Besucher halten das Ohr an die Exponate um den Klang zu hören

Tarek Atoui sammelt Geräusche: Häfen in Athen und Abu Dhabi, Unterwassergeräusche, das Innere von Steinen. Im Kasseler Fridericianum lässt der Künstler die Klänge verschmelzen zu Wummern, Vibrieren, Klingeln. Eine Sound-Reise an ferne Orte.

Die Fremde rückt in Zeiten von Corona in noch unerreichbarere Ferne: Wie klingt es morgens um 5 Uhr in einem Hafen von Athen? Das Wasser, die Fischer, schwere Maschinen? Mit geschlossenen Augen können sich Besucher im Kasseler Friedericianum nun einfach in andere Länder und Orte wegträumen. Ab Freitag öffnet das Museum wieder.

Der Künstler Tarek Atoui hat eine Soundinstallation geschaffen. Er sammelt seit 2015 Geräusche von Häfen in Athen, Abu Dhabi, Singapur, Beirut und Porto. Mit einem Teil seiner Aufnahmen hat er im Kasseler Fridericianum eine Installation geschaffen. Überall sind Mikrofone installiert, auch in Marmorblöcken und schwarzen Stahlträgern, die im Raum verteilt sind.

Setzt sich ein Besucher auf die Steine, reagieren die Geräusche darauf. Kniend neben den Marmorblöcken oder mit dem Ohr auf einem der Stahlträger, die Klangkulisse verändert sich ständig: Wummern, Rauschen, das dumpfe "Klong" von Metall auf Metall.

Wie eine akustische Landschaft

Mal scheint man in Ruhe am Wasser zu stehe, dann klingt es, als würde eine schwere Maschine vorbeifahren, während in einer anderen Ecke des Raumes Gesprächsfetzen in fremden Sprachen wispern. Es ist, als würde eine Landschaft am Besucher vorbeiziehen, nur dass er sie nicht sieht, sondern hört.

Vier bis sechs Tage brauche er, um die Geräusche eines Hafens aufzunehmen, sagt Atouri. Die Mikrofone werden dabei in Stahlträger, Steine, Holz, Höhlen, zehn Meter unter Wasser oder im Innern eines Strommasten platziert. So entstehen Aufnahmen etwa von Öltankern - wie die Schiffe vom Strommasten aus klingen, unter Wasser oder von einer entfernten Insel. In Kassel hat Atoui seine Aufnahmen von den Häfen Elefsina in Athen und den Zayed-Hafen in Abu Dhabi zusammengefügt.

Sound-Reise zum Selbermachen

Im Kasseler Ausstellungsraum treffen die unterschiedlichen Klänge aufeinander, sie reagieren miteinander und verändern sich so permanent. Atoui sammelt nicht nur Klänge, er baut auch Instrumente, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind.

In einem Nebenraum des Ausstellungssals sind Tische aufgebaut, an denen Besucher bei Workshops selbst experimentelle Instrumente ausprobieren und Töne mit verkabelten Lollis, Metallkugeln und Steinen erzeugen können. So beeinflussen sie die gesamte Installation - und können ihre ganz eigene Reise durch Sound-Landschaften erschaffen.

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Waters' Witness im Fridericianum

Die Ausstellung Waters' Witness ist die erste Einzelausstellung von Atoui in Deutschland. Er lebt in Paris. Das Friedericianum ist ab dem 12. März wieder geöffnet, die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Mai 2021. Besucher müssen sich vorher anmelden unter der Nummer 0561 70727–3010 oder per Mail an kasse@fridericianum.org.

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