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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Parkplatz statt documenta-Institut - Karlsplatz wird wohl doch nicht bebaut

Schriftzug des documenta-Archivs an einer Scheibe des Gebäudes, wo sich befindet.

In Kassel wird leidenschaftlich über einen Standort für den Neubau des documenta-Instituts gestritten. Der Karlsplatz sollte es werden, doch nach Protesten und einem drohenden Bürgentscheid beginnt die aufwendige Suche jetzt wohl von vorne.

Der Standort des documenta-Instituts in Kassel ist ein ständiger Zankapfel: Seit dieser Woche scheint zumindest klar, wo das Institut (doch) nicht stehen wird. Die SPD hat sich mittlerweile vom Karlsplatz verabschiedet und damit wohl ein mögliches Bürgerentscheid der Initiative "Rettet den Karlsplatz" verhindert.

7.000 Unterschriften hatte das Bürgerbegehren gegen den Karlsplatz als Standort schon gesammelt, 2.000 mehr als nötig. Und so darf der Ort mitten in der Innenstadt neben dem Rathaus zunächst bleiben, was er ist: Ein großer Parkplatz in bester Innenstadtlage.

Anlieger fürchten Dunkelheit und Baustelle

Im Mai hatte die Stadtverordnetenversammlung nach langem Ringen den Standort Karlsplatz beschlossen. Schließlich änderte diese Woche die SPD ihren Kurs, Ende August soll in der Stadtverordnetenversammlung neu entschieden werden. Die CDU begrüßte die Kehrtwende. Wenn der Beschluss aufgehoben wird, wäre auch ein Bürgerentscheid obsolet.

Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sagte, die Stadtverordnetenversammlung Ende August müsse nun entscheiden, ob der Bürgerentscheid kommen wird oder für einen anderen Standort entschieden werde, der allerdings auch umsetzbar sein müsse. Für ihn sei Priorität, dass es einen Bau in Kassel geben müsse und die documenta durch die Debatte keinen Schaden nehme. "Ich bin bereit über alles zu diskutieren, es ist engstirnig, an etwas festzuhalten", am Ende liege die Entscheidung bei den Stadtverordneten.

Parkscheinautomat Kassel

Über Monate war die Entscheidung der Stadtverordneten vom Mai vorab debattiert worden, gerade die Anwohner und Geschäftsbetreiber rund um den Karlsplatz wehrten sich dagegen. Sie befürchten eine Verschattung des Ortes und Nachteile durch eine jahrelange Großbaustelle.

Grüne: "Wegducken" der SPD

Die Fraktion der Grünen im Rathaus bleibt dem Karlsplatz als Standort noch treu, als "wegducken" interpretierten sie die Kehrtwende der Sozialdemokraten am Dienstag. "Die überraschende und einsame Entscheidung der SPD-Fraktion, von der Standortentscheidung abzurücken, markiert einen vorläufigen Tiefpunkt einer traurigen Entwicklung", erklärte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Boris Mijatovic.

Dem hr sagte Mijatovic am Mittwoch, mit einem Begehrentscheid hätten immerhin die Bürger eine demokratische Entscheidung treffen können. Denn eigentlich waren sich auch SPD und Grüne bei den Argumenten für den Karlsplatz einig gewesen. Insgesamt 17 Standorte seien geprüft worden, sagte Mijatovic. Jetzt wieder nach einem neuen Ort zu suchen, werde erneut ein bis zwei Jahre dauern, es gebe "keine schnellen Lösungen".

Gründungsdirektor startet ohne Neubau

Das Institut soll ein Forschungszentrum zur Weltkunstschau werden, drei neue Professuren sollen Teil des Projekts werden. Ein Ort zum Forschen, aber auch für die Stadtgesellschaft, zum Austausch und zur Diskussion über Kunst und darüber hinaus. Der Kasseler Professor für Makrosoziologie, Heinz Bude, ist als Gründungsdirektor berufen worden. Seine Aufgabe wird sein, das Institut für Gegenwartskunst auf den Weg zu bringen - zunächst ohne den für 24 Millionen Euro geplanten Neubau.

"Das Institut kann sehr gut existieren ohne das Gebäude", sagte Bude dem hr. Allerdings sei eine wichtige Säule der Arbeit, dass es auch ein Gebäude gebe, wo Interessierte Teil haben können am Institut. Er selbst arbeite zur Zeit in seinem Büro in der Universität, vieles passiere digital.

Bude sagte dem NDR, er schätze, dass womöglich zum Ende seiner Gründungszeit in zweieinhalb bis drei Jahren zumindest klar sei, wo das Gebäude stehen soll. In acht Jahren könnte es dann fertig sein. Die drei neuen Professuren sollen im Frühling 2021 ihre Arbeit beginnen.

Sendung: hr4, 18.08.2020, 7.30 Uhr