Das wiedereröffnete Jüdische Museum in Frankfurt

Nach fünfjähriger Umbauzeit ist das Jüdische Museum in Frankfurt wiedereröffnet worden. Ministerpräsident Bouffier sprach von einem "starken Signal für jüdisches Leben". Am Mittwoch öffnet das Museum für Besucher.

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hessenschau vom 20.10.2020
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Die Eröffnung des Jüdischen Museums sei "ein starkes Signal dafür, dass jüdisches Leben in den Mittelpunkt rückt", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Abend bei einem Festakt in der Frankfurter Alten Oper. Das 1988 gegründete Museum sei durch den Erweiterungsbau "auf grandiose Art und Weise" weiterentwickelt worden. Wegen der Corona-Pandemie waren bei dem Festakt nur 80 statt wie ursprünglich geplant 600 Gäste anwesend.

Schriftstellerin Lustiger hält Festrede

Die in Frankfurt geborene Schriftstellerin Gila Lustiger hielt die Festrede. Dazu wurde die Tochter des deutsch-jüdischen Historikers Arno Lustiger (1924 bis 2012) per Videostream aus Paris zugeschaltet. Sie freue sich über "dieses wunderschöne, sehr beeindruckende Haus" und das dahinter stehende Konzept der Offenheit und der Transparenz, sagte die Autorin. Das Museum sei zwar kein Mahnmal, aber nichtsdestoweniger eine Narbe, die auf den Zivilisationsbruch der Shoah verweise.

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Die Wiedereröffnung des sanierten Rothschildpalais und des Neubaus "erscheint mir wie das Leuchten aus einer längst vergangenen Zeit", sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn. Er erinnerte an das erste Jüdische Museum in der Stadt, das 1922 eröffnet und in der NS-Zeit zerstört worden war.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) betonte die Weltoffenheit der Stadt Frankfurt, in der Menschen aus 179 Nationen lebten. Auch jüdisches Leben in Frankfurt sei "nichts anderes als ein Blatt, das so schillert, wie ganz Frankfurt schillert". Und damit sei jüdisches Leben vor allem eines: "Unsere Normalität, die wir verteidigen gegen Rassismus und Antisemitismus, gegen Hass und Hetze."

2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche

Für das Publikum öffnet das Museum am Mittwoch. Es verfügt über insgesamt 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und zeigt die jüdische Geschichte Frankfurts von der Aufklärung bis zur Gegenwart in einer neuen Dauerausstellung. Das Museum sei eine der größten Bildungseinrichtungen der Stadt und ein "großes Geschenk" an ihre Bürgerinnen und Bürger, sagte die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

Öffentlich zugänglich sind im Neubau auch eine Bibliothek und ein koscheres Restaurant. Die Sanierung mit Neubau am Rothschild-Palais am Mainufer dauerte rund fünf Jahre, der Termin zur Wiedereröffnung wurde mehrfach verschoben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.10.2020, 19.30 Uhr