Dichtung und Wahrheit Sendereihenbild

Moses Pelham, Sabrina Setlur, Azad, Haftbefehl: In einer neuen hr-Doku-Reihe erzählen Ikonen des deutsche Hip-Hop die Geschichte ihrer Subkultur. Mariska Lief, Autorin der Reihe, über den ersten Diss-Track, überraschendes Archivmaterial und ganz neue Sprach-Experimente.

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Kaum eine Musikrichtung ist in Deutschland so erfolgreich wie der Hip-Hop. Eine Erfolgsgeschichte, die vor rund 40 Jahren beginnt. Damals bringen im Rhein-Main-Gebiet stationierte US-Soldaten ihre Musik mit. Vor allem in Frankfurt wird diese neue Subkultur dankend aufgenommen. Die Stadt ist multikulti, Banken- und Drogenwelt prallen aufeinander, die hessische Tradition trifft urbanes Lebensgefühl.

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Wo? Wann?

In der ARD-Mediathek ist "Dichtung und Wahrheit" ab dem 21. September abrufbar. Im hr-fernsehen an vier Donnerstagen ab dem 23. September 2021 um 22.30 Uhr.

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Und so bringt die Stadt künstlerische Revolutionärinnen und Revolutionäre des deutschen Hip-Hop hervor - wie Moses Pelham, Sabrina Setlur oder Azad. Den Anfängen dieser Subkultur geht jetzt eine vierteilige Doku-Serie von Mariska Lief und Wero Jägersberg nach. Ihr war dabei selbst nicht klar, wie sehr das Rhein-Main-Gebiet den deutschen Hip-Hop geprägt hat, erzählt Mariska Lief im Interview.

hessenschau.de: Mariska, eure Doku-Serie ist nicht die erste Hip-Hop-Dokumentation. Was bekommen die Zuschauerinnen und Zuschauer bei "Dichtung und Wahrheit" Neues geboten?

Mariska Lief: Das Neue ist, dass tatsächlich noch nie jemand den Fokus auf Frankfurt gelegt hat. Jeder, der Hip-Hop hört, kennt Stuttgart, Heidelberg oder Berlin und die Bands, die mit diesen Städten verbunden sind - Advanced Chemistry mit Heidelberg zum Beispiel. Den wenigsten ist aber klar, wie sehr Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet den Hip-Hop geprägt haben. Darauf legen wir die Perspektive.

hessenschau.de: Mit welchen Protagonisten habt ihr gesprochen - sind neben den bekannten wie Moses P. auch unbekanntere dabei?

Moses Pelham mit 50 und mit 18 Jahren

Lief: Wir haben mit 22 Protagonisten gesprochen, wobei natürlich noch viel mehr seit den 1980er Jahren aktiv waren. Das beginnt mit Gruppen wie "We wear the Crown", bei der Moses Pelham dabei war. "We wear the Crown" war in den 1980ern deutschlandweit bekannt, weil sie die stärksten Rapper hatten, die besten Breakdancer, die besten Beatboxer - wie Turbo B., der später bekannt wurde bei Snap!. Deren Lied "I‘ve Got the Power" kennt wahrscheinlich jeder, weil es ein typisches Radio- und Partylied ist.

Oder: Der allererste Diss-Track, den es im deutschen Hip-Hop gab, das war "Ich diss dich" von Konkret Finn. Und die kamen aus Frankfurt. Von ihnen haben wir tolles Archivmaterial bekommen. Und wir haben mit Iz gesprochen, dem Beatboxer und zweiten Rapper von Konkret Finn.

Er erzählt davon, wie er hier in einer Siedlung von Amerikanern groß geworden ist, wie er dort zum Beatboxen gekommen ist, weil er es von den Amerikanern aufgeschnappt hat. Generell wird die Doku aus der Perspektive der Protagonisten erzählt.

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hessenschau.de: Was war für dich die schönste Entdeckung bei der Recherche?

Lief: Ich glaube, mir war vorher selbst nicht so klar, wie viele Impulse für die Szene aus Frankfurt kamen - und das über vier Jahrzehnte hinweg. Der erste Diss-Track kam wie gesagt von hier, außerdem Battle-Rap, Straßen-Rap. Es war im Prinzip Azad, der da zum ersten Mal für Furore gesorgt hat. 2001 kam sein Album "Leben" mit dem Video "Napalm" raus. Darin sind Menschen in Sturmmasken rumgelaufen, mit Pitbulls und in Camouflage-Kleidung.

Als das auf Viva lief, war es ein Riesenschock. Damit hat Azad das begründet, was später Straßen- oder Gangsta-Rap geworden ist. Es war auch eine Blaupause zum Beispiel für das Label Aggro Berlin und alles, was dann kam. Also, ich fand es spannend zu sehen, dass so viele Impulse von hier kamen. Auch wenn man eine musikalische Entwicklung natürlich nicht an einem Punkt oder einer Band festmachen kann.

hessenschau.de: Bestimmte Themen schweben quasi in der Luft, Bands reagieren auf politische oder gesellschaftliche Entwicklungen.

Lief: Deswegen versuchen wir in der Doku auch zu zeigen, dass bestimmte Entwicklungen aus bestimmten Gründen passiert sind - zum Beispiel, wie sich der Hip-Hop auf einmal kommerzialisierte, weil die Musikindustrie das Genre für sich entdeckt hat. Oder den Einfluss der rassistischen Anschläge in Mölln oder Rostock-Lichtenhagen. Auch die haben etwas mit dem Hip-Hop gemacht.

hessenschau.de: Zwischendurch war das Genre ja auch schon totgesagt.

Lief: 2008/2009, als Streamingdienste kamen und illegale Downloads zunahmen, sind die Hip-Hop-Verkaufszahlen eingebrochen. Dann kam aber wieder ein wichtiger Impuls aus Rhein-Main: Haftbefehl in Offenbach und Celo&Abdi in Frankfurt haben wieder etwas Neues gebracht - nämlich mit unterschiedlichen Sprachen zu experimentieren. Arabische, türkische, bosnische Wörter einfließen zu lassen, das gab es vorher nicht. Das kam auch daher, dass Frankfurt und Offenbach multikulturell sind.

Ein Wort wie Chabo zum Beispiel - Haftbefehl hat es nicht erfunden. Es ist ein Roma-Wort, das hier an der Hauptwache kursierte, die ein Treffpunkt für die Hip-Hop-Community war. Haftbefehl und Celo&Abdi haben das aufgegriffen und den Hip-Hop so wieder auf ein völlig neues Level gebracht.

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Sendung: hr-fernsehen, hauptsache kultur, "Dichtung und Wahrheit", vier Teile, ab dem 23.09.2021, 22.30 Uhr