Nir Alon, Künstler aus Israel, vor seiner Skulptur "The Glory and Misery of our Existence"
Nir Alon, Künstler aus Israel, stellt im unfertigen Neubau des Jüdischen Museums in Frankfurt aus. Bild © Jutta Nieswand

Das älteste jüdische Museum Deutschlands feiert in Frankfurt seinen 30. Geburtstag sechs Tage lang auf einer Baustelle. Zu sehen sind unverputzte Wände, freiliegende Kabel - und Kunst.

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Neubau Jüdisches Museum

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Open House" im Jüdischen Museum Frankfurt

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Nach der Schließung ist vor der Eröffnung: Noch stehen die Baucontainer auf dem Gelände, noch ist das historische Rothschild-Palais von einem Baugerüst umrahmt und noch hängen am Neubau meterhohe Planen, wo bald Fenster eingebaut werden sollen. Auch in den zukünftigen Ausstellungsräumen sind die Wände noch nackt und den Boden bedecken dünne Spanplatten.

Doch dort gibt es auch schon die ersten Kunstinstallationen - wie die von Nir Alon aus Tel Aviv: Tische, Stühle und Schränke sind wie auf einen Haufen geworfen im Raum aufgestapelt. Dieses Möbelchaos soll ein Spiegelbild seiner Lebenssituation darstellen. "Ich wohne hier in Deutschland, das ist meine Gesellschaft", sagt er. "Und ich gucke mich um und ich frage mich, wo bin ich eigentlich." Seit 2001 habe sich die Welt verändert. Es gebe jetzt einen Umbruch.

Das Jüdische Museum feiert sein "Dazwischen"

In einem Umbruch steckt auch das jüdische Museum Frankfurt mit seiner Baustelle. Museumsdirektorin Mirjam Wenzel nennt es ein "Dazwischen“ - zwischen der Schließung des alten und der Neueröffnung des neuen Jüdischen Museums, das in seinem Neubau auch mehr Platz für Veranstaltungen bieten soll. Selbst die erste Wechselausstellung mit dem Titel "Wir sind da! Juden in Europa 1945 – 1950" soll dieses "Dazwischen"-Thema reflektieren: "Sie zeigt die Situation von Jüdinnen und Juden in der unmittelbaren Nachkriegszeit", sagt Mirjam Wenzel "sozusagen nach dem Überleben und vor der Auswanderung."

Wichtiges Zeichen gegen Antisemitismus und Gewalt

Die Besucher der Museumsbaustelle könnten während der Open House–Tage des Jüdischen Museums vom 10. bis 15. November auch Einfluss auf die Ausstellung nehmen, indem sie ihre Fragen zum Thema äußerten. Auch hier zeigt sich das Jüdische Museum ganz offen.

Die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt Ina Hartwig begrüßt diese grundsätzliche Offenheit im Jüdischen Museum. "Das ist ein Kontrapunkt zu dem, was wir in der Gegenwart mit Schrecken zur Kenntnis nehmen" sagt sie. "nämlich einen Anstieg der Fremdenfeindlichkeit auch des Antisemitismus". Und wenn das jüdische Museum nun ein nun so eindeutiges Zeichen setze, dann sei das "sehr wichtig, sehr mutig und sehr richtig.“

Themen: Flucht, Vertreibung, Exil

Künstlerin Ilana Salama Orter
Künstlerin Ilana Salama Orter und ihre Installation "Verkapselung" im Jüdischen Museum Bild © Jutta Nieswand

Einen offenen Blick bieten auch die großen vasenartigen Glasbehälter, die Ilana Salama Orter aus Alexandria in ihrer Installation im historischen Rothschild Palais des Jüdischen Museums in diesen Tagen zeigt. In den Behältern sind persönliche Zeugnisse der Künstlerin eingekapselt, wie beispielsweise Stoffreste einer Webarbeit ihrer Großmutter, die sie an ihre verlorene Heimat erinnern. "Der Name dieser Ausstellung - Verkapselung - dreht sich darum, wie man die Idee von Flucht, Vertreibung, Migration, Exil reduzieren kann" sagt sie. Die Spuren stammen aus einem Flüchtlingslager in Marseille, in dem sie selbst in den 50er Jahren mit ihren Eltern untergebracht war.

30. Geburtstag: Museum bietet Führungen, Musik, Gespräche

Doch nicht nur mit Ausstellungen wartet des Jüdischen Museums auf, wenn es sich als Open House für Besucher öffnet. Es gibt mehrere Baustellenführungen. Es gibt ein Konzert von Masha Ray mit ihrer achtköpfigen Band, die live Elektroswing spielen. Es gibt Gespräche mit einzelnen Künstlern, in denen die sich den Fragen der Besucher stellen. Und es gibt ein Symposium über 30 Jahre jüdische Museologie. Schließlich feiert das Jüdische Museum am 9. November auch sein 30-jähriges Jubiläum.