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Audioseite Nele Neuhaus veröffentlicht einen neuen Taunus-Krimi

Eine Frau mit blonden Haaren und schwarzem T-Shirt steht vor einem Bücherregal.

Autorin Nele Neuhaus veröffentlicht den zehnten Taunus-Krimi. Diesmal ist vieles anders: Ganz persönliche Erfahrungen von Nele Neuhaus fließen mit ein - und eine ordentliche Portion Frankfurt, wie sie im Interview verrät.

Ihre ersten Bücher erschienen noch im Eigendruck, mittlerweile gehört Nele Neuhaus zu den meistgelesenen deutschen Krimiautoren. Auch international ist sie gefragt, ihre Bücher erscheinen in über 20 Ländern. Vom Polizeipräsidenten von Westhessen wurde sie sogar zur Kriminalhauptkommissarin ernannt - ehrenhalber.

Zum Erfolg verholfen hat ihr ihre Heimat: der Taunus. Dort spielen ihre Krimis um das Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, mit denen Neuhaus sich eine begeisterte Fangemeinde geschaffen hat. Die Fernsehverfilmungen erreichen regelmäßig ein Millionenpublikum. Jetzt erscheint ein weiterer Teil der Reihe, "In ewiger Freundschaft".

Im Interview erklärt Nele Neuhaus, wieso ihre Ermittler diesmal auch in Frankfurt auf Spurensuche gehen und wie viel Druck sie vor der Arbeit an einem neuen Band verspürt.

hessenschau.de: Die Taunus-Krimis gibt es seit 2006, jetzt erscheint der zehnte Band. Um was geht es diesmal?

Nele Neuhaus: Es geht in die Literaturwelt. Ich glaube, meine Leserinnen und Leser können sich auf einen wirklich spannenden und trotzdem humorvollen Fall gefasst machen, denn Pia Sanders Ex-Mann, der Rechtsmediziner Henning Kirchhoff, schreibt jetzt selbst Krimis und in seinem Verlag tun sich dunkle Sachen: Es wird eine langjährige Programmleiterin entlassen und gleich zu Beginn des Buches auch schon vermisst. Und dann wird es natürlich spannend. Alles spielt wie gewohnt im Vordertaunus, aber diesmal auch viel in Frankfurt.

hessenschau.de: Fließen Ihre persönlichen Erfahrungen aus der Verlagswelt in die Geschichte ein?

Neuhaus: Erst mal kenne ich mich natürlich mittlerweile aus in der Literaturwelt. Durch diese Konstellationen - Verlag, Leser, Buchhändler, Lektoren, Autoren - gibt es derart viele Facetten an Menschlichem, dass das für eine Autorin ein gefundenes Fressen ist. Es gibt so viele verschiedene Charaktere und gerade bei den Autoren manchmal ziemlich große Egos, die äußerst interessant sind.

hessenschau.de: Diesmal geht es im Buch auch in die Großstadt, nach Frankfurt. Wieso?

Neuhaus: Ich liebe Frankfurt sehr, deswegen gibt es diesmal auch einige Fahrten und Ermittlungen durch Frankfurt. Der Grüneburgpark, die Schillerstraße, der Goetheplatz, eine S-Bahn-Fahrt, bei der die Ansage "Hauptwache" kommt. Ich denke, Frankfurterinnen und Frankfurter werden viel Freude haben, wenn sie diese Buch lesen.

Eine blonde Frau mit heller Jacke ist von hinten zu sehen. Sie geht durch eine Fußgängerzone.

hessenschau.de: Wieso ist Ihnen die Verankerung in Hessen so wichtig?

Neuhaus: Wenn man sich meine Geschichte ansieht, war es so, dass ich meinen ersten Krimi ursprünglich nicht im Taunus angesiedelt hatte. Ich hatte mir ein ganzes Universum mit Städte- und Straßennamen und Schauplätzen ausgedacht. Damals war ich noch reine Hobby-Autorin und konnte nicht immer an einem Stück schreiben. Es stellte sich irgendwann als sehr schwierig heraus, mich immer wieder zu erinnern: Wo war das jetzt? Wie hieß dieser Ort noch?

Eines Nachmittags dachte ich mir: Mein Gott, es gibt Allgäu-Krimis, es gibt Eifel-Krimis und ich habe noch nie gehört, dass ein Autor verklagt worden ist deswegen. Warum nicht auch mal der Taunus? Und zack, zack, an einem Nachmittag habe ich die Schauplätze in reale Orte umgewandelt und auf einmal machte es mir richtig Freude, weil ich in Gedanken immer ganz nah dabei war.

hessenschau.de: Sie gelten neben Cornelia Funke als die deutsche Erfolgsautorin. Ihre Fangemeinde ist riesig. Da ist der Druck, ein neues Buch zu schreiben, wahrscheinlich ziemlich hoch?

