Ausstellung "Jetzt"

So mancher hat die Malerei schon für tot erklärt. Das das ein Irrtum ist, versucht das Museum Wiesbaden in der Ausstellung "Jetzt! Junge Malerei in Deutschland" zu zeigen. Kuratorin Lea Schäfer erklärt, wie junge Künstler die Malerei neu erfinden.

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Das Museum Wiesbaden präsentiert ab Donnerstag einen großen Überblick über die aktuelle deutsche Malerei. An der Ausstellung "Jetzt! Junge Malerei in Deutschland" mit rund 500 Werken von 53 Künstlern sind auch das Museum Bonn und die Kunstsammlungen Chemnitz - Museum Gunzenhauser beteiligt.

In allen drei Häusern sind parallel jeweils bis zu vier Arbeiten der teilnehmenden Künstler ausgestellt. In Wiesbaden sind bis zum 19. Januar 164 Arbeiten in 15 Ausstellungsräumen zu sehen. Im Anschluss wird ab dem 7. Februar eine Auswahl der Werke in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt.

Über die vier Jahre dauernde Recherchearbeit hat hessenschau.de mit Kuratorin Lea Schäfer gesprochen.

hessenschau.de: Frau Schäfer, die Malerei wird oft totgesagt. Offenbar ist sie es aber nicht.

Lea Schäfer: Die Unsterblichkeit der Malerei ist ja schon länger bewiesen (lacht). Wir haben aber jetzt noch einmal den Finger draufgelegt, dass die Malerei auch in der jungen Generation und vor allem im Bereich des Tafelbilds absolut lebendig ist.

Ausstellung "Jetzt"

hessenschau.de: Das heißt, wir können in der Ausstellung viel Neues entdecken?

Schäfer: Wir können vor allem eine Vielfältigkeit entdecken, die ganz unterschiedliche Fragen stellt. Wir können sehen, dass sich gängige Kategorien wie zum Beispiel Abstraktion oder Figuration gar nicht mehr in Gegenbewegungen voneinander abgrenzen. Im Malprozess ist jetzt vieles möglich und es passiert sehr offen.

Was wir auch sagen können ist, dass viele der jungen Maler die digitale Welt reflektieren, zum Beispiel über glatte Oberflächen, aber auch in den Bildgegenständen oder Bildmotiven.

hessenschau.de: Wie lange hat es gedauert, die 53 Künstler zu finden?

Schäfer: Die Idee kam vor etwa vier Jahren im Kunstmuseum Bonn und im Museum Wiesbaden auf. Konkreter wurde es vor drei Jahren. Wir hatten viele Berater aus dem kunstwissenschaftlichen Bereich, auch Museumskollegen, Künstler oder Galeristen. Mit ihnen haben wir eine lange Liste von 200 Personen erstellt, die in Deutschland arbeiten und sich dem Tafelbild widmen.

Ausstellung "Jetzt"

Dann wurde davon mittels Recherche - im Internet, in Portfolios - eine Auswahl von 100 Malern getroffen. Die wurden in den vergangenen zwei, drei Jahren in ihren Ateliers besucht. In der Zeit kamen auch die Kunstsammlungen Chemnitz - Museum Gunzenhauser dazu. Dann wurde die Endauswahl getroffen.

hessenschau.de: Welche Auswahl-Kriterien hatten Sie?

Schäfer: Die Stärke der Ausstellung ist, dass wir keine inhaltliche Einschränkung hatten. Die einzige Einschränkung war das Tafelbild. Es ging also um die reine Malerei als Bild und nicht um installative oder multimediale Erweiterungen des Mediums.

Ausstellung "Jetzt"

Dann haben wir gesagt, es sollen junge Maler sein, die in der 80er Jahren geboren sind - wobei das Spektrum breit ist. Der Jüngste ist 28, die ältesten 42. Die letzte Einschränkung war, dass sie in Deutschland arbeiten sollten.

hessenschau.de: Hatten Sie ein persönliches Highlight?

Schäfer: Generell hat mich die starke Präsenz der Malerei überrascht, das war schon ein Highlight für mich. Gerade, weil in den Ausstellungshäusern und Museen bei jungen Künstlern oft der Fokus auf Performance oder Installation gelegt wird.

hessenschau.de: Können die Besucher vielleicht auch einen neuen Maler-Superstar entdecken, quasi einen neuen Gerhard Richter?

Schäfer: Es gibt auf jeden Fall viele Superstars zu entdecken, die alle an der Zukunft der Malerei mitschrauben. Wie die Zukunft der Malerei konkret aussehen wird, muss natürlich die Zeit zeigen. Wir erheben nicht den Anspruch, dass unsere Ausstellung der neue Kanon der Malerei sei. Wir möchten einfach zeigen: Die Malerei lebt!

Weitere Informationen

Wer ist dabei?

Beteiligte Künstler: Mona Ardeleanu, Israel Aten, Paula Baader, Lydia Balke, Cornelia Baltes, Jagoda Bednarsky, Viola Bittl, Peppi Bottrop, Andreas Breunig, Paul Czerlitzki, Benjamin Dittrich, Jens Einhorn, Jenny Forster, Pius Fox, Max Frintrop, Sabrina Fritsch, Ina Gerken, Fabian Ginsberg, Gregor Gleiwitz, Lukas Glinkowski, Henriette Grahnert, Dana Greiner, Vivian Greven, Sebastian Gögel, Toulu Hassani, Sabrina Haunsperg, Franziska Holstein, Aneta Kajzer, Sumi Kim, Maximilian Kirmse, Li-Wen Kuo, David Lehmann, Benedikt Leonhardt, Florian Meisenberg, Monika Michalko, Hannes Michanek, Simon Modersohn, Bastian Muhr, Anna Nero, Moritz Neuhoff, Vera Palme, Alexander Pröpster, Franziska Reinbothe, Daniel Rossi, Markus Saile, Moritz Schleime, Jana Schröder, Daniel Schubert, Kristina Schuldt, Alicia Viebrock, Stefan Vogel, Jonas Weichsel, Tristan Wilczek.

Ende der weiteren Informationen

Das Gespräch führte Sonja Fouraté.

Sendung: hr2-kultur, 18.09.2019, 16.45 Uhr