Eine Jubiläums-Stofftasche und einige Ausgaben des Satiremagazins Titanic liegen auf dem Konferenztisch in den Redaktionsräumen.

Vor 40 Jahren ist das Frankfurter Satiremagazin in See gestochen. Noch ist der Dampfer nicht gekentert - doch hoch waren die Wellen schon oft. Zum runden Jubiläum die ganze Geschichte der Titanic in 11 Punkten.

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Empfang im Kaisersaal, eine Rede des Oberbürgermeisters, danach ein Zug auf dem alten Frankfurter Krönungsweg zum Dom und weiter zum Caricatura-Museum: Das hört sich nach einem angemessenen Rahmenprogramm für den 40. Geburtstag des Satiremagazins Titanic am Mittwoch an.

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"Das ganze wird ein bisschen an die Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum der DDR erinnern", sagte der ehemalige Titanic-Chefredakeur Tom Wolff, der an den Vorbereitungen des Festakts beteiligt war.

Unterstützt von "PARTEI-Soldaten", also Anhängern jener Satirepartei, die im Dunstkreis der Titanic entstanden ist, nahmen tatsächlich schließlich rund 200 Teilnehmer an dem Demonstrationszug teil. Überliefert ist, dass einige Touristen der neuen Frankfurter Altstadt mehr als irritiert von der Veranstaltung waren.

Das dürfte den Titanic-Machern gefallen haben. Irritation ist schließlich ihr Geschäftsmodell. Sei 40 Jahren. Ein Überblick in elf Punkten.

Wie es los ging
Worüber sich die ganze Republik aufregte
Wie Titanic die WM nach Deutschland holte
Was Frankfurt der Titanic-Redaktion zu verdanken hat
Warum Titanic Ärger mit dem Vatikan bekam
Wie viel Gerichtsverfahren Titanic führte
Wie Titanic einmal den Hessischen Rundfunk veräppelte
Welches das bis heute bekannteste Heft ist
Welches das bisher teuerste Heft ist
Was Deutschland von der Titanic-Redaktion noch zu erwarten hat
Wie es mit der Titanic weitergeht

Wie es los ging

Ins Leben gerufen wurde das "endgültige Satiremagazin" 1979. Neben Peter Knorr gehörte das berühmte Viergestirn Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, F.K. Waechter und Hans Traxler zu den Titanic-Vätern. Alles sollte anderes gemacht werden, lautete die Devise. Alles sollte infrage gestellt werden. So werden noch heute statt Leserbriefen zum Beispiel "Briefe an die Leser" verfasst.

Worüber sich die ganze Republik aufregte

Noch ist Moderator Thomas Gottschalk (l) völlig ahnungslos: Behutsam reicht er bei "Wetten dass" am 3.8.1988 seinem Wettkandidaten Bernd Fritz einen Buntstift

In den 1980er Jahren wurde Kanzler Helmut Kohl als "Birne" und Außenminister Hans-Dietrich Genscher als "Genschman" verspottet. Große Aufmerksamkeit erzielte 1988 der Titanic-Redakteur Bernd Fritz, als er bei "Wetten, dass!" behauptete, Buntstifte am Geschmack zu erkennen. Nach gewonnener Wette erklärte Fritz, der Trick stehe in der nächsten Titanic (er konnte durch die Augenabdeckung schielen). Unter gellendem Pfeifen verließ der falsche Farbenschmecker das Studio.

Wie Titanic die WM nach Deutschland holte

Titanic-Heft 08/2000: Ging bei der Vergabe der WM 2006 wirklich alles sauber zu?

Am Vorabend der Vergabe der Fußball-WM 2006 schickte der damalige Chefredakteur Martin Sonneborn ein vermeintliches Bestechungs-Fax an Wahlmänner der FIFA. Der Zuschlag ging schließlich nicht an Südafrika, sondern nach Deutschland. Unklar ist, welchen Anteil die Titanic daran hatte. Doch die Bild-Zeitung titelte: "Böses Spiel gegen Franz" und rief die Leser auf, ihrer Empörung freien Lauf zu lassen und in der Redaktion anzurufen. Die Beschimpfungen veröffentlichte die Redaktion später auf CD.

Was Frankfurt der Titanic-Redaktion zu verdanken hat

Das neue DFB-Leistungszentrum. "Wenn wir 2006 nicht die WM nach Deutschland geholt hätten, hätte der DFB gar kein Geld für einen solchen Bau", sagt Chefredakteur Hürtgen.