Neuhaus: Die Inspiration, der sogenannte Musenkuss, ist das eine, der Rest ist viel Handwerk. Ich muss mir schon einen Rahmen stecken und innerhalb dieses Rahmens auch fertig werden. Mittlerweile weiß ich aus Erfahrung - ich habe jetzt 27 Bücher geschrieben - wie lange es braucht, wie lange ich mir als Puffer noch einplanen muss, falls ich mal irgendwo steckenbleibe und vielleicht wieder einen Schritt zurückgehen und anders schreiben muss. Pi mal Daumen ein Jahr brauche ich, um wirklich sorgfältig arbeiten zu können.

hessenschau.de: Sie hatten mit den Taunus-Krimis Ihren Durchbruch und auch international einen Riesenerfolg. Sie können gar nicht mehr damit aufhören, selbst wenn Sie wollten, oder?

Neuhaus: Ich glaube, ich will gar nicht. Weil ich auch viele andere Bücher schreibe. Ich schreibe zwei Jugendbuch-Reihen, die sich in erster Linie an Pferde liebende Mädchen wenden. Im letzten Sommer habe ich den dritten Band meiner Sheridan-Grant-Trilogie geschrieben, die in den USA spielt.

Zwei Frauen und ein Mann stehen mit verschränkten Armen nebeneinander und blicken in die Kamera.

Zu Bodenstein und Pia Sander in den Taunus zurückzukehren, ist für mich immer wieder ein bisschen wie nach Hause kommen. Dazu kommt auch, dass es mir persönlich sehr wichtig ist, dass sich meine Ermittler und alle anderen Charaktere immer weiterentwickeln. Da ist kein Stillstand. Das macht diese Reihe für mich nach wie vor so interessant und spannend, weil nicht nur der Kriminalfall sich weiterentwickelt, sondern auch die Figuren.

hessenschau.de: Sie schreiben seit Ihrer Kindheit, haben erst im Selbstverlag veröffentlicht und schon damals viele Fans gehabt. Wie erklären Sie sich den Erfolg Ihrer Bücher? 

Neuhaus: Ich glaube, ich schreibe das, was ich gerne selbst auch lesen möchte. Und ich habe einen - das soll jetzt überhaupt nicht despektierlich klingen - Mainstream-Geschmack. Das heißt: Ich lese sehr gerne Bücher, die auf den Bestseller-Listen zu finden sind. Und ich gebe mir sehr viel Mühe mit jedem Buch. Ich denke, das merkt man den Büchern auch an, dass sie immer durchdacht sind und ich immer mein Bestes geben möchte.

hessenschau.de: Bisher sind alle Taunus-Krimis verfilmt worden, gerade erst der vorherige Band "Muttertag". Können Sie bei der Verfilmung mitreden?

Neuhaus: In der Vergangenheit war das nicht ganz so einfach. Aber mit "Muttertag" kam der große Wechsel, ich habe nämlich einen neuen Produzenten. Da war ich schon von Anfang an mit in die Drehbuch-Entwicklung eingebunden. Ich durfte meine Meinung sagen, ein bisschen an den Dialogen mitarbeiten und ich bin ganz zufrieden. Ich habe den Rohschnitt schon gesehen und muss sagen: Zweimal 90 Minuten wurden nicht langweilig!

hessenschau.de: Wenn man die Filme gesehen hat, lohnt es sich dann überhaupt, das Buch noch zu lesen?

Neuhaus:  Es ist überhaupt nicht eins zu eins umgesetzt. Ich denke, dass man in einem Buch noch viel, viel mehr findet als in einem Film. Das sind zwei verschiedene Genres, es wird auch auf eine andere Art und Weise erzählt. Die Innenschau von einem Täter zum Beispiel kann man im Fernsehen gar nicht so rüberbringen. Insofern, denke ich, würde es sich schon lohnen. Wenn man den Film gesehen hat und trotzdem noch neugierig auf Details ist wie das Privatleben der Ermittler, dann sollte man durchaus noch mal zum Buch greifen.

Das Gespräch führte Yvonne Koch.

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Darum geht es in "In aller Freundschaft"

Eine Frau wird vermisst. Im Obergeschoss ihres Hauses in Bad Soden findet die Polizei den dementen Vater, verwirrt und dehydriert. Und in der Küche Spuren eines Blutbads. Die Ermittlungen führen Pia Sander und Oliver von Bodenstein zum renommierten Frankfurter Literaturverlag Winterscheid, wo die Vermisste Programmleiterin war. Ihr wurde nach über 30 Jahren gekündigt, woraufhin sie einen ihrer Autoren wegen Plagiats ans Messer lieferte - ein Skandal und vielleicht ein Mordmotiv?

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