Trashfilm Festival Ralf Kemper
Szene aus dem Kurzfilm "Les enfants et le conte de fées passionnant". Bild © Familie Hofmann

Skurril, abgedreht, gruselig: Am Wochenende steigt in Kassel das Festival "Der Phantastische Trashfilm". Organisator Ralf Kemper erklärt im Interview, was einen guten schlechten Film ausmacht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trashfilmfest: Aufräumen mit Kettensäge und Gewehr

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Zombies, die eine Hochzeit verhindern, ein Mann, der eine Alien-Invasion unter Drogen erlebt oder ein Klempner, der sich als Vampir entpuppt: Liebhaber kurioser und skurriler Filme kommen am Freitag und Samstag (3./4. Mai) in Kassel auf ihre Kosten. Dann nämlich geht das Festival "Der Phantastische Trashfilm" in seine 14. Ausgabe.

Organisiert wird das älteste europäische Festival dieser Art von Ralf Kemper. Im Interview erzählt er, woher seine Liebe zum Trashfilm kommt.

hessenschau.de: Herr Kemper, wie schlecht muss ein Film sein, um auf Ihrem Festival zu laufen?

Ralf Kemper: Eigentlich muss er gar nicht schlecht sein. Unser Hauptaugenmerk sind die Machart oder die Story des Films, die besonders sein müssen - dass es keine alltägliche Geschichte ist, dass der Film ein bisschen abgedreht ist oder mit ganz wenig Budget gedreht wurde. Durch die digitalen Medien ist es einfacher geworden, eine gewisse Qualität zu produzieren, so dass es zumindest vom Bildaufbau immer ganz gut aussieht.

Dann haben wir auch Filme im Programm, die eine Förderung bekommen haben, weil dahinter eine klasse Idee steckte. Es sind aber auch immer Filme dabei, bei denen ein Mann mit der Kamera in den Wald gegangen ist und einfach drauflos gefilmt hat.

hessenschau:de: Was ist Ihr Highlight in diesem Jahr?

Kemper: Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal den Fall, dass der Gewinner des Publikumspreises 2018 eine Fortsetzung für das aktuelle Festival gemacht hat. Der Regisseur macht alles alleine, auch die Musik.

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Er kommt aus München. Wenn er Filme einreicht, reist er regelmäßig nach Kassel, ist also immer für Publikumsgespräche hier - diesmal eben über seinen Streifen "Meide das M 2". Das wird spannend. Im ersten Teil irrte ein Mann durch den Wald, verfolgt von Höllenfröschen, die das Kinderlied "Wir Fröschelein" quakten.

hessenschau.de: Woher kommt Ihre Liebe zum Trashfilm?

Kemper: Bei mir war es so, dass ich schon sehr früh eine Super-8-Kamera hatte. Ich war immer mit der Kamera unterwegs und habe mit Freunden Wald- und Wiesenfilme gedreht. Inzwischen bin ich selbst auch Filmemacher und versuche mich immer wieder an trashigen Sachen. Einer meiner Filme war "Überfall der Mörderrucksäcke". Deswegen steckt im Festival auch sehr viel Herzblut.

Weitere Informationen

Wann? Wo? Was?

  • 3. und 4. Mai, Kulturhaus Dock 4 in Kassel
  • 30 internationale Kurzfilme, dazu Wettbewerb mit Publikumspreis
  • Samstag Talkrunde, Thema: Filmemachen von den 80ern über die 90er bis heute
  • Programm, Infos und Kontakt online auf der Festivalseite
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hessenschau.de: Wie ist die Idee dazu entstanden? So etwas wird ja gerne mal während eines biertrunkenen Abends geboren ...

Kemper: Jaaa (lacht), das erste Festival war tatsächlich so, dass wir einen Kurzfilm selbst gemacht hatten und überlegt haben: Was machen wir denn jetzt damit? Dann haben wir hier in Kassel geguckt, wer so etwas noch macht und haben drei Filme zusammen bekommen.

Vier oder fünf Filme haben wir dann übers Internet dazu bekommen. Dann haben wir in der Kulturfabrik Salzmann das erste Festival gemacht. Da waren eigentlich nur die Leute anwesend, die auch bei dem Film mitgemacht hatten. So ist das vor 14 Jahren mal entstanden.

Trashfilm Festival Ralf Kemper
Ralf Kemper Bild © Trashfilm Festival

hessenschau.de: Und wer ist jetzt Ihr Publikum?

Kemper: Es sind relativ junge Leute. Das Hauptpublikum ist zwischen 20 und 30, würde ich sagen. Auch die Regisseure sind relativ jung. Wir haben diesmal drei Beiträge aus Kassel dabei und zwei sind von ganz jungen Filmemachern, unter anderem von der Kunstuni in Kassel.

hessenschau.de: Haben Sie einen Lieblingstrashfilm?

Kemper: Was ich sehr mag, ist die britische Serie "Per Anhalter durch die Galaxis" aus dem Jahr 1981 - wenn man die als Trashfilm bezeichnen kann. Die ist einfach herrlich skurril und toll umgesetzt. Da ist ja die Buchvorlage auch schon sehr schräg. Auch die Werke der Monty Pythons haben mich für einige meiner schrägeren Filme sehr beeinflusst.

Weitere Informationen

Ralf Kemper ...

... wurde 1963 in Kassel geboren und ist Telekommunikationstechniker, Komponist und Sänger. Filme macht er im "semiprofessionellen Bereich", wie er sagt. Seine Trashfilme haben Preise auf internationalen Festivals geholt. Er arbeitet aber auch an ernsthaften Stoffen. Im Sommer produziert er ein Drama um einen Demenzkranken.

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Das Gespräch führte Sonja Fouraté.