Bad Hersfelder Festspiele
Bad Hersfelder Festspiele Bild © picture-alliance/dpa

Flexibler, schneller, eigenständiger: Intendant und Bürgermeister hätten die Bad Hersfelder Festspiele gerne als GmbH organisiert. Mit hauchdünner Mehrheit entschied sich das Stadtparlament dagegen. Der Festspielleiter schmeißt deshalb vielleicht hin.

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Anouschka Renzi (Die Unbekannte) und Christian Nickel (Peer) - "Zwiebelszene"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Finanzplanung der Bad Hersfelder Festspiele kommt erneut auf den Prüfstand

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Die Bad Hersfelder Festspiele bekommen keine neue Organisationsform. Die Stadtverordneten stimmten am Donnerstagabend mit hauchdünner Mehrtheit gegen eine Ausgründung in eine gemeinnützige GmbH, wie ein Stadtsprecher sagte. Dafür votierten 19 Abgeordnete, 20 dagegen. Das Theaterfestival bleibt somit ein städtischer Regie-Betrieb, bei dem die Kommunalpolitiker über wichtige Entscheidungen abstimmen können.

Mit der neuen Organisationsform sollte nach Ansicht der Befürworter schnelleres Verwaltungshandeln für die Macher des renommierten Freilicht-Theaterfestivals ermöglicht werden. Ein Ziel sollte mehr Flexibilität im operativen Geschäft sein - zum Beispiel, wenn es um Personalfragen geht und um kurzfristig zu vergebende Aufträge.

Dem Intendanten vergeht die Lust

Nach der Abstimmungsniederlage stellt Intendant Joern Hinkel sein weiteres Engagement im hessischen Nordosten infrage. "Diese Entscheidung befördert nicht gerade meine Lust, über das Jahr 2019 hinaus hier zu arbeiten", sagte Hinkel der Nachrichtenagentur dpa: "Es hat mich unglaublich enttäuscht, dass die Stadtverordneten gegen die Ausgründung der Festspiele in eine gemeinnützige GmbH gestimmt haben."

Hinkel besitzt einen Vertrag bis nach der Saison 2019. Er sagte, die Arbeit in Bad Hersfeld mache ihm zwar großen Spaß: "Aber ich weiß nicht, ob ich mir diese Freude nehmen lassen möchte durch Stadtverordnete, die einem Steine in den Weg legen." Er habe seit zwei Jahren unermüdlich um eine flexiblere Organisationsform geworben. Vor allem der kaufmännischen Abteilung wäre die Arbeit erleichtert worden.

Jörn Hinkel, kommissarischer Intendant der Bad Hersfelder Festspiele
Im Januar übernahm Joern Hinkel die Leitung der Festspiele. Bild © picture-alliance/dpa

Freilich wollen sich die Stadtverordneten im November erneut mit der Finanzplanung der Festspiele beschäftigen. Auf Antrag der Grünen wollen sie überlegen, ob man den jahresübergreifenden Haushalt des Bühnenfestivals vom ans Kalenderjahr gebundenen städtischen Etat trennen könne - auch ohne Gründung einer Festspiel-GmbH.

Probleme bei der Planung

Zuletzt ergaben sich wegen der Organisationsform immer wieder Planungsprobleme, vor allem bei den Finanzen. Denn der Intendant organisiert im Zyklus einer jahresübergreifenden Festspielsaison, die städtische Verwaltung rechnet aber nach dem Kalenderjahr ab. Das bedeutet in der Praxis: "Intendant Joern Hinkel plant bereits die Festspielsaison für den kommenden Sommer 2019, aber es gibt noch gar keinen städtischen Haushalt", erklärte eine Festspiel-Sprecherin.

Hinkel verwies darauf, dass auch anderen große Theaterfestivals in Bayreuth, Salzburg, Worms und Gandersheim eine GmbH als Rechtsform hätten. Aber die Kritiker der Festspiel-Ausgründung in Bad Hersfeld befürchteten, dass ihnen weitreichende Kontroll- und Mitsprachemöglichkeiten entzogen würden. Die Befürworter erwiderten hingegen, dass auch bei einer Änderung der Rechtsform die Beteiligung der Politik erhalten bleibe - und zwar über die Gesellschafterversammlung und den Aufsichtsrat.

Erfolgreiche Premierensaison als Intendant

Auch Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) gehörte zu den Befürwortern der gemeinnützigen GmbH. Stadtsprecher Meik Ebert sagte nach der Abstimmung: "Die Entscheidung gegen die Ausgründung wird dem guten Gelingen der Festspiele nicht schaden. Ich mache mir um die Zukunft keine Sorgen."

Hinkel hatte die Leitung der Festspiele in diesem Jahr von Dieter Wedel nach Missbrauchsvorwürfen gegen den Star-Regisseur übernommen. In seiner Anfang September beendeten Premierensaison als Chef verzeichnete Hinkel eine gute Bilanz. Er erreichte das Einnahmeziel von 4,2 Millionen Euro, 94 000 Besucher sahen die Stücke und rund 86 Prozent der Karten wurden verkauft. Sein Programm zog deutlich überwiegend positive Kritiken nach sich.