Bad Banks 2

"Bad Banks" ist zurück: Ab Donnerstag ist die zweite Staffel der in Frankfurt gedrehten Serie online abrufbar. Im Interview spricht Drehbuchautor Oliver Kienle über Umbrüche in der Bankenbranche, Generationenkonflikte und Frauen in Machtpositionen.

Die zweite Staffel der ZDF-Serie "Bad Banks", die neben Frankfurt diesmal auch in Berlin gedreht wurde, spielt sechs Monate nach der Finanzkrise, mit der die erste Staffel endete. Die Finanzwelt muss sich neu erfinden - Start-Ups, so genannte Fintechs, machen den alten Banken die Geschäfte streitig.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hauptdarsteller Barry Atsma im hr1-Talk

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Vor diesem Hintergrund setzen die junge Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) und die gestandene Investmentchefin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) ihre Intrigen fort. Vor allem für Jana wird es aber zunehmend eng, sie steht permanent mit einem Bein im Gefängnis - die Serie bleibt also spannend. Im Interview verrät Drehbuchautor Oliver Kienle, dass er durchaus Ideen für weitere Staffeln hätte.

hessenschau.de: Herr Kienle, die erste Staffel von "Bad Banks" ist mit Preisen überhäuft worden. Wie sind Sie mit dem Druck umgegangen, eine zweite, genauso erfolgreiche Staffel abzuliefern?

Oliver Kienle: Ich habe mit der zweiten Staffel angefangen, ein Jahr bevor die erste Staffel herauskam. Das heißt, ich konnte da noch gar nicht wissen, dass die Serie so erfolgreich wird. Ich hatte beim Schreiben aber einige Schwierigkeiten, denn ich hatte seit 2014 an Bad Banks gearbeitet und irgendwann eine gewisse Betriebsblindheit entwickelt.

Als die erste Staffel ausgestrahlt wurde und plötzlich so viele Menschen auf die Serie reagiert haben, hat es mir wahnsinnig geholfen, mein Erzählgespür zurückzuerlangen. Auch, weil ich die Serie mit anderen geguckt habe. Ich konnte die Geschichte wieder besser sehen und spüren, was die Zuschauer daran toll finden und was ich tun muss, damit die Zuschauer in der zweiten Staffel noch einmal so ein Erlebnis haben. Der Erfolgsdruck war also für mich eher nebensächlich, weil der Kontakt zum Zuschauer mich euphorisiert hat.

hessenschau.de: Wie intensiv haben Sie dafür recherchiert? Vom Regisseur der ersten Staffel las man, er habe ein Praktikum in einer Bank gemacht.

Kienle: Das ist Quatsch, niemand von uns hat so was gemacht. Solche Legenden klingen gut und deswegen werden sie verbreitet. Aber die eigentliche, erstmal langweilig klingende Recherchearbeit - wie zum Beispiel im Detail zu verstehen, wie ein Derivat funktioniert - war für mich unheimlich anstrengend. Eigentlich dauert diese Arbeit bis heute an. Das ist meine persönliche Heldenarbeit, denn ich bin nicht gut im Rechnen, ich habe mich nie für Finanzwirtschaft interessiert. Mich haben die Menschen interessiert, dieses Universum. Natürlich hatte ich auch Fachberater, die konnte ich immer anrufen. Gerade bei der zweiten Staffel war das etwas einfacher, weil die Leute wegen des Erfolgs der Serie offener gesprochen haben. Das lief vor der ersten Staffel noch öfter heimlich ab.

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Wo und wann zu sehen?

Alle Folgen sind ab dem 30. Januar online bei Arte verfügbar und ab dem 31. Januar in der ZDF-Mediathek. Im TV läuft die Serie am 6. und 7. Februar ab 20.15 Uhr auf Arte und vom 8. bis 10. Februar im ZDF (ab 21.45 Uhr). Die Stadt Frankfurt lädt Interessierte am 2. Februar um 17 Uhr zu einer Preview in die Paulskirche ein.

