hr-Autor Marco Giacopuzzi
hr-Autor Marco Giacopuzzi Bild © hr

Marco Giacopuzzi ist mit der Kamera immer ganz nah dran. Für die Kika-Serie "Schau in meine Welt" erzählen ihm Kinder über ihr Traurig- und Glücklichsein. Oder wie es war, als sie nicht mehr leben wollten. Dafür wird der hr-Dokumentarfilmer mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Für das Interview nimmt Marco Giacopuzzi sich Zeit in Berlin. Er steckt mitten in den Dreharbeiten für sein neues Projekt. Die Zeit ist knapp, denn schon am Freitag reist der hr-Filmer nach Marl. Dort zeichnet ihn die Jury am Abend mit dem Grimme-Preis aus, für sein "herausragendes Gespür für Protagonisten" und "die sensible und berührende Umsetzung".

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Drei Filme aus dem KiKa-Format "Schau in meine Welt" stehen im Fokus der Auszeichnung. Darin berichten Kinder 25 Minuten lang, wie sie leben. Die Protagonisten: Phil, Leonard und Fritz. Die drei Jungen erzählen offen über ihr Leben mit Depressionen, Diabetes und der Glasknochenkrankheit.

hessenschau.de: Sie werden für drei Filme aus dem KiKa-Format "Schau in meine Welt" ausgezeichnet. Was ist das besondere an Phil, Leonard und Fritz, den Protagonisten?

Marco Giacopuzzi: Die Sicht dieser Kinder und wie sie ihre Welt beschreiben. Das tun sie nämlich manchmal so, dass man als Erwachsener merkt: So habe ich das in meinem ganzen Leben noch nie gesehen. Man lernt da eine ganz neue Denkart kennen. Das ist genial.

hessenschau.de: Die drei haben eine Erkrankung - und auch die anderen Kinder in ihren Filmen haben besondere Geschichten. Wie suchen Sie nach den richtigen Kindern für diese Drehs?

Giacopuzzi: Es geht darum, eine Geschichte zu finden, die anderen Kindern erst einmal fremd ist. Manchmal findet man ein Kind, das die perfekte Geschichte hat. Und manchmal gibt es erst die Idee und dann sucht man das Kind. Dann spricht man darüber was das Kind möchte und was es nicht möchte, was ich möchte und was die Eltern möchten. Und dann fragt man irgendwann: "Sagst du jetzt Ja zu dem Film?" Wenn das Kind Ja sagt, geht man hin und fängt an.

hessenschau.de: Die Kinder erzählen sehr intime Geschichten aus ihrem Leben. Wie gehen Sie als Autor mit diesem Vertrauen um?

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Giacopuzzi: Bei einem Kind will man natürlich, dass es das Gefühl hat, gut aufgehoben zu sein. Die Kinder sind bei uns zwischen neun und 13 Jahren alt und mit neun findet man die Dinge noch nicht so peinlich wie mit 13. Sie sollen den Film aber auch in zwei, fünf oder zwanzig Jahren noch mögen. Damit sie, selbst wenn ihnen das eine oder andere peinlich ist, nicht traurig darüber sind, dass sie mitgemacht haben. Außerdem muss man diese Filme anständig machen. Denn heute braucht es nicht viel, bis am nächsten Tag die ganze Welt real oder virtuell auf die Kinder einprügelt.

hessenschau.de: Was für Momente berühren Sie nach so vielen Jahren besonders?

Giacopuzzi: Wenn wir reden und ein Kind mir sagt: "Marco, was ist denn das jetzt für eine Frage?" Das berührt mich zutiefst. Denn dann guckt plötzlich ein Kinderauge auf mich und findet, dass das jetzt nicht ins Fernsehen muss. Und eigentlich hat es vollkommen Recht. Natürlich gibt es auch immer wieder andere Momente in denen man ergriffen ist, wie unglaublich offen ein Kind über sein Leben, seine Gefühle, sein Traurig-, und Glücklichsein spricht. In dem Moment freut man sich, dass jemand einem das vor laufender Kamera anvertraut - aber man ist sich dann gar nicht sicher ist, ob man das auch in den Film packen soll.

hessenschau.de: Was bedeutet der Grimmepreis für Sie?

Giacopuzzi: Das ist eine Anerkennung, da freut man sich. Spüren, dass die Arbeit - die man ja wirklich mit Empathie und mit Leidenschaft macht - anderen Leuten gefällt und sie das wertschätzen, das ist schon schön. Aber wenn ein Kind mir sagt: "Marco, der Film ist so schön geworden", das ist genauso wichtig. Wichtiger.

Das Interview führte Sophie Spelsberg

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Grimmepreis auch für "Kulenkampffs Schuhe"

Mit dem Dokumentarfilm "Kulenkampffs Schuhe" gewinnt auch in der Kategorie Information und Kultur eine hr-Produktion den Grimmepreis. In der Koproduktion von SWR, hr und der Produktionsfirma zero one arbeitet die Dokumentarfilmerin Regina Schilling die Bedeutung des Unterhaltungsfernsehens im Nachkriegsdeutschland auf. hr-Redakteurin für das Projekt war Sabine Mieder.

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