Lnny Kravitz in der Festhalle Frankfurt
Lenny Kravitz spielte am Mittwochabend in der Frankfurt Festhalle. Bild © hr1/Jens Naumann

Drei Jahre stand er nicht mehr auf der Bühne, jetzt ist er zurück: Lenny Kravitz hat die Frankfurter Festhalle gerockt. Neue Songs bekamen die Fans kaum zu hören - dafür gab es aber viel Liebe.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Begeisterte Besucher: "Geil - ein richtig cooler Hund"

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So sieht kein Musiker aus, der eine künstlerische Krise hat. Als Lenny Kravitz am Mittwochabend auf der Bühne der Frankfurter Festhalle steht, ist der Titel seiner Deutschlandtournee "Raise Vibration" ("Erhöhe deine Schwingungen") Programm: Mal läuft er von einem Bühnenrand zum anderen, zieht grinsend seine Brille ab, flirtet mit dem Publikum. Dann kreist er die Hüften, wirft den Kopf in den Nacken und breitet die Arme aus, als wollte er alle im Saal umarmen.

Dann wieder steht er in typischer Kravitz-Pose da: die rechte Hand lässig übers Mikro gehängt, die linke am Mikroständer, die Knie wippen abwechselnd zum Rhythmus. Dann wieder ist er in sein Gitarrenspiel vertieft, die Beine gekreuzt, diesmal kreist er den Kopf und die halblangen Dreadlocks wippen.

Kritiker zerreißen Album

Noch vor kurzem war der 54-Jährige weniger gut drauf: Nach seiner letzten Tour vor drei Jahren habe er nicht weiter gewusst, die Musik nicht mehr gefühlt, erzählte er im April dem Rolling Stone Magazin.

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Kritiker hatten außerdem sein zehntes Album "Strut" von 2014 zerrissen: Er habe keine neuen Ideen oder Botschaften mehr, seine Konzerte seien langweilig. Einer will bei einem Kravitz-Gig sogar eingeschlafen sein.

Das ist am Mittwochabend unvorstellbar: Mit dem Funk-Rock-Opener "Fly Away" gibt Kravitz – schwarze Lederschlaghose, schwarzes Hemd, Fliegerbrille – das Tempo vor. Und das Publikum steigt voll ein: Nach nur zwei, drei Takten schnellen Arme in die Höhe, Jubel brandet auf, die volle, wenn auch nicht ausverkaufte Halle gerät in Bewegung.

Reggae-Takte mit Saxofonisten

Die Bühne ist schlicht, keine Leinwände und Videos. Nur Lichteffekte und zwei überdimensionale Stierhörner – ein Symbol für Testosteron vielleicht. Egal, es geht um Musik, die Texte haben die Kravitz-Fans drauf: Ein Großteil von ihnen dürfte in den 90ern auf Abi- oder Studentenpartys zu Kravitz' Hits getanzt haben.

Ohne Atempause geht es weiter mit Rock-Hits wie "Dig In" und "Bring It On". Sein berühmtes Guess-Who-Cover "American Woman" lässt Kravitz zu Reggae-Takten auslaufen. Ab da verstärken zwei Saxofonisten und ein Trompeter Kravitz' vierköpfige Band.

Ruhiger wird es, als Kravitz zwei Tracks seines neuen Albums (es heißt ebenfalls "Raise Vibration") vorstellt: den Protestsong "It's Enough" und "Low", ein Song mit Michael-Jackson-Vocals. Zwischendurch grüßt Kravitz einen Fan, der schon 57 seiner Konzerte gesehen hat und ruft: "Danke, dass wir durch unsere Musik hier Liebe verbreiten können."

Wandern durchs Publikum

Dann zieht das Tempo wieder an und spätestens zum Klassiker "Always On The Run" wird selbst zwischen den Sitzreihen auf dem Balkon gegrooved. Hierhin zieht es Kravitz bei der Zugabe. Plötzlich steigt er von der Bühne und wandert "Let Love Rule" singend durchs Publikum – gefolgt von sichtlich nervösen Sicherheitsleuten. Schließlich taucht er auf dem Balkon auf, umarmt Fans und schießt Selfies, bevor er sich und die Band mit "Are You Gonna Go My Way" verabschiedet.

Einziger Wermutstropfen dieses grandiosen Abends: Ausgerechnet der größte Gänsehautmoment, das dank Kravitz' Stimme sonst glasklare Vocal-Intro zum Klassiker "It Ain't Over Till It's Over" schallt übersteuert aus den Lautsprechern. Sei's drum. Lenny Kravitz ist zurück, und das mit einem Konzert-Paukenschlag und viel Liebe für seine Fans.