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Die tollsten Momente waren, wenn ich meine Ideen entwickelt und Dinge erfunden habe und dann die Fachberater bestätigten: Du hast die Naturgesetze der Branche verstanden. Ich finde, wenn man sich so etwas vornimmt, dann muss man es richtig machen, damit es sich auch echt und nicht wie Theater anfühlt.

hessenschau.de: In der ersten Staffel ging es um die Finanzkrise und deren Folgen, jetzt ist die Digitalisierung des Bankenwesens Thema. Wie hat sich das ergeben?

Kienle: Da kamen mehrere Dinge zusammen. Zum einen sind mehrere Fachberater der ersten Staffel in die Fintech-Branche gewechselt. Ich habe also miterlebt, welche Anreize es da gibt, und was der Wechsel mit sich bringt. Zum anderen habe ich mir natürlich viele Gedanken gemacht: Wenn man jetzt in die Zukunft blickt, was in der Branche beleuchtet man dann? Und da kamen immer wieder dieselben Themen auf. Eines davon war das Thema Digitalisierung.

hessenschau.de: Was bedeutet das konkret?

Kienle: Ich bin selbst mittlerweile bei einer komplett digitalen Bank. Das normale Kundengeschäft wird einfach immer weniger gebraucht. Auch die Wahrnehmung, was eine Bank ist, verändert sich immer mehr. Ich als normaler Privatkunde brauche keine Bank mehr, weil es Fintechs gibt.

hessenschau.de: Eine besondere Rolle spielt der so genannte "Inkubator", in dem die Deutsche Global Invest neue Ideen entwickeln lässt. In Bad Banks ist der Standort dafür Berlin. Ist Frankfurt kein geeigneter Standort für Innovation?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zoff um "Bad Banks"-Preview in der Paulskirche

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Kienle: Frankfurt ist sicher auch ein Innovationsstandort für Fintechs, aber die Stadt kann jungen Leuten dann doch nicht so ganz das bieten, was Berlin ihnen bietet. Noch sitzen die meisten erfolgreichen Start-Ups in Berlin. Aber wir haben auch fortgesetzt, was wir in der ersten Staffel angefangen haben, dass die Serie vor allem in zwei Städten spielt. Zentrum ist wieder Frankfurt mit dem Standort der Bank. Berlin löst Luxemburg als zweite Stadt ab.

hessenschau.de: Die Berliner Fintechs machen den alten Frankfurter Banken das Geschäft streitig. Es geht also auch um Generationenkonflikte?

Kienle: Darüber wollte ich das Thema Alt gegen Jung in die zweite Staffel reinbringen. Das zieht sich ja gerade durch alle Branchen und gesellschaftliche Bereiche...

hessenschau.de: ...Stichwort Fridays for Future.

Kienle: Es zieht sich durch alle Bereiche, weil sich die Gesellschaft, die Industrien, die Kultur viel schneller bewegen als in den Jahrhunderten zuvor. Das potenziert Generationenkonflikte. Es ist eine wahnsinnige Herausforderung, dass unter anderem durch den Klimawandel ein kultureller Wandel schneller stattfinden muss als das natürlicherweise passieren würde. Normalerweise passt sich eine Gesellschaft ja langsam, über mehrere Generationen, neuen Gegebenheiten an. Das muss jetzt schneller gehen, und das regt große Widerstände an. Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass Erwachsene ein Mädchen wüst beschimpfen, dass ihnen sagt: Könnt ihr bitte aufhören, die Welt zu zerstören.

Dieser Generationenkonflikt spiegelt sich in Bad Banks durch die Figuren wider: Jana Liekam und die jungen Fintech-Mitarbeiter auf der einen Seite, auf der anderen Seite die alten Bankenvorstände.

hessenschau.de: Zur "alten" Generation gehört auch Janas Gegenspielerin Christelle Leblanc. Sind Jana und Christelle eigentlich der Beweis dafür, dass Frauen mit Macht doch das Spiel der Männer spielen müssen?

