Unwort des Jahres 2019 Klimahysterie

"Klimahysterie" ist zum neuen Unwort des Jahres gekürt worden. Der Begriff "pathologisiert pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als Art kollektiver Psychose", befand die Jury.

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Das Unwort des Jahres 2019 steht fest: "Klimahysterie". Die Entscheidung gab die Jury des Instituts für Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt am Dienstag bekannt.

Mit dem Wort würden Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert, sagte die Sprecherin der Jury der sprachkritischen Aktion, Nina Janich, zur Begründung. "Es pathologisiert pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als Art kollektiver Psychose." Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel sei das Wort zudem irreführend und stütze "in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen".

Ökologie und Klimadebatte im Mittelpunkt

Der Begriff sei gleich von mehreren Vertretern von Politik, Wirtschaft und Medien benutzt worden. Beispielsweise AfD-Politiker Alexander Gauland hatte im Juni vergangenen Jahres gesagt: "Die Klimahysterie der anderen Parteien wird die AfD nicht mitmachen."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüßte die Wahl. Sie lobte insbesondere die Begründung: "Zu sagen, es kann doch nicht sein, dass man die notwendigen Dinge, die wir jetzt tun müssen gegen den Klimawandel, dass man das als Hysterie bezeichnet - also so tut, als wären wir krank." Es müsse gehandelt werden, der Klimawandel sei belegt, daher sei das eine "sehr, sehr gute Wahl".

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Nach Angaben der sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres waren 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen eingereicht worden - darunter "Verschmutzungsrechte", "Bauernbashing", "Ökodiktatur" oder "Umvolkung". Standen jahrelang Flüchtlingspolitik und Migration im Fokus, rückten nun Ökologie und Klimadebatte stärker in den Mittelpunkt.

Weniger Vorschläge eingereicht

Die sprachkritische Aktion möchte mit ihrem alljährlichen "Unwort" auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Das Unwort wird seit 1991 gekürt.

Rund 50 Vorschläge entsprachen in diesem Jahr den Kriterien. Die Zahl der Einsendung ging erneut zurück. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 900. Früher gab es auch schon mal deutlich über 2.000 Vorschläge.

Die Unwörter der vergangenen zehn Jahre

  • 2019 – "Klimahysterie": Mit dem Wort werden nach Auffassung der Jury Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert
  • 2018 – "Anti-Abschiebe-Industrie": Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, hatte den Begriff geprägt. Der Begriff verhöhnt aus Sicht der Jury geltendes Recht. Er zeige auch, wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben habe.
  • 2017 – "Alternative Fakten": Mit dem Begriff sollen aus Sicht der Jury Falschbehauptungen politisch salonfähig gemacht werden.
  • 2016 – "Volksverräter": Das Wort sei ein "Erbe von Diktaturen" unter anderem der Nationalsozialisten.
  • 2015 – "Gutmensch": Der Vorwurf diffamiere Hilfsbereitschaft und Toleranz pauschal als naiv und dumm, begründet die "Unwort"-Jury.
  • 2014 – "Lügenpresse": Diese pauschale Verurteilung "verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit", so die Jury.
  • 2013 – "Sozialtourismus": Der Ausdruck diskriminiert laut Jury Menschen, "die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu".
  • 2012 – "Opfer-Abo": Die "Unwort"-Jury kritisiert, der Begriff stelle Frauen pauschal unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterin zu sein. Wetter-Unternehmer Jörg Kachelmann hatte die Wortschöpfung, die seine Frau Miriam erfunden habe, unter anderem in einem "Spiegel"-Interview verwendet. Darin ergänzte er: "Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden."
  • 2011 – "Döner-Morde": Dieser Begriff ist für die Mordserie der rechtsextremistischen NSU-Terroristen verwendet worden. Mit der "sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung" würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärt die Jury.
  • 2010 – "alternativlos": Das Wort suggeriere zu Unrecht, dass keine Diskussion mehr notwendig sei.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 14.01.2020, 16:45 Uhr