Eine Regenbogenflagge flattert vor dem rathaus in Weiterstadt

Eine bunte Flagge am Rathaus, diverse Filme in den Kinos: In Weiterstadt läuft das 24. Queer Filmfest - das älteste und größte seiner Art im Rhein-Main-Gebiet. Es trage zu Toleranz und Lebensqualität bei, sagt der Bürgermeister.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bereits zum 24. Mal: Queer Filmfest in Weiterstadt

 Menschen tragen ein Banner vom Queer Filmfest Weiterstadt
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Eine Kindergärtnerin beschwert sich über ein Filmfestival-Plakat. Darauf zu sehen ist nichts weiter als ein glücklicher junger Mann. Das war 1996, als das Queer Filmfest unter dem Namen "Schwul-lesbische Filmwochen" zum ersten Mal offiziell in Weiterstadt stattfand. "Das war die Provokation schlechthin in so einem Ort, ein queeres Filmfest zu veranstalten", sagt der Gründer Jochen Pollitt.

In den 1980er Jahren ging der gelernte Feinmechaniker nach Berlin, um in der Großstadt schwul-lesbische Festivals zu besuchen. Damals habe er sich gesagt: "Wir müssen sowas auch im Dorf machen können!" Zurück in Weiterstadt habe er die ersten Filme über Aids gezeigt und diese Screenings noch über christliche Jugendgruppen organisiert.

Kein Fachwerk, kein Fluß - aber Kultur!

Heute ist das Kinofestival in der Region angekommen. "Es gehört dazu", sagt Andreas Heidenreich vom Kommunalen Kino in Weiterstadt. "Und das in einem Städtchen mit 20.000 Einwohnern." 1.000 Besucher*innen seien im vergangenen Jahr zum Filmfest gekommen, Gelder fließen aus Bund und Land - und der Bürgermeister von Weiterstadt Ralf Möller ist nach eigener Aussage "mächtig stolz".

Möller lobt die ehrenamtliche Arbeit im Kommunalen Kino, das Heidenreich und Pollitt mitbegründet haben. "In Weiterstadt haben wir kein Fachwerk, keinen Fluss - aber wir haben Kultur!" Das mache die Lebensqualität des Städtchens aus. Es sei extrem tolerant, da trage sicher auch so ein kommunales Kino mit solchen Filmwochen bei, meint Möller. Während der Dauer des Festivals lässt er die Regenbogenflagge am Rathaus wehen.

Wenig queere Angebote im ländlichen Raum

Das Filmfest ist in Weiterstadt akzeptiert, aber die Welt sei für queere Menschen noch keinesfalls ideal, sagt Festival-Gründer Pollitt. "Das kann ruckizucki wieder in die andere Richtung gehen!" Gerade auf dem Land hätten Schwule, Lesben oder Transgender heute immer noch Probleme, sich zu outen. In Deutschland gibt es mittlerweile 19 queere Filmfestivals - neben Weiterstadt ist allerdings nur ein weiteres im ländlichen Raum. Das Queer Filmfest soll die Möglichkeit bieten, sich kennen zu lernen und auszutauschen.

Die Probleme der queeren Community abseits der Metropolen schlagen sich auch im Festivalprogramm nieder. Im Film "Neubau" geht es um einen jungen Mann aus Brandenburg, der sich nach Berlin und der queeren Szene dort sehnt. In "Zeit der Monster" bringt dagegen eine Berliner Drag Queen die queere Szene im provinzielleren Saarland durcheinander.

Weitere Informationen

24. Queer Filmfest Weiterstadt

Das Queer Filmfest Weiterstadt läuft noch bis zum 4. November. Mit über 20 Filmen von und über die LGBTQ-Community. Wegen der angespannten Infektionssituation findet das Filmfest in drei Kinos statt: Im Kinosaal Weiterstadt, im Lichtblick Kino Walldorf und dem Rex Kino in Darmstadt.

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Sendung: hr2, 22.10.2020, 06.49 Uhr