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Audioseite "Ein emotionaler Schaden" - gefälschte Documenta-Einladungen verschickt

Fridericianum Kassel  von außen

Über eine Einladung zur documenta-Ausstellung in Kassel würde sich wohl jeder Künstler freuen. Einige erhielten in den letzten Wochen eine per E-Mail, doch leider keine echte.

2022 ist wieder documenta-Jahr in Kassel: Vom 18. Juni bis 25. September verwandelt sich die Stadt in einen der wichtigsten Schauplätze für zeitgenössische Kunst.

Längst schon laufen die Vorbereitungen für, geleitet wird die nächste Kunstschau, die "documenta fifteen" (documenta 15), vom indonesischen Künsterkollektiv "ruangrupa" - es organisiert das interaktive Konzept unter dem Titel "Lumbung".

Unter ihren Namen werden derzeit gefälschte Einladungen zur Kunstschau versandt. 33 solcher Mails seien nach bisherigem Stand an internationale Künstler, Kuratoren und Museumsdirektoren auf der ganzen Welt verschickt worden, sagte documenta-Sprecherin Johanna Köhler am Dienstag.

Bei manchen Künstlern war die Enttäuschung groß

Einige von ihnen hätten sich daraufhin gemeldet - und der Schwindel sei aufgefallen. "Viele Betroffene hatten bereits gemerkt, dass die Mail ein Fake ist", berichtete Köhler. Den ersten Hinweis auf eine gefälschte Mail habe die documenta bereits vor knapp zwei Wochen erhalten.

Bei einigen jedoch sei die Enttäuschung groß gewesen. "Insbesondere manche Künstler und Künstlerinnen hatten auch kurz geglaubt, dass vielleicht ein Traum wahr geworden ist, und wollten sichergehen, ob dem auch wirklich so ist", sagte Köhler. "Das ist dann natürlich sehr tragisch." In den gefälschten E-Mails sei auch teils oberflächlicher Bezug zum persönlichen Schaffen der Künstler genommen worden.

Absender unbekannt

Wer hinter der Aktion steckt, ist nicht bekannt. "Über den Absender können wir bisher nur mutmaßen", sagte die Sprecherin. Der Absender habe ein Verschlüsselungsprogramm benutzt. Es sei aber mittlerweile mit Hilfe von Experten gelungen, den Account, von dem Schreiben versendet wurden, sperren zu lassen.

Durch die E-Mails entstehe vor allem ein emotionaler Schaden, sagte Köhler. Ob derzeit parallel bereits echte Einladungen an Künstler, Kuratoren und Museumdirektoren verschickt werden, wollte die Sprecherin nicht beantworten. Die documenta bittet Empfänger verdächtiger E-Mails, sich zu melden.

Sendung: hr-iNFO, 24.11.2020, 14 Uhr