Bildkombo: Diskokugel bunt angestrahlt/ zebrochen am Boden

Seit mehr als drei Monaten müssen die Clubs wegen Corona geschlossen bleiben. Viele Inhaber stehen trotz Soforthilfe vor dem Ruin.

Videobeitrag

Video

zum Video Clubs bangen um ihre Existenz

hessenschau kompakt von 16:45 vom 26.06.2020
Ende des Videobeitrags

Eine leere Tanzfläche in einem Kellerclub in Frankfurt-Sachsenhausen. Betreiberin Nana Barkmann steht im Herzstück ihres Clubs "Elfer". An den Wochenenden tanzen dort normalerweise mehrere Hundert Menschen, wegen Corona ist der Club nun seit dem 14. März geschlossen. Keine Konzerte, keine Partys und für Nana Barkmann: keine Einnahmen.

9.000 Euro Soforthilfe hat Barkmann vom Land Hessen erhalten. Mit dem Geld habe sie allerdings gerade mal zwei Monatsmieten finanzieren können. Jetzt überlebe ihr Laden, weil sie auf Rücklagen vom Winter zurückgreife und überall "Geld zusammenkratzt": Verträge aussetzen, kündigen oder um Stundungen bitten. Wenn ihr Club keine weiteren Hilfen erhält, könne sie noch die Juli-Miete zahlen, danach nicht mehr. Auch ihre 15 Mitarbeiter, die meisten von ihnen Studierende auf Minijob-Basis, konnte sie lediglich mit Abwarten vertrösten.

Viele Clubs in Hessen in Not

So wie Barkmann geht es gerade vielen Clubinhabern in Hessen, bestätigt Klaus Bossert, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Clubs am Main, in der 30 namhafte Clubs vertreten sind. Das Land habe zwar Programme und weitere Hilfen angekündigt. "Wie genau die ausgestaltet sind, ist derzeit aber völlig unklar." Wenn nicht bald weitere Hilfen kämen, drohe einigen Inhabern eine Insolvenz. "Entscheidend sind die nächsten 100 Tage."

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona bedroht die Existenz vieler Clubs in Hessen

Der leere Club "Elfer" in Frankfurt Sachsenhausen
Ende des Audiobeitrags

Mitarbeiter brauchen eine Perspektive

Auch die größeren Diskotheken bleiben von der Corona-Krise nicht unberührt. In ganz Hessen zeigt sich dasselbe Bild: Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die Gelder der Soforthilfe sind aufgebraucht, Null Einnahmen versus laufende Kosten für die Miete, die Nebenkosten und ein Minimum an Personal, etwa im Lohnbüro. Auch die monatelange Vorausplanung von Veranstaltungen und Konzerten liegt auf Eis.

"Was wir jetzt brauchen, ist ein planbares Datum von der Politik", sagt Markus Urich, Geschäftsführer des Admirals in Gießen, einem der größten hessischen Clubs, in den normalerweise mehrere Tausend Menschen passen. Auch seine Mitarbeiter in Kurzarbeit bräuchten eine Aussicht, damit sie nicht in andere Branchen abwanderten.

Cluböffnungen liegen in weiter Ferne

Wann die Clubs und Diskotheken in Hessen wieder öffnen können, ist derzeit weiter unklar. Auf hr-Anfrage heißt es aus dem Wirtschaftsministerium, darüber könne aktuell keine Aussage getroffen werden, man befinde sich mitten in der Pandemie. Das sei "bitter für die Branche", aber eine Öffnung mit Abstandsregeln lohne sich für viele Clubs nun mal nicht.

Mittel für weitere Förderprogramme seien zwar geplant, wie etwa das im Landtag umstrittene Sondervermögen oder die sogenannte Überbrückungshilfe vom Bund. Da diese aber noch genehmigt und konkret ausgestaltet werden müssten, könnten konkrete Aussagen über weitere Hilfen frühestens in ein bis zwei Wochen getroffen werden. Zwei weitere Wochen der Ungewissheit und der Einnahmeausfälle.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 26.06.2020, 16.45 Uhr