Niqab von Wesaam Al-Badry - "Desert Dream Collection" von Rasit Bagzıbagli

Passen Kopftuch und Frauenrechte zusammen? Schon vor ihrem Start sorgt eine Ausstellung in Frankfurt über islamische Mode für Wirbel. Eine Gruppe "säkularer Migrantinnen" wirft den Machern vor, islamische Kleidervorschriften als Modetrend zu verharmlosen.

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Schon als die Ausstellung "Contemporary Muslim Fashions" im September vergangenen Jahres im "de Young Memorial Museum" in San Francisco eröffnete, rechnete Ausstellungsmacher und Ex-Städelchef Max Hollein mit massiver Kritik. Man werde ihm vielleicht vorwerfen, einer Mode zu huldigen, die die Unterdrückung von Frauen feiere, sagte er damals dem "Spiegel". Es kam erst einmal anders.

In den USA ging es eher um Trumps Einreiseverbot für muslimische Länder. Eine Bürgerrechtsorganisation zeigte in der Ausstellung Seidenschals mit "banned"-Schriftzug. Doch mit der Übernahme der Ausstellung im Frankfurter Museum Angewandte Kunst scheint sich Holleins Vorahnung nun zu bestätigen.

"Slowfactory Banned" der Designerin Céline Semaan

Protestbrief spricht von "Schlag gegen Frauenrechte"

Mehr als zwei Wochen vor Start der Ausstellung Anfang April haben sich "Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung" in einem Offenen Brief an Museumsleiter Matthias Wagner K gegen die Ausstellung gewandt. Ihr Protest schaffte es gerade auf die Titelseite des Feuilletons der FAZ. Die Ausstellung sei ein Schlag gegen die Frauenrechte und mache sich mit der Religionspolizei in manchen islamischen Ländern gemein, schreibt die Gruppe, zu der auch die in Frankfurt im Exil lebende iranische Frauenrechtlerin Monireh Kazemi gehört.

"Als Frauen, die aus diesem Kulturkreis kommen, haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir gegen unseren Willen unseren Kopf und unsere Haare bedecken mussten", sagt Kazemi dem hr. Die Unterzeichner des Protestbriefs werfen Wagner K vor, die politische Dimension der weiblichen Verhüllungsvorschriften durch Männer zu verharmlosen.

"Auch hier gibt es junge Frauen, die sich dem Druck zur islamisch korrekten Kleidung ausgesetzt fühlen", sagt Kazemi. Diese jungen Frauen würden in ihrem Widerstand gegen die konservativen Regeln entmutigt, wenn sie sehen, dass in einem Museum der islamischen Mode gehuldigt werde.

Bloggerin: Kopftuch heißt nicht automatisch Zwang

Museumleiter Wagner K bestreitet nicht, dass es diese politische Dimension in islamischen Ländern wie dem Iran oder Saudi Arabien gibt. "Aber wir haben hier andere Voraussetzungen mit einer solchen Mode umzugehen. Hier gibt es solche Bekleidungsvorschriften nicht", sagt Wagner K.

Die aus Tunesien stammende Bloggerin Yasmine M’Barek pflichtet ihm bei. "Allen Frauen, die Kopftuch tragen, zu unterstellen, dass sie unter Zwang handeln, ist falsch", sagt sie. In westlichen Ländern könnten sich Frauen bewusst und selbstbestimmt für das Kopftuch entscheiden, sagt sie. Für M’Barek, die die Schau in San Francisco gesehen hat, geht die Diskussion auch in die falsche Richtung.

Modest fashion: Datin Haslinda Abdul Rahim für Blancheur - Windri Widiesta Dhari für NurZahra

"In der Ausstellung geht es weniger ums Kopftuch, sondern viel mehr um 'modest fashion' und richtet sich damit auch an Muslima, die kein Kopftuch tragen", sagt sie. Bei "modest fashion" geht es um das Prinzip des Verbergens, des Verhüllens. Im Gegensatz zu westlich geprägter Mode ist sie weniger körperbetont. "In der Ausstellung zeigen islamisch geprägte Designerinnen, aus welcher Kultur sie kommen, quasi als Gegenbegriff zur westlich dominierten Modeszene", sagt Wagner K.

So zeigte in San Francisco beispielsweise die 27-jährige Instagrammerin Dian Pelangi aus Indonesien opulente Gewänder, die schon in Paris und New York gezeigt wurden. Viele der rund 80 Outfits auf Schaufensterpuppen kamen ganz ohne Hijab-Kopftücher aus.

Den Rundgang krönten Designer-Stücke von Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld und Jean Paul Gaultier. Neben Kleidung wurden in den USA auch Filme und Fotos gezeigt, darunter Aufnahmen der Fotografin Hengameh Golestan, die 1979 Proteste iranischer Frauen gegen die Einführung der Zwangsverschleierung dokumentierte.

Ausschnitt aus dem Video "Somewhere in America"

Den Protestbrief von Monireh Kazemi hält Museumsdirektor Wagner K gleichwohl für wichtig. Doch sei es nur eine Stimme. Die Frage sei, inwieweit heutzutage Frauen muslimischen Glaubens "modest fashion" tragen könnten, ohne dass ihnen gleich der Vorwurf gemacht werde, patriarchalische Vorstellungen weiterzutragen. "Da gilt es, die Diskussion differenziert zu führen."

Da lässt sich vielleicht anknüpfen. Auch die "säkularen Migrantinnen" suchen das Gespräch. "Wir wollen in einen Dialog mit dem Museum treten", sagt Frauenrechtlerin Kazemi.