Mann auf Fahrrad in amerikanischer Wüste

41 Länder und 43.600 Kilometer in 761 Tagen: Der Gelnhäuser Dennis Kailing hat die Welt bereist - allein und mit dem Fahrrad. Ein großes Abenteuer, bei dem er auch mal in den Knast musste. Jetzt läuft sein Dokumentarfilm über die Reise im Kino.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Dennis Kailing: Mit dem Fahrrad um die Welt

Mann mit Fahrrad in Wüste
Ende des Videobeitrags

Das bayerische Gemünden steht nicht gerade dafür, eine besonders gefährliche Stadt zu sein. Doch genau hier, in diesem Erholungsort mit 10.000 Einwohnern hat der Gelnhäuser Dennis Kailing die Angst seines Lebens.

Gemünden ist die erste Station von Kailings Weltreise. Mit dem Fahrrad und ganz allein startet der damals 24-Jährige im Sommer 2015 in Gelnhausen. Auf einer Weltkarte hat er sich eine grobe Route aufgekritzelt. Immer Richtung Osten soll es gehen: zunächst durch Osteuropa, dann durch Länder wie Iran, Indien, Indonesien und Australien, dann durch Nordamerika, Mexiko und Brasilien, schließlich über Marokko und Spanien zurück nach Hause.

"Weniger Angst vor dem Fremden"

In Gemünden im bayerischen Teil des Spessarts landet Kailing am Abend des ersten Tages. "Ich konnte von meinem Ersparten nicht in Hotels übernachten", erzählt er. Also schläft er im Zelt. Oder besser: Er liegt die halbe Nacht wach. Er erinnert sich: "Bei jedem Blatt, das das Dach gestreift hat, dachte ich: Oh Gott, jetzt steht einer vor dem Zelt und wird mich auseinandernehmen!"

Dennis Kailing

Die Angst ist unbegründet, und im Laufe der Reise wird Kailing lockerer. Oft muss er gar nicht im Zelt schlafen, wie in seinem Reisefilm "Besser Welt als Nie" zu sehen ist. Überall laden ihn die Menschen zum Essen oder Übernachten ein. "In vielen Ländern hatte man viel weniger Angst vor dem Fremden", weiß er jetzt. "Da hat man nicht gefragt, ob der Fremde etwas Böses tun könnte, da war es eher so: Ah, der Fremde ist interessant, den müssen wir kennen lernen."

Eine Nacht im Gefängnis verbracht

Sprachprobleme? Gibt es nicht. "Vor meiner Reise habe ich mich gefragt, wie man sich verständigt, wenn man nicht dieselbe Sprache spricht", berichtet Kailing. "An erster Stelle steht natürlich die Zeichensprache." So testet er bei einer Gastfamilie in Armenien frische Molke, verzieht das Gesicht, streckt den Daumen zur Seite - und erntet herzliches Gelächter seiner Gastmutter.

Audiobeitrag

Audio

zum hr2.de Audio Dennis Kailing über "Besser Welt als Nie"

Dennis Kailing
Ende des Audiobeitrags

Vor einem Land wie Iran habe er schon Respekt gehabt, erzählt er: "Ich hatte mich bei Reisebloggern informiert, dass es eigentlich ein gutes Reiseland ist. Aber die negativen Presseberichte hat man ja schon im Hinterkopf." Doch auch dort sind die Menschen unglaublich gastfreundlich, Probleme hat er nicht, wie Dennis Kailing sagt.

Auch von Mexiko hat er vorher viel Schlechtes gehört. Hier verbringt er denn auch eine Nacht im Knast - allerdings, weil sich Polizisten Sorgen um den jungen Deutschen machen. "Sie sagten, mein Zelt irgendwo aufzuschlagen, sei in ihrem Dorf einfach zu gefährlich", erzählt der Weltenbummler.

72 Stunden Filmmaterial

Die Idee, aus der Reise einen Film zu machen, entsteht nach und nach. Eine Spiegelreflexkamera, eine Actioncam und eine Drohne hat er sowieso dabei. Als er zurück ist, hat er 72 Stunden Material gesammelt. Die Filmidee wird konkret. "Am Ende dachte ich: Probiere es halt, du hast doch nichts zu verlieren", sagt er.

Mit Freunden aus der Filmbranche und Youtube-Tutorials bringt er sich das Schneiden der Filmaufnahmen bei. "Das Schwierigste war, eine spannende, lustige und unterhaltsame Zusammenfassung hinzubekommen", sagt Kailing.

Bei allen Höhen und Tiefen dabei

Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Genau das ist gelungen: Der Zuschauer ist ganz nah bei allen Höhen der Reise dabei - wie einem Kindergeburtstag in strömendem Regen in Sumatra. Und auch die Tiefen - wie drei Wochen bleierne Einsamkeit im australischen Outback - erlebt man hautnah mit.

Am 13. Februar startet Kailings Film bundesweit in den Kinos (Termine der Kinotour hier), auch ein Buch über seine Reise hat Kailing herausgebracht. Wie es beruflich mit ihm weitergeht, hat der studierte Bauingenieur noch nicht entschieden. "Die Reise hat mich gelehrt, dass immer irgendetwas passiert", sagt er: "Auch wenn man keinen Plan hat: Irgendetwas wird schon kommen."

Sendung: hr-fernsehen, hauptsache kultur, 23.01.2020, 22.45 Uhr