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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt entdeckt "Westend" von Martin Mosebach neu

Portrait von Sabine Baumann in Kombination mit dem Buchcover des Romanes "Westend" von Martin Mosebach

Das Lesefest "Frankfurt liest ein Buch" geht 2019 in die zehnte Runde - mit Martin Mosebachs Roman "Westend". Welche Veranstaltungen geplant sind, und warum Mosebach mit seinem Buch seiner Zeit voraus war, erzählt Mitorganisatorin Sabine Baumann im Interview.

hessenschau.de: Dieses Jahr ist Jubiläumsjahr. Schon zehn Jahre lang liest Frankfurt jedes Jahr ein Buch. Nun wurde Martin Mosebachs "Westend" ausgewählt. Warum?

Sabine Baumann (Vorsitzende des Vereins "Frankfurt liest ein Buch"): Dieser Roman spukt schon sehr lange in unseren Listen herum. Es ist ein Buch, das viel nachgefragt wird, auch Buchhändler haben uns gebeten, das doch mal zu machen. Nun ist es endlich geglückt, und wir konnten seinen neuen Verlag Rowohlt als Kooperationspartner gewinnen.

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Frankfurt liest ein Buch

"Frankfurt liest ein Buch" 2019
6. bis 19. Mai 2019
Martin Mosebach "Westend"
Programm
hr2-Doppelkopf mit Martin Mosebach
hr2-Lesezeit mit Martin Mosebach

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hessenschau.de: "Westend" spielt im zerstörten Nachkriegsfrankfurt und in den Aufbaujahren der Stadt. Was macht den Stoff für Sie heute so interessant?

Baumann: "Westend" behandelt neben den Familiengeschichten auch die großen Themen Stadtmodernisierung, Spekulation und Gentrifizierung. Deswegen ist der Roman auch sehr heutig, denn uns treibt ja 2019 auch intensiv um, wie Stadtviertel umgestaltet werden, und was das für die Bewohner bedeutet. Wir sehen in diesem Roman einen sehr starken Gegenwartsbezug. Eigentlich könnte man sogar sagen, dass das Buch damals als Mosebach es 1992 schrieb, seiner Zeit ein wenig voraus war - auch literarisch und stilistisch.

hessenschau.de: Was sagt denn der Autor selbst dazu, nun die Hauptrolle bei "Frankfurt liest ein Buch" zu spielen?

Baumann: Der war sehr gerührt und hat uns gesagt, dass er sich das schon lange gewünscht hat. Er ist sehr stark beteiligt, liest aus seinem Buch, nimmt an Gesprächsrunden teil und bringt sich stark ein. Er wird auch seine alte Schule im Westend besuchen und mit den Schülern über seine Arbeit sprechen. Im Buch bleibt der Name ungenannt, aber es handelt sich um das Lessing-Gymnasium. Wir werden viel Martin Mosebach in den zwei Wochen erleben.

hessenschau.de: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Bücher generell aus?

Baumann: Das wichtigste Kriterium für "Frankfurt liest ein Buch" ist, dass das Buch einen möglichst ausgeprägten Bezug zu Frankfurt haben soll. Martin Mosebach ist Frankfurter und sein Roman spielt in Frankfurt. Wenn das so ist, können wir Stadtspaziergänge auf den Spuren von Werk und Autor machen, wir können Gebäude oder Einrichtungen zeigen, die mit dem Buch zu tun haben. Und wenn es dann sogar Menschen gibt, die mit dem Autoren oder der Geschichte zu tun haben, ist das natürlich toll. Zeitzeugen, Verwandte, ehemalige Weggefährten: Wir binden alle ein.

Wie damals als Silvia Tennenbaum in Frankfurt war, als sie noch lebte, und ihre "Straßen von gestern" vorgestellt hat. Da gab es ganz viele Menschen, die die Autorin noch kannten, oder sogar ihre Eltern. Da waren sehr berührende Szenen dabei. Das ist sehr schön, wenn so ein Buch auch eine Art Nachhausekommen ist.

hessenschau.de: Viele Bücher Ihrer Auswahl sind schon vergriffen und längst aus den Buchläden verschwunden.

Baumann: Ja, oft muss das Buch vom Verlag neu aufgelegt werden, mit allem, was dazu gehört. Man beginnt also die ganze Geschichte des Buches von vorne. Martin Mosebachs "Westend" erschien schon 1992 erstmals und geriet dann in Vergessenheit. Sein neuer Verlag, Rowohlt, hat sich aber entschieden, auch seine früheren Werke wieder zugänglich zu machen.

hessenschau.de: Was bedeutet Lesefest? Was passiert in den zwei Wochen?

Baumann: Verschiedene Einrichtungen, Stadtteile, Begegnungsstätten, Büchereien, Buchhandlungen machen auf eigene Initiative mit. Sie werden von uns gebündelt und zu einem Programm zusammengeführt. Es wird sehr viel vorgelesen: von Schauspielern, Privatleuten, in Schulen. Auch Kinos machen mit. "Westend" wurde zwar nicht verfilmt, aber das Filmmuseum in Frankfurt oder der Filmklub in Offenbach zeigen Filme, die thematisch nah dran sind am Buch. Das hat einen zweiwöchigen Festcharakter. Viele Menschen besuchen mehrere Veranstaltungen in dieser Zeit. Das ist schon eine sehr intensive Art, sich mit so einem Buch auseinanderzusetzen.

Die Idee des Lesefests kommt ursprünglich aus den USA: "One city, one book". Chicago macht es, auch in New York gibt es das. Auch in anderen deutschen Städten gibt es diese Lesefeste, etwa in Regensburg oder Köln. Besonders an Frankfurt ist, dass wir nur Bücher auswählen, die auch in Frankfurt spielen.

hessenschau.de: Welche Highlights gibt es in diesem Jubiläumsjahr?

Baumann: Wir werden eine Ausstellung zu zehn Jahren "Frankfurt liest ein Buch" zeigen. Mit allen Büchern und Autoren. Da wird es viele Hörbeispiele aus Lesungen geben, wir zeigen auch Filmdokumentationen über jedes einzelne Lesefest, hr2 macht eine Hörstation mit zehn Autorenlesungen zu den jeweiligen Büchern. Für Schüler und Schülerinnen haben wir ein Quiz vorbereitet.

Das Interview führte Katrin Kimpel.