Bembel und Apfelweinglas mit Frankfurter Römer im Hintergrund
Das Frankfurter Nationalgetränk als Auslöser für einen Mord? Bild © picture-alliance/dpa

Wehe, einer will dem Frankfurter Nationalgetränk ans Leder! In Gerd Fischers neuem Kommissar-Rauscher-Fall wird ein EU-Politiker ermordet. Ist ein rabiater Apfelwein-Liebhaber der Täter? "Ebbelwoijunkie" ist ein süffig erzählter Regionalkrimi.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Der EU-Politiker Hans-Georg Schumann, bekannt als Hardliner und Unsympath, reist nach Frankfurt, um eine Gesetzesvorlage zu präsentieren: Er will den Genuss von Apfelwein auf 200 Milliliter pro Tag begrenzen. Doch Schumann kommt nicht am Verhandlungsort, dem Römer, an. Am nächsten Morgen wird seine Leiche entdeckt, makaber drapiert auf dem Börsenbären.

Buchcover mit Glas Apfelwein
Bild © mainbook Verlag

Das kann nur ein Apfelwein-Liebhaber getan haben. Aufzeichnungen einer Videokamera vor Schumanns Hotel führen rasch zu einem Taxifahrer, der laut GPS nach Nied gefahren ist und nicht zum Römer. Doch der war es nicht, sein Bruder lieh sich das Taxi aus. Somit steht für die Ermittler der Mordkommission fest: Karl Wöhler ist der Gesuchte. Der gibt zwar zu, den Politiker gefangen genommen und ihm einen Denkzettel verpasst zu haben, aber ermordet? Nein!

Keiner glaubt ihm - bis auf den leitenden Kommissar Rauscher, einen bekennenden Trinker von Sauergespritztem. Weil Rauscher ein aufbrausendes Gemüt hat, eskaliert die Situation im Präsidium. Rauscher wird suspendiert. Aber er lässt nicht locker, ermittelt privat weiter, stößt auf Ungereimheiten. Da wird sein kleiner Sohn Mäxchen entführt.

Kurzkritik:

"Ebbelwoijunkie" ist der neunte Fall für den ermittelnden Apfelweinliebhaber mit dem passenden Namen Rauscher. Wie immer hat Autor Gerd Fischer mit lockerer Hand geschrieben. Die Geschichte läuft süffig wie 's Stöffche – und so völlig undenkbar erscheint die abstruse Gesetzesvorlage des Herrn Schumann ja angesichts der ausufernden EU-Bürokratie auch nicht.

Spannend ist auch, dass Fischer in seinen Krimis immer wieder aktuelle Themen aufgreift und sie – dem Genre gemäß – zuspitzt. Ein bisschen trübt es den Lesegenuss, dass der Autor gelegentlich zu Klischees greift und auch sprachlich nicht immer weit vorne zu finden ist. Aber mit einem Gerippten in der Hand lässt sich der Band sehr gut lesen.

Der Autor:

Gerd Fischer
Autor und Verleger Gerd Fischer Bild © privat

Autor und Verleger Gerd Fischer kam 1970 in Hanau auf die Welt und wuchs in der Wetterau auf. Seit 1991 lebt er in Frankfurt-Bockenheim. Er hat Germanistik, Kunstgeschichte und Politik studiert und arbeitet zurzeit auch als Lektor und Ghostwriter. 2006 veröffentlichte er seinen ersten Krimi "Mord auf Bali". Seine Reihe mit Kommissar Rauscher dreht sich um Themen wie Wohnungsnot, Fluglärm, Online-Mobbing oder - wie im letzten Band - um eine andere Frankfurter Institution: die Eintracht.