Ein Tourist geht am 14.10.2016 über die alte, etwa 60 Meter lange "Aseler Brücke" im Edersee
Die Alte Brücke im Edersee, die bei niedrigem Wasserstand auftaucht, wird bei Gisela Albrecht zum Schauplatz eines Verbrechens. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Mann verschwindet in Waldeck. Auf der Suche nach ihm begegnen sich seine Frau und seine Geliebte. Dann taucht eine Leiche auf. Doch der Kriminalfall kommt in Gisela Albrechts lesenswertem Edersee-Roman erst an zweiter Stelle.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Voller Vorfreude ist Tanja Rulberg von Freiburg nach Waldeck gefahren. Seit drei Jahren kommt sie regelmäßig an den Edersee. Dort trifft sie sich mit ihrem heimlichen Geliebten Frank Hartinger, einem Chirurgen aus Bad Wildungen. Nach einem Nachmittag im Hotel, voller Liebe und Verlangen, geht Tanja ein Eis für beide holen. Doch als sie zurückkommt, ist das Zimmer leer, nur Franks Arzttasche ist noch da.

Buchcover mit Bild der Alten Brücke im Edersee
Bild © Verrai Verlag

Auch Franks Frau Regine sorgt sich, weil ihr Mann verschwunden ist. Anfangs glaubte sie, dass ihr Mann mal wieder aus Personalmangel in der Klinik übernachtete, wie er es angeblich schon so oft tat. Nun informiert sie die Polizei. Und bricht, zunehmend misstrauisch, die Schreibtischschublade ihres Mannes auf. Dort findet sie eine Handynummer. Sie ruft an, und Tanja ist am Apparat. Die wiegelt zunächst ab, aber die Sorge in Regines Stimme lässt sie zum ersten Mal darüber nachdenken, was sie möglicherweise dieser Frau antut. Sie treffen sich, und Regine erfährt die Wahrheit.

Dann ändert sich die Lage: Wegen anhaltender Trockenheit ist der Wasserstand des Edersees stark gesunken, und am Fuß der Alten Brücke, die aus den Fluten aufgetaucht ist, wird ein Mann tot aufgefunden. Er ist mit Riemen an einen Rollstuhl gefesselt. Harald Walesch war seit einem schweren Unfall querschnittsgelähmt und führte einen langjährigen Kleinkrieg gegen den operierenden Arzt, dem er einen Kunstfehler vorwarf. Dieser Arzt ist niemand anderes als Frank.

Kurzkritik:

Es ist ein schmaler Band, den Gisela Albrecht geschrieben hat. Auf wenigen Seiten zeichnet sie ein facettenreiches Bild: Da sind einmal die Städte und Dörfer und der Edersee, die sie - weit besser als mancher Touristenführer - sachkundig und liebevoll beschreibt. Da ist der Mord an dem Mann im Rollstuhl, dessen Aufklärung eine unerwartete Wendung nimmt. Da ist aber vor allem das Verhältnis der beiden Frauen zueinander - eigentlich Rivalinnen, die über die gemeinsame Sorge um den verschwundenen Mann ein Stück weit zueinander finden.

Auf diesen Strang der Geschichte hat Albrecht ihren Schwerpunkt gelegt, sodass der Krimi eigentlich erst an zweiter Stelle kommt. Die Verzweiflung, Schuldgefühle, Sorge, das Aufkeimen von Sympathie und Verständnis - das zu beschreiben gelingt der Autorin, ohne kitschig zu werden.

Die Autorin:

Frau sitzt mit Zeitung am Tisch
Gisela Albrecht Bild © Verlag

Gisela Albrecht, Jahrgang 1955, ist gebürtige Frankfurterin und wohnt seit 1981 in Waldeck. Von Beruf ist sie Lehrerin. Sie selbst liest in den Ferien gerne regionale Krimis aus dem Urlaubsort. So entstand die Idee, auch einmal ein Buch über die Ferienregion Waldeck zu verfassen. "Die Zukunft liegt hinter uns" ist deshalb genau ein Fall für Menschen, die ihre Zeit im Urlaub so verbringen wollen wie die Autorin.