Der Sarkophag wird für den Transport verladen

Vermutlich lag er über 1.100 Jahre in Lorsch und bot dort König Ludwig dem Deutschen die letzte Ruhestätte. Doch ab September soll der Sarkophag im Landesmuseum Mainz Teil einer neuen Ausstellung werden. Deshalb wird er zum ersten Mal auf eine große Reise geschickt.

Videobeitrag

Video

zum Video Sarkophag auf Reisen

hessenschau voon 1930
Ende des Videobeitrags

Unter den übrigen Funden sticht der Sarkophag in der UNESCO Welterbestätte Kloster Lorsch klar hervor: Er misst in der Länge etwa zwei Meter, ist 1,4 Tonnen schwer und aufwendig verziert. Aber auch sein mutmaßlicher Besitzer macht das Exponat zu einem ganz besonderen Schatz. Denn der Sarkophag aus weißem Sandstein könnte die letzte Grabstätte von König Ludwig dem Deutschen gewesen sein - einem Enkel Karls des Großen, der im 9. Jahrhundert lebte.

Hermann Schefers, der Leiter des Klosters Lorsch zählt auf, was dafür spricht: zum einen die Verzierungen, die ein ähnliches Alter nahelegen, dann auch die stattliche Größe des Sarkophags, die auf eine hochrangige Persönlichkeit schließen lassen und sein Fundort in Lorsch. "König Ludwig der Deutsche ist 876 in seiner bevorzugten Residenz in Frankfurt gestorben und wurde schon einen Tag später hier im Kloster Lorsch beigesetzt." Nun soll der Sarkophag ein Teil der Ausstellung "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht" im Landesmuseum Mainz werden.

Gebeine vermutlich auf dem Amtsweg verschollen

Heute fehlt von den Gebeinen des früheren Königs jede Spur. Das führt Schefers vor allem auf die Umstände der Entdeckung zurück: Er geht davon aus, dass ein Oberforstmeister etwa im Jahr 1800 in Lorsch auf den Sarkophag stieß. Eigentlich sei er wahrscheinlich auf der Suche nach Schätzen gewesen. Dementsprechend sorglos habe der Finder den Sarkophag geborgen und zerbrochen. Was er darin fand, ist unklar.

Die einzige Quelle ist laut Schefers ein Augenzeuge, der Jahrzehnte später aufschrieb, er habe eine Gestalt darin gesehen, vornehm gekleidet, mit Sporen, Schwert und einer Pergamentrolle als Grabbeigaben. Schefers hält diese Beschreibungen für reichlich abenteuerlich. Doch vermutlich schickte der Finder den Inhalt des Sarkophages damals an seinen Landesherren in Aschaffenburg. "Dort ist er irgendwie verschollen. Gewissermaßen auf dem Amtsweg."

Der Transport: Eine Herausforderung

Damit der Sarkophag unbeschadet den Weg von Lorsch nach Mainz schafft, hat Restaurator Thomas Lutgen aus Trier viele Berechnungen angestellt. "Der Transport von Sarkophagen ist sehr, sehr schwierig, weil sie ein hohes Eigengewicht haben, gleichzeitig aber sehr fragil sind." Besonders vorsichtig müsse er mit den Bruchstellen umgehen, die geklebt sind. Das Anheben sei immer die größte Herausforderung bei einem Transport, so Lutgen.

Auch ohne Gebeine gehört der Sarkophag zu einem der Highlights des Klosters Lorsch. Deshalb gibt das Kloster das Stück auch gerne nach Mainz ins Landesmuseum. Dort sollen sowohl der Sarkophag, als auch eine Tafel mit einer Grabinschrift ab dem 9. September zu sehen sein.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kloster Lorsch verleiht Sarkophag an Landesmuseum Mainz

Sarkophag im Kloster Lorsch
Ende des Audiobeitrags

Beweis für die Bedeutung des Klosters Lorsch

Die Direktorin des Landesmuseums freut sich insbesondere über die Leihgabe des Sarkophags, "weil er Ludwig dem Deutschen zugeordnet wird und weil er ein ganz herausragendes Beispiel dafür ist, was die Bedeutung des Klosters Lorsch angeht" , sagt Birgit Heide.

Schon zu Lebzeiten förderte Ludwig der Deutsche das Kloster Lorsch und verhalf ihm auf diese Weise zu weiterem Einfluss, sagt Historiker Schefers. Den Sarkophag Ludwigs des Deutschen in eine Ausstellung über die Beziehungsgeflechte von mächtigen Persönlichkeiten aus dem Mittelalter zu übernehmen, findet er die richtige Entscheidung. Schließlich sei Ludwig der Deutsche nicht nur ein Machtmensch gewesen, sondern habe auch außergewöhnlich lange regiert und die damalige Zeit stark geprägt.

Weitere Informationen

Ausstellung im Landesmuseum Mainz

Die rheinland-pfälzische Landesausstellung "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa" ist zwischen dem 9. September 2020 und dem 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz zu sehen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.08.2020, 19.30 Uhr