Präsentation des neuen Jüdischen Museums in Frankfurt mit u.a. Direktorin Mirjam Wenzel (l.), Oberbürgermeister Peter Feldmannm, Kulturdezernentin Ina Hartwig

Nach fünfjährigem Umbau steht das Jüdische Museum in Frankfurt vor der Wiedereröffnung. Nicht nur baulich hat sich einiges verändert.

Als erstes fällt der Blick auf die große Baumskulptur. Sie steht zentral auf dem Museumsvorplatz zwischen dem neuen Lichtbau und dem historischen Rothschild-Palais. Ein in Aluminium gegossener Baum hält mit seiner Krone die Krone eines zweiten Baumes, dessen Wurzeln in den Himmel ragen.

Die eigens angefertigte Arbeit des israelischen Künstlers Ariel Schlesinger ist ein neues Wahrzeichen des Jüdischen Museums Frankfurt. Die Skulptur soll das Spannungsfeld zwischen Verwurzelung und Entwurzelung symbolisieren.

Museumsleitung und die Stadt Frankfurt stellten am Montag das neue Jüdische Museum vor. Rund fünf Jahre wurde an dem Komplex im Rotschildpalais am Mainufer gebaut. Zwei Mal wurde der Eröffnungstermin verschoben. Ab Mittwoch öffnet das Museum wieder für die Besucher.

Das lichtdurchflutete Atrium im Lichtbau des neuen Jüdischen Museums von Staab Architekten.

Da ist zum einen der spektakuläre Neubau. Von außen wirkt er eher wie ein verschlossener Block, doch wer erst einmal das Innere betreten hat, dem eröffnen sich unerwartete Perspektiven. Das hohe Atrium, der Kontrast zwischen kühlem Sichtbeton und warmen Eschenholz, die riesigen Fenster und die überraschenden Durchbrüche und Lichteinfälle.

"Wir verstehen uns als Museum ohne Mauern"

Das helle, warme und einladende Innere spiegelt auch das Konzept des Hauses wider: "Wir verstehen uns als ein Museum ohne Mauern, was hineinstrahlen will und wirken will in die Gesellschaft", sagt Museumsdirektorin Mirjam Wenzel.

In dem Neubau sollen wechselnde Sonderausstellungen gezeigt werden. Die erste startet am Freitag mit dem Titel "Die weibliche Seite Gottes". Im Neubau sind zudem eine Bibliothek und ein koscheres Restaurant untergebracht, die auch für Nicht-Museumsgäste zugänglich sind. Im Neubau sollen künftig auch vermehrt Veranstaltungen, Diskussionen, Vorträge und Workshops stattfinden.

Das Museum stellt nicht nur baulich neu auf. Es sieht sich jetzt als "Zentrum für jüdische Kultur in Geschichte und Gegenwart". Es gebe der jüdischen Vergangenheit der Stadt einen Rahmen, widme sich aber vor allem gegenwärtigem jüdischen Leben in Frankfurt. Das sei bundesweit einmalig, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Dauerausstellung "Wir sind jetzt"

Die Dauerausstellung "Wir sind Jetzt" zeigt auf rund 1.400 Quadratmetern und drei Etagen das jüdische Frankfurt von der Aufklärung bis zur Gegenwart. "Wir wollen persönliche Geschichten erzählen und eine Multiperspektivität auf Geschichte legen aus jüdischer Perspektive", sagte Museumsdirektorin Wenzel. Mit Kulturgütern, Alltagsgegenständen und digitalen Medien wird die jüdische Geschichte in Frankfurt von der Aufklärung und Emanzipation um 1800 bis zur Gegenwart präsentiert.

"Moses", ein Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim, in der Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nannte die Neueröffnung einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Hauses. "Wir wollen, dass jüdisches Leben in diesem Land sichtbar ist - in einer Gesellschaft, die friedlich und in gegenseitigem Respekt miteinander lebt", so Bouffier. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) lobte die Offenheit des Museumskomplexes als "wichtiges Signal im Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus".

Weitere Informationen

Museums-Homepage

Jüdisches Museum Frankfurt

Ende der weiteren Informationen

Frankfurt war die erste Stadt, in der nach dem Holocaust in Deutschland ein Jüdisches Museum errichtet wurde. Es öffnete am 9. November 1988 im nun sanierten historischen Rothschild-Palais am Mainkai.

Sendung: hr-iNFO, 20.10.2020, 5 Uhr