Seriale Gießen
Szene aus der Horror-Serie DemonX. Bild © Seriale Gießen

Thriller, Science Fiction, Mystery: Mit einem vollen Programm geht das Serien-Festival "Seriale" in Gießen in seine fünfte Ausgabe. Im Interview erklärt Festival-Chef Csongor Dobrotka, warum Webserien inzwischen beliebter als Kinofilme sind.

Csongor Dobrotka ist Mitbegründer des Serien-Festivals "Seriale" in Gießen. Der Drehbuchautor produziert aber auch selbst kurzformatige Serien - wie seit 2013 die preisgekrönte Mystery-Serie "Number of Silence", die in Gießen und Wetzlar spielt. Im Interview blickt er auf die vergangenen fünf Jahre zurück und verrät einige Höhepunkte aus dem aktuellen Programm.

hessenschau.de: Herr Dobrotka, Sie haben die Seriale 2015 mit einem Kollegen ins Leben gerufen, jetzt gehen Sie mit einem 60-köpfigen Team in die fünfte Ausgabe. Die Seriale scheint ganz schön groß geworden zu sein.

Csongor Dobrotka: Die Seriale ist exponentiell gewachsen. Ich würde behaupten, sie ist jetzt 20 Mal größer als im ersten Jahr. 2017, mit der dritten Ausgabe, ist das Festival international geworden. Bis dahin waren wir ein Festival für deutschsprachige digitale Serien. Das hat das Festival stark verändert und vergrößert. In diesem Jahr werden wir Besucher aus 16 verschiedenen Ländern haben.

hessenschau.de: Hat sich die Serienlandschaft weiter verändert? Serien gelten ja schon länger als eigene Kunstform.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Youtube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Youtube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Dobrotka: Am Anfang hatten wir den Fokus noch auf Independent-Serien, also Serien, die unabhängig von TV-Redaktionen gedreht wurden. Der Begriff Web- oder digitale Serie war zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nicht bekannt. Erst 2016, als funk, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF, angefangen hat, Webserien zu produzieren, wurde dieser Begriff auch in Deutschland geläufig.

In der Zwischenzeit hat er sich weiter gewandelt, auch international. Man spricht jetzt von digitalen Serien oder "Short Form Series" (z.dt. kurzformatige Serien, Anm.d.Red.). Und so heißt unser Festival inzwischen nicht mehr "Indie Series Festival" sondern "Digital Series Festival Gießen".

hessenschau.de: Wie kurz ist eine kurzformatige Serie?

Dobrotka: Von ein paar Sekunden bis hin zu etwa 20 Minuten.

hessenschau.de: Sind kurzformatige Serien inzwischen zu einer Art Mainstream geworden?

Dobrotka: Das Format hat sich extrem verändert. Früher waren Webserien vor allem zum Experimentieren da. Sie kamen aus der Independent-Szene, einer Bewegung, die unzufrieden war mit den ganzen TV-Serien. Inzwischen gibt es eine riesige Vielfalt, so dass auch kurzformatige Serien eine ganz andere Qualität mitbringen müssen, um mitzuhalten. Die Qualität ist unglaublich gestiegen. Da ist fast kein Unterschied mehr zu sehen zwischen lang- und kurzformatigen Serien. Generell haben Serien inzwischen vielleicht sogar den Kinofilm als das beliebteste Medium abgelöst.

hessenschau.de: Auch, weil jeder kurze Serien unterwegs schauen kann?

Seriale Gießen
Szene aus "Anomalie". Bild © Seriale Gießen

Dobrotka: Langformatige Serien sind eher fürs Fernsehen gemacht, während das primäre Medium von Webserien mobile Endgeräte sind. Man schaut diese Serien unterwegs oder zwischen zwei Meetings. So sind die Serien auch dramaturgisch strukturiert. Und dadurch, dass fast jeder heutzutage ein Handy hat, wächst einfach das Interesse an kurzformatigen Inhalten. Spannend wird das kommende Jahr, da soll in den USA der Streamingdienst Quibi starten, dessen Zielgruppe sind Handy- und Tabletnutzer. Für sie werden kurzformatige Serien mit Hollywoodschauspielern produziert.

hessenschau.de: Zurück zur Seriale. War sie auch ein Sprungbrett für Serienmacher?

Dobrotka: Auf jeden Fall. Wir haben inzwischen ein Netzwerk von 19 Partnerfestivals weltweit und sind eines der drei größten Branchentreffen. Die Partner wählen von der Seriale deutschsprachige Serien für ihre Festivals aus, so dass die dann auf der ganzen Welt laufen. Und wir machen es umgekehrt. So werden Serien wie "Deichbullen" entdeckt - die lief bei uns zum ersten Mal überhaupt mit einem Trailer. Inzwischen gibt es sie auf Netflix.

hessenschau.de: Was sind die Highlights in diesem Jahr?

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Youtube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Youtube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Dobrotka: Früher haben wir Serien gezeigt, die schon liefen. Dieses Jahr haben wir darauf geachtet, dass wir ganz neue Serien im Programm haben, allein drei Weltpremieren aus Hessen. Als Highlight würde ich die Weltpremiere von "Anomalie" bezeichnen, es geht um einen jungen Mann, der das Rätsel seiner Herkunft entschlüsseln will. Ein weiteres Highlight ist die Weltpremiere von "Der kleine Achill". In der Serie träumt sich der zehnjährige Alex in die Geschichte des Helden Achill hinein.

Wir haben dieses Jahr einen argentinischen Fokus und deswegen kommen außerdem ein, zwei sehr schöne Serien von dort. Argentinien ist, was kurzformatige Serien angeht, der derzeit vielleicht innovativste Markt, der die besten Serien hervorbringt.

Weitere Informationen

Die Seriale

Die fünfte Seriale läuft vom 13. bis 16. Juni und hat 58 Serien und 11 Pilotfolgen im Programm, davon sind 45 Serien Deutschland-Premieren, drei Weltpremieren kommen aus Hessen. Die Serien werden in acht Vorstellungen gezeigt. Eröffnet wird das Festival mit einem Open Air Spezial im Lottehof Wetzlar, am Donnerstag, 13. Juni (ab 19 Uhr). Weitere sieben Vorstellungen finden im Kinocenter Gießen statt: Freitag, 14. Juni (16.30, 19 und 21.30 Uhr), Samstag, 15. Juni (16.30 und 19 Uhr), und am Sonntag, 16. Juni (14 uns 16.30 Uhr).

Ende der weiteren Informationen

Das Interview führte Sonja Fouraté.