Kienle:  Ich glaube, es geht eher darum, dass Frauen in dieser Branche in Führungspositionen noch kaum vertreten sind. Selbst in Bad Banks erzählen wir ja, dass es nur diese eine Frau, Christelle, in der Vorstandsetage gibt. Man kann also noch gar nicht sagen, wie es ist, wenn der Vorstand zu - sagen wir - 70 Prozent aus Frauen besteht. Dann erst wird man herausfinden, ob sich ein männliches Machtspiel von einem weiblichen unterscheidet.

hessenschau.de: Warum haben Sie sich für Frauen als Hauptfiguren entschieden?

Kienle: Die Produzentin Lisa Blumenberg kam mit der Idee auf mich zu, etwas über eine junge Investmentbankerin zu machen, und mich hat das sofort gereizt. Ich weiß gar nicht genau, warum ich gerne starke Frauenfiguren schreibe. Man kommt sich als männlicher Autor ja schon manchmal etwas "mansplainingmäßig" vor. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass Frauenfiguren momentan einfach spannender sind, weil sie sich gerade in dieser Branche noch finden müssen. Männer hat man in diesen Positionen auch schon sehr oft gesehen, was Handlungen vorhersehbar macht. Mit Frauen kann man noch überraschen.

Portrait von Oliver Kienle, dem Drehbuchautor der Serie Bad Banks.
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Oliver Kienle...

... wurde 1982 in Würzburg geboren. Seit 2001 schreibt und realisiert er Kurzfilme und Musikvideos. Von 2004 bis 2010 studierte er Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Allein für "Bad Banks" erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie den Grimme-Preis oder den Deutschen Fernsehpreis. Am 14. Februar erscheint sein Netflix-Film "Isi & Ossi".

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Ich beschäftige mich viel mit Feminismus, versuche aber, meine Figuren nicht zu intellektualisieren. Viele Entscheidungen treffe ich beim Schreiben instinktiv, da kann auch mal etwas "Unfeministisches" dabei sein, wenn es der Authentizität der Figur entspricht. Genauso vermeide ich es, es mit meinen Geschichten allen recht zu machen. Ich habe immer zu allen gesagt, dass die Serie keine gute Quote haben wird. Denn ich schreibe nicht auf Quote. Ich schreibe eine Serie, die ich selbst gucken würde. Und so erzähle ich auch meine Figuren, ob Frauen oder Männer.

hessenschau.de: Janas innere Zerrissenheit begleitet sie auch durch die zweite Staffel. Wird sie da irgendwann rauskommen? In der dritten Staffel vielleicht?

Kienle: Es ist ja noch nicht klar, ob es eine dritte Staffel gibt. Nur so viel: Es gehört zur Dramaturgie von Serien, dass diese inneren Konflikte nie gelöst werden können. Das ist für mich auch der größte Unterschied zum Film: Das Serielle besteht daraus, dass ich als Zuschauer den Kampf immer weiter miterlebe. Ich glaube, Film ist Eskapismus und Serie ist Konfrontation. Diejenigen, die heutzutage Serien gucken, wollen die Schwarz-Weiß-Malerei der Filme nicht mehr, sie wollen Komplexität. Wir hoffen natürlich, Jana kommt da raus, sie bekommt in dieser Staffel auch Alternativen gezeigt. Aber so einfach sind Menschen nicht, dass sie einfach ihr Wesen ändern und alles hinter sich lassen können.

hessenschau.de: Aber es gäbe noch Ideen für weitere Staffeln?

Kienle: Nachdem ich beim letzten Mal parallel arbeiten musste und es viel Mühe war, den Sender und die Schauspieler von der Fortsetzung zu überzeugen, habe ich diesmal gesagt, ich warte erstmal ab, wie es jetzt läuft. Wenn alles so erfolgreich wird wie die erste Staffel, überlegen wir weiter. Zu erzählen gäbe es noch einiges.

Das Gespräch führte Sonja Fouraté

Sendung: hr1, 30.01.2020, 9.40 Uhr