwald gut leben kann. Dass man sich einfach mal traut, sozusagen wirklich über den Berg zu fahren und zu sehen, dass man hier auch eine ziemlich gute Work-Life-Balance im Grünen haben kann." Auch über den Museumsbesuch hinaus. Und die Hauptzielgruppe nutze eben Instagram, erklärt Weissgerber.

Modernes Marketing für die Stadt

Von der Ausstellung in die Stadt, das ist das Konzept des Gewerbevereins. Besucher und Besucherinnen erhalten im Anschluss eine Karte mit weiteren Foto-Spots in der Innenstadt von Michelstadt. Das Instagram-Museum komme so auch der Stadt zugute, erklärt der parteilose Bürgermeister Stephan Kelbert: "Das führt zu einer Innenstadtbelebung in einer Zeit wie Februar bis April, wo der Tourismus in Michelstadt auch eher überschaubar ist". 2017 zog es rund 49.000 Übernachtungsgäste nach Michelstadt.

Generell sei diese moderne Idee eine Chance für die doch eher ländliche Stadt: "Das ist natürlich ein gutes Marketing. Für uns und die Gewerbetreibenden ist es sicher ein Versuch, zu schauen, was mit modernem zeitgemäßen Social Media auf dem Land möglich ist." Mit 15.000 Euro fördert die Stadt das Instagram-Museum - unter Vorbehalt der Rückzahlung eines Anteils, sollte die Ausstellung ausreichend Interessierte in die Stadt locken, so Kelbert. Und das perfekte Instagram-Foto hat seinen Preis: Eine Eintrittskarte kostet 22 Euro.

Lokale Prominente wie die Schauspielerin Jessica Schwarz, die in ihrer Heimatstadt auch ein Designhotel führt, unterstützen die Instagram-Pop-Up-Idee. Auch Landrat Frank Matiaske (SPD) sieht die Stärke des Museums darin, "auf eine frische, moderne Art und Weise", die vor allem junge Menschen anspreche, die Vielfältigkeit des Odenwaldkreises zu präsentieren. Ob die Theorie bei dem aufgerufenen Preis auch in die Praxis umzusetzen ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Weitere Informationen

Infos für einen Besuch im Instagram-Museum

Das Pop-Up Museum öffnet vom 15. Februar bis 15. Mai 2020 in der Erwin-Hasenzahl-Halle in Michelstadt. Interessierte müssen Tickets für einen bestimmten Zeitraum vorab online buchen - für einen Aufenthalt von zwei Stunden. Der Einlass ist ab 13 Jahren, wie das Mindestalter zur Nutzung von Instagram.
Spezielle Beleuchtung, Selfiesticks und Powerbanks hält der Veranstalter bereit. Ein Ticket kostet 22 Euro, ermäßigt 15 Euro. Dienstags bis freitags öffnet die Ausstellung von 12 bis 22 Uhr, am Wochenende von 10 bis 22 Uhr.

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Sendebezug: hr-fernsehen, hessenschau, 15.02.2020, 19.30 Uhr