Warum Titanic Ärger mit dem Vatikan bekam

Titanic-Ausgabe 07/2012: Papst Benedikt XVI mit gelbem Fleck auf der Soutane

In Anspielung auf die "Vatileak"-Affäre um gestohlene Dokumente und Enthüllungen über Intrigen im Vatikan zeigte das Titelbild der Ausgabe 07/2012 Papst Benedikt XVI mit gelbem Fleck auf der Soutane. Dazu hieß es: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" Der Vatikan setzte sich per einstweiliger Verfügung zur Wehr. Doch die Titanic legte erfolgreich Widerspruch ein.

Wie viele Gerichtsverfahren Titanic führte

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie einst die Kaiser bei der Krönung: Titanic feiert 40. Geburtstag

 Eine Jubiläums-Stofftasche und einige Ausgaben des Satiremagazins Titanic liegen auf dem Konferenztisch in den Redaktionsräumen.
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Nach Angaben von Ex-Chefredakteur Wolff war die Redaktion in den vergangenen vier Jahrzehnten in über 100 Gerichtsverfahren involviert. Die Zahl verbotener Titel, Aussagen, Fotografien liegt nach seiner Zählung bei 72.

Wie Titanic einmal den Hessischen Rundfunk veräppelte

Breaking aber Fake: Die Nachricht, mit der die Titanic unter falscher Identität tweetete.

+++ Breaking - Politbombe platzt in Hessen +++ Seehofer kündigt laut interner Bouffier-Mail Unionsbündnis mit CDU auf +++ Merkel informiert, PK gegen 15 Uhr +++ Details folgen!, lautete der Tweet, der am 15. Juni 2018 vom verfifizierten Twitter-Account "hr Tagesgeschehen" wie eine Bombe einschlug. Mehrere Medien, darunter Reuters und die Bild verbreiteten die Nachricht, die allerdings nicht wie vermutet vom Hessischen Rundfunk (hr) stammte, sondern von Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen, der seinen Account @hrtgn umbenannt hatte.

Welches das bis heute bekannteste Heft ist

Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen mit der legendären Ausgabe mit der "Zonen-Gaby" und ihrer "ersten Banane"

Es dürfte die Ausgabe 11/1989 sein. Auf dem Cover präsentiert eine "Zonen-Gaby" ihre "erste Banane" - eine geschälte Gurke. Weltweit druckten Zeitungen das Motiv nach. Kaum eine Nachwende-Betrachtung, die ohne das Titelbild auskommt. Noch heute als Postkarte im Umlauf.

Welches das bisher teuerste Heft ist

Mit insgesamt 120.000 DM (davon 40.000 DM Schmerzensgeld) die Nummer 04/1993. Auf dem Titelbild war das Gesicht des damaligen SPD-Chefs Björn Engholm in das Foto montiert, das den toten Uwe Barschel in der Badewanne zeigt. Die Schlagzeile: "Sehr komisch, Herr Engholm!"

Was Deutschland von der Titanic-Redaktion noch zu erwarten hat

Für den Bau einer Mauer: Anhänger von "Die Partei" bei einer Demo vor dem Bundestag in Berlin im Jahr 2011

"Titanic ist das weltweit einzige Satireheft, das immer noch die endgültige Teilung Deutschlands anstrebt", sagt Ex-Chefredakteur Wolff. Dieses Credo steht sogar im Impressum der Zeitschrift. Auch die von Martin Sonneborn gegründete PARTEI setzt sich zum Ziel, die Mauer wieder aufzubauen. Sie hat derzeit zwei Abgeordnete im EU-Parlament.

Wie es mit der Titanic weitergeht

Die Räumlichkeiten seien etwas beengt im Stadtteil Bockenheim, klagt Chefredakteur Hürtgen und schielt auf die Bankentürme in der Innenstadt. "Vielleicht kann OB Feldmann uns da was vermitteln." Und inhaltlich? "Es gibt ja einen allgemeinen Trend zur Satire im Fernsehen und im Netz. Alle hoffen auf die Macht der Satire. Wir wollen dem was entgegensetzen. Wir wollen pubertärer, rätselhafter und zermürbender werden. Und wir wollen das letzte Printheft am Kiosk sein", sagt Hürtgen.

Weitere Informationen

Die endgültige Titel-Ausstellung

Aus Anlass des 40. Jubiläums der Titanic lädt der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am 2. Oktober zu einem Empfang in den Kaisersaal. Danach ist ein Zug über den alten Krönungsweg vorbei am Dom zum Caricatura Museum geplant. Dort eröffnet an diesem Tag die Ausstellung "Die endgültige Titel-Ausstellung - 40 Jahre Titanic".

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 02.10.2019, 19.30 Uhr