Audio

Kelten in Hessen

Das Projekt "Kelten.Land.Hessen" will einen ganz neuen Blick auf unsere Vorfahren eröffnen. Das Museum am Glauberg wurde komplett umgestaltet. Auch anderswo gibt es neue Erkenntnisse - zum Beispiel über Hunde, die nicht nur als Wachtiere gehalten wurden.

Die Statue des Keltenfürsten vom Glauberg ist wahrscheinlich der prominenteste Fund in Hessen und Highlight der Keltenwelt in Glauburg (Wetteraukreis). Die Figur mit dem markanten Kopfschmuck steht auch weiterhin im Mittelpunkt, doch rundherum ist die Ausstellung neu konzipiert worden. Rund 500 Exponate werden gezeigt, darunter auch einige Neufunde.

Stein-Statue eines keltischen Fürsten in der Keltenwelt am Glauberg

Funde von der Lahn bis in die Rhön

Die Fundstätte in der Wetterau ist nämlich bei weitem nicht die einzige: Von Kassel bis Michelstadt (Odenwald), von der Lahn bis in die Rhön gibt es tausende Fundstätten in Hessen aus der Zeit von 800 bis 100 vor Christus. Damals, in der Eisenzeit, lebten die Kelten und besiedelten ein Gebiet, das sich von Frankreich bis in die Türkei zog.

Weil die Kelten selbst aber keine Schrift hatten, weiß man nur wenig über diese Volksgruppe. Archäologische Funde sind deshalb wichtige Hinweise über das Leben der Kelten, besonders auch die Fundstücke aus Hessen. Forscher, Museen und Experten haben daraus in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse gewonnen.

Neue Erkenntnisse aus der Keltenforschung

  1. Die Kelten haben mit Sklaven gehandelt
  2. Im Einklang mit der Natur? Von wegen!
  3. Hessen war das Zentrum der Eisengewinnung
  4. Kelten waren reiselustig
  5. Hunde standen auch auf der Speisekarte

1. Die Kelten haben mit Sklaven gehandelt: Bei Grabungen in Bad Nauheim und Limburg-Eschhofen haben Archäologen Reste von Hand- und Fußfesseln aus Metall gefunden. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Kelten Sklaven als Tauschware in den Mittelmeerraum gebracht haben. Ob sie dafür "nur" mit Kriegsgefangenen gehandelt oder sogar richtig Jagd auf Menschen gemacht haben, ist noch unbekannt. Fest steht für die Forscher aber: Die Kelten selbst hatten, anders als die Römer, keine Sklaven im großen Stil gehalten – sie hätten diese zusätzlichen Esser gar nicht ernähren können.  

Kleine Eisenstücke, die als Fußfesseln identifiziert sind, in einer Ausstellungsvitrine.

2. In Einklang mit der Natur? Von wegen! Mit der Eisen-Verarbeitung wurde Vieles im Alltag der Kelten leichter. Zum Beispiel konnte man mit einem Eisen-Pflug viel schneller und auch viel schwierigere Ackerflächen bearbeiten. Mit dem Effekt, dass die Kelten mit ihren neuen Eisen-Geräten fast alles umpflügten, umgruben oder abholzten, was ihnen unter die Finger kam. Laut Frank Verse vom Vonderau-Museum in Fulda zeigen die neuesten Erkennnisse über die Kelten-Zeit, "dass kaum noch Naturraum vorhanden war, sondern alles in irgendeiner Form vom Menschen umgestaltet worden ist."

3. Hessen war das Zentrum der Eisengewinnung: In ganz Hessen, besonders aber in der Lahn-Dill-Region, wurden rund 200 Fundstellen mit Schlacke, Eisen- und Ofenresten, ja sogar richtigen Eisenbarren entdeckt. Für Vera Rupp, Archäologin und Direktorin der Keltenwelt Glauburg zeigt das, dass diese Gegend ein Hotspot der Eisengewinnung nördlich der Alpen war. Das sei eine völlig neue Erkenntnis und hochspannend. Die Forschungen dazu stünden aber noch am Anfang.

Pflugschare aus Eisen in einer Vitrine.

4. Kelten waren reiselustig: Besonders um das 4. Jahrhundert vor Christus waren die Kelten auf Wanderschaft: Es zog sie ans Mittelmeer, auf den Balkan, sie besuchten das Orakel von Delphi und Griechenland. Und von diesen "Bildungs-Reisen" brachten sie viele neue Anregungen und Ideen mit: Funde zeigen, dass sie danach selbst Münzen prägten, sich an der Glas-Herstellung versuchten und plötzlich große, befestigte Städte gebaut haben.  

5. Hunde standen auch auf der Speisekarte: Bei der Ausgrabung einer keltischen Saline in Bad Nauheim fand man neben Resten von Rind und Schwein auch Knochen von Hunden in einer Art Pökel-Anlage. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass auch die gezähmten Vierbeiner in den keltischen Kochtöpfen gelandet sind.  

Von wegen "keltisch"

Vieles, was heutzutage unter dem Label "keltisch" läuft, hat nichts oder nur sehr wenig mit den Kelten zu tun. Das sogenannte Keltenkreuz ist erst im Mittelalter aufgekommen, "keltische" Folkmusik hat mit dem Kelten der Eisenzeit ebenfalls nichts zu tun, sondern ist erst weit später in Irland und Schottland entstanden. Und Produkte, die heute als "Keltensalz" oder "Keltenmet" verkauft werden, sind ein reine Marketing-Konstrukte.  

Weitere Informationen

Die Sonderausstellugnen

  • Keltenwelt am Glauberg: Am 10. März eröffnet hier die neukonzipierte Keltenausstellung. Sie bietet einen umfassenden Überblick über das Leben der Kelten. Über 500 Fundstücke aus ganz Hessen zeigen, wie sie gewohnt haben, was bei den Kelten auf den Tisch kam und wie sie begraben wurden. Besonderes Highlight sind die Funde aus dem Grab des Keltenfürsten, aber auch bisher unbekannte Funde wie die Sklaven-Fesseln, erste Glas-Herstellungs-Versuche und Schmuck aus einem Frauengrab werden hier gezeigt.  
  • Vonderau Museum Fulda: Schwerpunkt ist hier das Handwerk und die Landwirtschaft der Kelten. Wie haben sie vor 2.000 Jahren Eisen abgebaut und verarbeitet, was hat das in ihrem Alltag verändert? Aber auch: Inwieweit haben sie im Einklang mit der Natur gelebt - oder eben nicht?  
  • Archäologisches Museum Frankfurt: Kelten, Gallier oder Chatten - die Begriffe gehen durcheinander, aber werden in der Ausstellung geklärt. Und auch, warum gerade die Grabhügel in Frankfurt, Offenbach und im Taunus für die Archäologie so wichtig sind.
  • Museum Butzbach, Museum Bensheim, Stadtmuseum Wiesbaden, Oberhessisches Museum Gießen, Vortaunusmuseum Oberursel: Schwerpunkte sind die regionalen Funde, die Bedeutung der Kelten in Hessen und das Ende ihrer eigenen Lebensweise. 
Ende der weiteren Informationen
Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen