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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie Künstler sich in der Krise neu erfinden

Drei fotografische Portraits (von links nach rechts): Nicola Vock, zwei Violinisten des Chamisso-Festivals und Pascal Heß.

Vielen Kulturschaffenden hat die Corona-Krise ihre Lebensgrundlage entzogen. Einige von ihnen haben es geschafft, sich neu zu erfinden - und Ideen entwickelt, die die Pandemie überdauern sollen. Drei hessische Beispiele.

Kammerphilharmonie-Geschäfsführerin Nicola Vock erfindet den "Musiklieferdienst"

Eine Frau mit ihrem Bass in einem Garten

Mit dem ersten Lockdown werden alle 26 Musiker der Frankfurter Kammerphilharmonie sofort arbeitslos. Geschäftsführerin Nicola Vock sucht nach Möglichkeiten, weiter Geld zu verdienen und organisiert mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf Spendenbasis Straßenkonzerte an ausgewählten Orten in Frankfurt.

Als es zu kalt ist, um draußen zu spielen, wird mehr oder weniger zufällig eine Alternatividee geboren: "Wir wurden gefragt, ob wir vielleicht auch mal in Treppenhäusern spielen könnten", erinnert sich Nicola Vock. Sie ist sofort begeistert und baut eine Webseite für einen "Musiklieferdienst". Jede Musikliebhaberin und jeder Musikliebhaber kann das Ensemble darüber online zu sich nach Hause bestellen. "Der Wendepunkt für unser Ensemble", so Vock. "Ich kann mir vorstellen, dass das grundlegend verändert, wie wir in Zukunft arbeiten." Vielleicht gibt es den Musiklieferdienst also auch nach der Pandemie.

Kunsthistoriker Pascal Heß erobert die Museen dieser Welt

Kunsthistoriker Pascal Heß steht vor einem Gemälde mit der Aufschrift "I want to break free". Um ihn herum stehen Zuhörer.

Als dem Kunsthistoriker Pascal Heß aus Frankfurt im März vergangenen Jahres alle Aufträge wegbrechen, verlagert er seine Arbeit ins Netz - und entwickelt eine Idee: Er veranstaltet virtuelle Museumsbesuche zu einem monothematischen Aspekt, zum Beispiel über Einhörner in der Kunst. "Ich bin in der Lage, Werke aus dem Metropolitan Museum in New York neben Werken aus dem Musée Cluny in Paris zu zeigen", erklärt der Kunsthistoriker.

Heß kann in die Werke hineinzoomen, Ausschnitte zeigen und den Teilnehmern Dinge zeigen, die analog verborgen blieben. Inzwischen hat er sogar Kunden aus Belgien und Kanada. Letztlich ist die Pandemie für Heß "ein Innovationsschub und eine Veränderung meines Blickes auf meine Arbeit", wie er es ausdrückt. Er hat ein neues Betätigungsfeld für sich gefunden - die Online-Führungen will er nämlich beibehalten.

Cellistin Anna-Lena Perenthaler organisiert ein Festival

Cellistin Anna-Lena Perenthaler

Ohne die Corona-Krise hätte Anna-Lena Perenthaler wohl nie begonnen, sich beruflich zu verändern. Nachdem die Cellistin im letzten Jahr ihre Stelle in einem Streichquartett verliert, arbeiten sie und ihr Mann Nikolai - Violinist und plötzlich ebenfalls ohne Einkommen - zur Überbrückung an einem Spargelstand im Frankfurter Stadtteil Dornbusch. Dabei üben sie auf ihren Instrumenten. Als Nachbarn darauf aufmerksam werden, ermuntern sie Anna-Lena, öfter zu spielen.

Sie beginnt, kleine Konzerte in der Nachbarschaft zu organisieren. Bald wird ihr der Chamissogarten in Eschersheim als Konzertort zur Verfügung gestellt. Jeden Sonntag bauen Perenthaler und ihr Mann dort Stühle und Tische auf, bieten Getränke an und spielen klassische Musik. Der Zuspruch ist groß, deshalb soll es auch nach dem Lockdown Musik im Chamissogarten geben. "Wir haben uns gedacht, wir machen ein Festival, das auch in Zukunft weitergehen kann", so Perenthaler. Sie schreibt ein ganzes Stück, entwickelt ein Bühnenprogramm und produziert das "Chamisso-Festival" - und wird damit innerhalb eines Jahres von der arbeitslosen Cellistin und Spargelverkäuferin zur Festivaldirektorin.

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Chamisso-Festival in Frankfurt-Eschersheim

Das Festival im Chamissogarten läuft noch bis zum 3. Juli. Die Konzerte stehen jeweils unter einem Motto, zum Beispiel "Nostalgie und Sehnsucht". Der Eintritt ist frei.

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