Collage aus Landschaft mit Motorrad und Regisseur Christian Vogel mit Motorradhelm
Einsame Straßen und überfüllte Städte - Christian Vogel hat auf seiner Reise viel gesehen. Bild © BuschMediaGroup (Collage: hr)

Seattle, Seoul, Nowosibirsk: 55.000 Kilometer hat Christian Vogel aus Kassel allein auf dem Motorrad zurückgelegt. Im Interview erklärt der Abenteurer, wie daraus der Kinofilm "Egal was kommt" wurde - und warum sein Bedarf an Solo-Touren jetzt gedeckt ist.

Job auf Eis legen, Wohnung kündigen und einfach losfahren: 2015 hat sich Christian Vogel seinen Traum von einer Motorradreise um die Welt erfüllt. Seine Reise hat ihn durch 22 Länder geführt, durch die USA, die Mongolei, Pakistan und Russland. Eine festelegte Route gab es vorher nicht.

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Was der Fernsehjournalist dabei erlebt, hält er für sich mit der Kamera fest - mehr als 650 Stunden Videomaterial sind zusammengekommen. Im Nachhinein entsteht die Idee, daraus einen Film zu machen. "Egal Was Kommt" erzählt von bewegenden Begegnungen, aber auch von einem Unfall, der ihn beinahe zum Aufgeben gezwungen hätte. Wir haben mit dem 38-Jährigen gesprochen.

hessenschau.de: Wie kamen Sie auf die Idee zu einer solchen Reise?

Christian Vogel: Die Idee gab es schon sehr lang. Ich habe irgendwann, ich glaube mit sechzehn, das Buch eines Italieners gelesen. Der ist aufgrund einer Kneipenwette in einhundert Tagen ohne Geld einmal um die Welt gereist. Seit diesem Moment hat mich das irgendwie nicht mehr losgelassen. Du arbeitest dich irgendwann zwar in so eine Bequemlichkeit rein, du verdienst Geld, es wird alles sehr angenehm. Aber diese Sehnsucht war immer da. Ich habe gespürt, dass ich langsam unzufrieden werde und gleichzeitig habe ich auch unzufriedene Menschen in meinem Leben gesehen, die ihren Moment verpasst haben. Und ich wusste: So willst du nicht werden.

Motorrad steht neben Hängebrücke
Seine Reise führte Christian Vogel auch ins indische Manali. Bild © BuschMediaGroup

hessenschau.de: Einmal um die Welt - das war Ihr Ziel. Wie bereitet man sich auf so ein Projekt vor?

Christian Vogel: Ich habe etwa ein Jahr vorher mit meinen Vorbereitungen begonnen. Durch vorherige Motorrad-Trips war mir klar, dass ich natürlich nicht alles planen kann. Und es liegen viel zu viele Informationen vor. Als ich angefangen habe, im Internet zu recherchieren, hat mich das völlig kirre gemacht. Als die Sache im Kopf immer größer und komplizierter wurde, habe ich einen Schlusstrich gezogen und gesagt: Ich lese hier gar nichts mehr. Ich konzentriere mich auf die wesentlichen Dinge: mein Motorrad, meine Zahnbürste, meinen Schlafsack und die Visa.

hessenschau.de: In Indien hatten Sie einen schweren Motorradunfall. Sie haben sich die Hand und mehrere Rippen gebrochen.

Christian Vogel: Das war eines der prägenden Erlebnisse auf der Reise und hätte mich fast zum Aufgeben gezwungen. Mir ist klar geworden: Ich bin nicht Superman, es gibt Dinge, auf die ich mich nicht vorbereiten und die ich auch nicht händeln kann. Das war ein Punkt, an dem ich wirklich Angst hatte, dass das hier nicht gut ausgeht. Zuviel will ich aber nicht verraten - die Leute sollen ja schließlich noch ins Kino gehen.

Welkarte, auf der die Route von Deutschland über die USA, Russland und die Türkei markiert ist
Von Nordhessen ging es durch die USA und anschließend nach Asien. Bild © BuschMediaGroup (bearbeitet von hessenschau.de)

hessenschau.de: Wie sind Ihnen die Menschen, die Sie unterwegs getroffen haben, begegnet?

Christian Vogel: Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich, aber eigentlich alle positiv. In der mongolischen Steppe oder am Rand der afghanischen Grenze trifft man auf Menschen, für die das vollkommen unvorstellbar ist: Was ich da gerade mache, welchen Weg ich bereits zurückgelegt habe oder was mich antreibt. Wenn man diesen Menschen erzählt, dass man einem Gefühl folgt, schauen sie einen ungläubig an - was völlig verständlich ist. Für viele Menschen auf dieser Erde ist es ja finanziell oder politisch unmöglich, überhaupt jemals ihr Land zu verlassen.

hessenschau.de: Was nehmen Sie als Erkenntnis mit?

Christian Vogel: Man lernt, dass Menschen für einen da sind. Die Botschaft der Reise und auch dieses Films ist: Die Welt ist schon ziemlich in Ordnung und auch die Menschen, die in ihr leben. Auch losgelöst von der Bewältigung des Unfalls gab viele Momente, wo völlig fremde Menschen dafür gesorgt haben, dass diese Reise überhaupt weitergeht. Das haben die zum Teil völlig bedingungslos getan.

Auf dem Karakorum-Highway, kur vor der Grenze zu Nordpakistan, steht ein alter Sessel.
Auf dem Karakorum-Highway, kur vor der Grenze zu Nordpakistan, entdeckt Christian Vogel einen alten Sessel. Bild © BuschMediaGroup
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"Egal Was Kommt" im Kino

Der Film startet am 2. August in 100 Kinos bundesweit, darunter auch Kassel, Marburg, Frankfurt und Darmstadt. In einigen Kinos gibt es Vorpremieren, bei denen Christian Vogel zu Gast ist - unter anderem . Weitere Informationen und Termine finden Sie auf der offiziellen Seite zum Film.

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hessenschau.de: Erst nach der Reise haben Sie entschieden, aus dem ganzen Material einen Film zu machen, Ihren ersten Kinofilm.

Christian Vogel: Wenn so ein fertiger Film da liegt, dann ist man selbvstverständlich stolz. Auf sich selbst und auf das Team der Menschen, die das ermöglicht haben. Da bin ich auch ganz schnell bei meiner Freundin Miriam, die das über viele Monate unterstützt hat. Vor dem Kinostart spüre ich aber auch eine sehr große Ungewissheit. Der Horror wäre, wenn Menschen im Kino einfach aufstehen und gehen. Es ist ein bisschen wie die Reise selbst: Du weißt nicht, was passiert.

hessenschau.de: Steht das nächste Reiseziel schon fest - und nehmen Sie Ihre Freundin diesmal mit?

Christian Vogel: Für die Suche nach einem neuen Reiseziel hat der Film gar keine Zeit gelassen. Aber ich würde meine Freundin in Zukunft immer mitnehmen. Das hat sich bei mir durch die Reise drastisch geändert, und das merkt man dem Film offenbar auch an. Manche, die ihn schon kennen, sagen jedenfalls: Es ist auch ein Liebesfilm geworden. Wenn die Kinotour vorbei ist, werde ich mit Miriam einen Wanderurlaub machen. Da werde ich das Handy zu Hause lassen - und die Kamera auch.

Das Interview führte Tanja Stehning.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 13.7.18, 18 Uhr