Nominiert für den New Music Award: Renee

Instagram, Whatsapp, Tiktok: In ihrem Song "Offline" kritisiert Sängerin Renee aus Babenhausen, dass alle ständig mit ihrem Smartphone online sind. Was sie daran stört, verrät sie im Interview.

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zum hr-fernsehen.de Video Sängerin Renee für New Music Award nominiert

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"Ich schalt‘ uns auf Offline. Und die Gefühle wieder an." Das ist der Refrain von Renees Song "Offline". Jetzt wurde sie für den New Music Award 2020 nominiert. Die 19-Jährige aus Babenhausen (Darmstadt-Dieburg) will nach eigenen Angaben besonders ihre eigene Generation ansprechen. Was sie daran stört, dass alle immer auf das Smartphone starren, erzählt sie hessenschau.de im Interview.

hessenschau.de: Smartphone aus und Gefühle an – das forderst du in deinem Song "Offline". Worum geht es genau?

Renee: Es geht eigentlich darum, dass sich zwei Personen - sei es in einer Beziehung oder einer Freundschaft - auf der persönlichen Ebene aus den Augen verlieren. Und zwar, weil sie viel zu viel auf Social Media machen und dabei vergessen, ihre Beziehung auf persönlicher Ebene zu pflegen. Sie verlieren sich in der Social Media-Welt.

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hessenschau.de: Wie ist der Song entstanden?

Renee: Ich hatte da tatkräftige Unterstützung von der Songwriterin LEA ("110", "Treppenhaus"). Sie hat den Text geschrieben und als ich den dann gesehen habe, habe ich mich sofort davon angesprochen gefühlt, so, wie vielleicht auch andere da draußen. Deswegen wusste ich sofort, dass ich diesen Song unbedingt singen möchte. Ich vertrete genau das, was ich in dem Song singe.

hessenschau.de: Du singst ja zum Beispiel: "Haben uns aus den Augen verloren, obwohl wir uns gerade anschauen". Kennst Du das aus eigener Erfahrung?

Renee: Mir ist das selbst schon passiert. Man sitzt mit jemandem im Café und denkt, man hört der Person gegenüber zu, aber irgendwie ist man dann noch in eine andere Sache auf dem Handy vertieft und dann hat man irgendwie vergessen, was der andere gerade gesagt hat.

Ich muss zugeben, ich bin jemand, der auch selbst viel am Handy ist. Und da verliere ich mich auch oft drin. Auch weil ich jemand bin, der immer direkt antworten will, wenn er eine Nachricht bekommen hat. Ich würde also schon sagen, dass ich da auch selbst ein gutes Stück mit drin hänge. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, da sollte man aufpassen, dass es auch wieder aus dieser Social Media-Welt rausgeht.

hessenschau.de: Kommunizieren wir durch unser Smartphone denn nicht mehr als früher?

Renee: Die Kommunikation ist durch Soziale Medien und Smartphones "bequemer" geworden. Bei einem Streit zum Beispiel kann es natürlich unangenehmer sein, wenn man persönlich redet und nicht erst noch zehn Minuten überlegen kann, was man jetzt als Antwort in sein Handy tippt. Aber ich glaube, dass in solchen Situationen noch viel mehr Missverständnisse entstehen und dadurch Beziehungen in die Brüche gehen können. Generell glaube ich zwar, dass wir durch Smartphones und Social Media mehr miteinander kommunizieren. Aber auch mehr unnötiges Zeug. Und die wichtigen Dinge gehen verloren.

hessenschau.de: Ist das ein Problem, das besonders jüngere Generationen betrifft?

Renee: Ich glaube nicht unbedingt, dass es eine Generationssache ist. Also vielleicht ist es in meiner eigenen Generation ein bisschen krasser. Aber ich glaube, dass sich generell Leute, die ein Smartphone besitzen und zum Beispiel Instagram haben, darin schnell verlieren können.

hessenschau.de: Welche Reaktionen hast du schon zu dem Song bekommen?

Renee: Ganz oft höre ich sowas wie: 'Ja, ich verstehe dich.', 'Ja, ich weiß was du meinst.' oder sowas in der Art. Ich glaube, dass das jeder irgendwo nachvollziehen kann. Und wenn man selbst nicht viel am Handy hängt, hat man es mindestens schon mal bei Freunden oder so erlebt und kennt diese Situation. Und ich will mir auch selbst eine Message mit dem Song überbringen.

hessenschau.de: Was würdest Du Dir im Umgang mit Social Media denn für die Zukunft wünschen?

Renee: Ich glaube, dass Social Media auch positive Dinge mit sich bringt. Aber es wäre gut, wenn man sich zum Beispiel trifft, dass man auch mal sein Handy weglegt und sich wirklich unterhält und nicht nur miteinander schreibt. Oder dass man sich auch mal wieder gegenseitig anruft. Das machen wir viel zu wenig.

Das Gespräch führte Sophia Luft.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 17.11.2020, 18.00 Uhr