Skylines Serienstills

Am Freitag startet beim Streamingdienst Netflix die Serie "Skylines", die in der Frankfurter Rapszene spielt. Im Interview spricht Drehbuchautor Dennis Schanz über seine Liebe zum Straßenrap und verrät, warum er Frankfurt als perfekte Bühne für menschliche Dramen sieht.

Frankfurt goes Netflix: Am 27. September startet die sechsteilige Serie "Skylines" in 190 Ländern. Hauptfigur ist Jinn, ein talentierter junger Hip-Hop-Produzent. Als ihm das prestigeträchtige Frankfurter Label Skyline Rekords einen Vertrag anbietet, wittert er die Chance seines Lebens. Immerhin ist der Chef des Labels einer der größten Rap-Stars Deutschlands.

Doch dann kehrt dessen krimineller Bruder aus dem Exil zurück und fordert seinen Anteil. Nach und nach wird das Label von Gangstern infiltriert und auch die Polizei macht zunehmend Probleme. Im Interview mit hessenschau.de verrät Dennis Schanz, Drehbuchautor der Serie, warum Frankfurt die perfekte Kulisse war und wie die Zusammenarbeit mit bekannten Rappern lief.

hessenschau.de: Herr Schanz, Ihre Produktionsfirma sitzt in Berlin, Berlin ist generell ein beliebter Drehort. Wie kamen Sie auf die Idee, eine Serie in Frankfurt spielen zu lassen?

Dennis Schanz: In der Serie geht es ganz stark um die Verschränkung von Geschäftlichem und Privatem. Frankfurt ist für mich schon auf den ersten Blick die Business-Stadt schlechthin: Es gibt die Börse, die Europäische Zentralbank, den Flughafen, eben all das, was mit Business in Verbindung gebracht wird. Frankfurt war der perfekte Drehort.

Skylines Serienstills

hessenschau.de: Kannten Sie die Stadt auch persönlich?

Schanz: Ich habe einen großen Teil meines Studiums in Mainz verbracht und deshalb auch immer einen Bezug zu Frankfurt gehabt. Ich bin oft in Frankfurt gewesen. Für mich als Berliner war immer besonders spannend, dass in Frankfurt verschiedene Welten geballt aufeinander treffen. Da ist die Business-Welt, die Wohlstands-Welt sozusagen. Es gibt Leute in Geschäftsanzügen, die mit dem Taxi ins Büro fahren, in den Fahrstuhl steigen und vom 14. Stock auf die Straße gucken. Auf den Straßen des Bahnhofsviertels laufen sie dann an Dealern oder Junkies vorbei. 

hessenschau.de: Wie kam der Deutschrap ins Spiel?

Schanz: Deutschrap war schon immer eine absolute Leidenschaft von mir. Ich habe schon als Kind viel Rap gehört, vor allem Gangsterrap, Straßenrap. Ich mochte schon immer dieses eher Roughe, Direkte. Gangsterrap hat außerdem viel mit Business zu tun, eine Art Fratze des Kapitalismus, es geht um Geld, Konsum, und das wird nicht versteckt, sondern direkt nach außen getragen.

Dazu kommt, dass Straßenrap aus Frankfurt für mich seit Jahren das Nonplusultra in Deutschland ist. Es gibt einige Koryphäen, die das Genre neu geprägt und etwas komplexer gemacht haben, statt einfach nur die gängigen Klischees zu bedienen. Sie haben aus Rap eine eigene Kunstform gemacht.

hessenschau.de: Es war zu lesen, Sie hätten eine Hospitanz beim Label von Celo und Abdi gemacht.

Schanz: (lacht) Hospitanz ist zu viel gesagt, es war im Prinzip eine ganz normale Recherchearbeit. Ich habe den Kontakt zu 385idéal gesucht, dem Label, das Celo & Abdi gehört und das unter anderem Olexesh oder Nimo unter Vertrag hat. Sie arbeiten aber auch mit dem Label Azzlackz zusammen, also mit Haftbefehl, Hanybal und Co. Wenn ich dort hineinschaue, dachte ich, bin ich im Zentrum des Frankfurter Straßenraps.

hessenschau.de: Und wie war die Zusammenarbeit?

Schanz: Es war sehr inspirierend und hilfreich, einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen. Ich kenne mich schon sehr gut aus im Rap-Bereich, war aber nie aktiv Teil der Szene. Es war vor allem hilfreich, was die Sprache angeht, die ich für die Serie verwende. Ich glaube, wenn ich Menschen beobachte, kriege ich schnell ein Gespür dafür, wer ist diese Person, wie spricht diese Person, warum spricht die Person so und so. Dafür war es super. 

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hessenschau.de: Nun ist in der vergangenen Woche ein Frankfurter Rap-Label aufgetaucht, das behauptet, Marke und Story wären geklaut.

Schanz: Ja, wir haben ein Anwaltsschreiben bekommen, das derzeit geprüft wird. Mehr möchte ich aber dazu nicht sagen.

hessenschau.de: Sie spielen in der Serie mit dem Klischee, dass Frankfurt eine Crime-City ist - ein Klischee, mit dem auch der Deutschrap gerne spielt. Wer ist vor dem Hintergrund die Zielgruppe der Serie?

Schanz: Ich habe die Serie immer als Dramaserie kommuniziert, nicht als Rap- oder Gangster-Serie, noch nicht einmal als Crime-Serie. Es ging mir immer darum, ein vielschichtiges Bild von einer Stadt, von einer Gesellschaft, von einem Milieu zu zeichnen. Die Hip-Hop-Welt ist also nur ein Teil dieses - wenn man so will - kapitalistischen Mikrokosmos in Frankfurt. Klar, es gibt auch die Gangsterwelt, dann gibt es die Welt der Banken, und auch Immobilien spielen eine Rolle. In Frankfurt treffen Welten aufeinander, wodurch viele Gegensätze entstehen. Genau die will ich zeigen… 

hessenschau.de: … und wie dabei Geschäftliches und Privates verschränkt sind.

Schanz: Es war mir auch wichtig zu beleuchten, wie sich die Business-Welt und Konflikte der Business-Welt auf das Private, auf Freundschaften, auf die Familie auswirken. Das heißt, es geht auch um Familienverhältnisse und – ohne zu viel verraten zu wollen – was für eine Auswirkung eine wichtige Business-Entscheidung auf die Familie und auf Freundschaften hat. Wir erzählen also nicht nur eine Geschichte wie "Bande A gegen Bande B“ oder "Der Aufstieg und Fall eines Rappers“. Wir erzählen von menschlichen Konflikten, und die werden in dieser Serie auf der Bühne Frankfurt ausgetragen.

Dennis Schanz

hessenschau.de: Wie geht es weiter? Immerhin endet die erste Staffel mit einem Cliffhanger.

Schanz: Wir sind am Planen und Vorbereiten, aber wir müssen natürlich darauf warten, wie die Serie angenommen wird.

Weitere Informationen

Dennis Schanz...

...wurde in Berlin geboren und ist dort aufgewachsen. Bis 2013 studierte er Filmwissenschaft und Amerikanistik in Berlin, Zürich, Mainz und Kansas. Während des Studiums gründete er mit einem Kommilitonen seine Produktionsfirma, die nun als eine von zweien "Skylines" für Netflix realisiert. Dennis Schanz ist hauptverantwortlicher Drehbuchautor der Serie.

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Das Gespräch führte Sonja Fouraté.