Biene auf Bienstich
Im Wispertal können Tiere wie Kuchen gleichermaßen tödlich sein. Bild © picture-alliance/dpa / Montage hr

Aufruhr im Wispertal: Eine Biotech-Firma will den Weinbau rücksichtslos vorantreiben. Manche Dorfbewohner sorgen sich um die örtlichen Bienen. Doch die wahre Gefahr wurzelt in der Geschichte des verblühten Luftkurorts.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Die Glanzzeit des - erfundenen - Luftkurorts Lieblich im Wispertal sind vorbei. Schon lange kommen keine Gäste mehr. Dafür treibt eine Biotech-Firma ein dubioses Vorhaben mit allen Mitteln voran: In den höheren Lagen des Rheingaus will sie Reben anbauen, verbunden mit allem, was eine hochtechnologisierte Landwirtschaft mit sich bringt: Pestizide, Fungizide und dergleichen. Sofort entstehen zwei Lager in der Dorfgemeinschaft: Die einen erhoffen sich einen satten Gewinn, die anderen fürchten um die Natur samt den Bienen, mit deren Honig eine Dorfbewohnerin ihren weit über die Talgrenzen hinaus geschätzten Bienenstich herstellt.

Buchcover
Bild © Ullstein Verlag

In diese angespannte Situation kommt Pippa Bolle, Berliner Übersetzerin und Haushüterin von Beruf. Sie hat den Auftrag des größten Imkers des Tales angenommen, auf sein Haus und seine Bienen aufzupassen, während er bei einem Kongress weilt. Neugierig ist sie auch, und da gibt es etwas, was ihr Interesse weckt: Im eisigen Winter ist ein Dorfbewohner auf einer Sitzbank erfroren. Er war eines der handverlesenen Mitglieder des Dorfstammtischs, der die Geschicke des Orts bestimmt. Warum starb dieser Mann unbemerkt und allein?

Als sei der Konflikt um den Rebenanbau nicht genug, wahrt das Dorf ein Geheimnis. Vor rund 100 Jahren war es Teil des "Freistaats Flaschenhals", einem Kuriosum in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und seitdem machen sich immer wieder Dorfbewohner auf die Suche nach einem verschollenen Schatz, den ein legendärer Räuberhauptmann - heute würde man ihn Boss einer mafiösen Schmugglerbande nennen - kurz vor der Gefangennahme versteckt haben soll. Dass diese Suche lebensgefährlich werden kann, erfahren zwei Brüder. Kaum betreten sie in einen verlassenen Stollen, fliegt dieser in die Luft.

Kurzkritik:

Man muss sich erst einmal an die vielen Personen gewöhnen, mit denen die Autorin aufwartet. Dabei hilft ein Register, das bei einigen Namen eher kryptisch bleibt. Ist dieser Schock überwunden, stellt sich der Spaß an dieser verworrenen Geschichte schnell ein. Die Charaktere, die sich in diesem Krimi tummeln, sind mit treffsicheren Strichen skizziert. Frau Auerbachs Blick auf die Landschaft der Touristenakttraktion Wispertal ist liebevoll und kenntnisreich. Sie baut sogar die Geschichte des "Freistaats Flaschenhals" ein, an der kein Besucher der Region vorbeikommen kann. Diese malt sie zwar ein wenig aus, aber das ist schriftstellerische Freiheit, die das Ganze lesenswert macht.

Pippa Bolle, Ermittlerin wider Willen und doch von gnadenloser Neugier getrieben, ist eine sympathische Figur, die Ordnung in das "liebliche" Chaos bringt und so manche Leiche aus dem Keller ans Licht zerrt. Sie hat den richtigen Riecher und bohrt den Finger tief in die Wunden der Dorfgemeinschaft. Das ist amüsant und kurzweilig. Jedenfalls: Wer den Krimi gelesen hat, sieht bei einem Besuch das Wispertal bestimmt mit anderen Augen.

Die Autorin:

Porträt
Bild © Sarah Macdonald Photograph

Sechs Pippa-Bolle-Bücher lang hat Frau Auerbach - so nennt sich die Autorin - mit ihrer Kollegin Frau Keller zusammengearbeitet. Der siebte Teil, "Tödlicher Bienenstich", ist der erste Band, den sie allein schrieb. Die Autorin lebt und arbeitet als freie Autorin im Rheingau. Neben Krimis schreibt sie Kurzgeschichten und Drehbücher.