Max und die Wilde 7

Kein roter Teppich in Frankfurt, keine Absperrkordel, hinter denen sich Fotografen drängen, Schauspieler auf Abstand. Bei der ersten hessischen Filmpremiere seit Beginn der Corona-Beschränkungen war einiges anders als sonst.

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hessenschau vom 01.08.2020
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Wo es sonst gerne Geschubse und Gedränge unter Fotografen und Reportern gibt, war am Samstag Geduld angesagt: Im Frankfurter Metropolis Kino feierte "Max und die Wilde 7" Weltpremiere, ein Kinderfilm, der in großen Teilen in Hessen entstanden ist - vor allem in den Schlössern Braunfels und Büdingen.

Zur Premiere angereist waren unter anderem die Hauptdarsteller Uschi Glas und der 2008 geborene Jungschauspieler Jona Eisenblätter. Anders als in Vor-Corona-Zeiten gab es kein Flanieren auf dem roten Teppich und kein Posieren vor einem Pulk von Fotografen und Reportern, sondern eine Warteschlange für Fotos und Interviews auf Abstand.

"Anstrengend ist Corona schon"

Er habe sich inzwischen an die Corona-Regeln und Beschränkungen gewöhnt, sagte Jona Eisenblätter, der den neunjährigen Max spielt (zur Filmkritik am Ende). "Es ist aber immer noch merkwürdig, dass ich keinen engeren Kontakt zum Team haben darf", stellte er fest. Und: "Ein bisschen anstrengend ist Corona schon."

Inzwischen ist alles anders als bei den Dreharbeiten 2019, als noch niemand an Corona dachte. "Wir haben echt viel Spaß gehabt", erzählte er, "und ich habe viele Tipps von den alten Hasen bekommen." Neben der 76-jährigen Uschi Glas standen außerdem die 71- und 77-jährigen Schauspiel-Veteranen Thomas Thieme und Günther Maria Halmer vor der Kamera.

Toll seien die Drehorte gewesen, berichtete Eisenblätter, selbst auf einem Schloss wohnen möchte er aber nicht: "Das wäre mir viel zu kalt", sagte er und schob nach: "Das Klo war viel zu weit weg von meinem Zimmer." Ob er bei der Schauspielerei bleiben will, weiß er noch nicht: "Informatik könnte ich mir auch vorstellen."

Uschi Glas' erster Kinderfilm

Auf eine lange Schauspielkarriere zurückblicken kann dagegen Uschi Glas, die mit "Max und die Wilde 7" ihren ersten Kinderfilm abliefert. "Ich weiß gar nicht warum", sagte sie bei der Premiere. Der Dreh habe sich gar nicht wie Arbeit angefühlt, schwärmte sie, was auch an den tollen Locations gelegen habe: "Die Burgen waren einfach wunderschön. So etwas können Sie im Studio niemals nachbauen", sagte sie. "Und dann dieser Blick über diese weiche hessische Landschaft."

Auch Regisseur und Autor Winfried Oelsner kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: "Sonst hat man ja häufig eher zu wenig Motive, hier konnten wir aus dem Vollen schöpfen - im Büdinger Schloss zum Beispiel gibt es eine alte Kapelle, die wir nur in den Film genommen haben, weil sie einfach so schön war." Dass der Film nun ausgerechnet während der Corona-Beschränkungen herauskommt, sieht er optimistisch: "Ich nehme es wie es ist. So haben wir nicht so viel Konkurrenz."

Kurzkritik: Ein bezaubernder Kinderfilm

"Max und die Wilde 7" basiert auf der gleichnamigen vielgelobten Buchreihe und erzählt die Geschichte des neunjährigen Max (Jona Eisenblätter). Dessen Mutter hat einen neuen Job als Altenpflegerin in einer Burg gefunden, einer noblen Residenz für gut betuchte Senioren. Wovon kleine Jungen nur träumen - einem Leben auf einer echten Burg - ist für Max eher ein Albtraum: In der Schule wird er deswegen gemobbt, für die Alten ist er ein Störenfried. Alles ändert sich, als er Freundschaft mit der "Wilden 7" schließt, einem Seniorentrio, das abends immer an Tisch 7 zu speisen pflegt.

Die ehemalige Schauspielerin Vera Hasselberg (Uschi Glas), der pensionierte Professor Kilian von Hohenburg (Günther Maria Halmer) und der frühere Bundesliga-Trainer Horst Dobberkau (Thomas Thieme) sind ziemlich aktiv und haben rein gar nichts mit dem Klischee des dahinsiechenden Altenheimbewohners zu tun. Als es in der Residenz zu einem Diebstahl kommt, beschließen Max und die Wilde 7, den Fall auf eigene Faust aufzuklären.

Max und die Wilde 7

Und so wachsen Max und die Senioren zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen, was die Schauspieler in jeder Sekunde glaubhaft rüberbringen. Jona Eisenblätter spielt den Max sensibel und dessen Entwicklung nachvollziehbar. Die Figuren der "wilden" Senioren sind liebevoll ge- und niemals überzeichnet. Überhaupt, der Film konzentriert sich auf die Beziehung von Alt und Jung und verzichtet dankenswerterweise auf den in Kinderfilmen oder deutschen Komödien so häufig verwendeten groben Slapstick.

Die drei Schauspiel-Veteranen Glas, Thieme und Halmer haben sichtlich Spaß an ihren Rollen - allen voran Uschi Glas, die genüsslich-augenzwinkernd Filme ihrer eigenen Karriere zitiert. Der zu lösende Kriminalfall wirkt dabei nicht aufgesetzt und ist kindgerecht spannend. Fazit: Ein bezaubernder Kinderfilm, dem das Kunststück gelingt, den Charme der "Drei???" mit dem der alten Miss-Marple-Filme zu verbinden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.08.2020, 19.30 Uhr