Lichtkunst im Hessenpark - Fachwerkhaus mit Farbspielen

Wer glaubt, dass man für eine bunte Häuserfassade Farbeimer und Malerrolle braucht, kennt das Ehepaar Kulcsár noch nicht. Die Lichtkünstler beamen bunte Welten auf Wände und zeigen uns hessische Gebäude in einem ganz neuen Licht.

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Daniela und Pascal Kulcsár aus Glashütten (Hochtaunus) verpassen Häusern mit einem Fingerstreich ein neues Aussehen. Farbe und Pinsel brauchen sie für ihre Arbeit nicht. Das Künstlerpaar greift zu Beamer und App, die Gebäude werden zur kunterbunten Projektionsfläche. "Projection Mapping" heißt ihre Form der interaktiven Lichtkunst. "Das ist eine passgenaue Projektion. Das heißt, man kann mit Licht genaue Flächen nachzeichnen und sie dann leuchten lassen", erklärt Pascal Kulcsár.

Scheinbar bekannte Gebäude oder Landschaften werden dadurch in ein völlig neues Licht gerückt. Derzeit sorgt das Paar dafür, dass einige hessische Sehenswürdigkeiten mit anderen Augen betrachtet werden können - wie beispielsweise das Holzhausenschlösschen in Frankfurt. Das entpuppt sich als perfekter Ort für Lichtkunst. Durch die Wasserfläche entsteht durch die Spiegelung eine doppelt so große Projektionsfläche. "Ganz ohne Mehraufwand, das ist sehr praktisch", lacht Pascal Kulcsár.

Interaktion derzeit ausgebremst

Nach etwa 20 Minuten hat das Paar mit der eigens dafür entwickelten App das Gebäude abgepaust. Auf die gescannten Flächen werden Animationen gelegt. Gesteuert werden die Projektionen dann mit Fingerbewegungen auf einem Tablet. Die Steuerung ist so kinderleicht, dass Besucher bei Events normalerweise mitmachen und selbst zeichnen dürfen. "Aber jetzt geht das leider gerade nicht." Ein Satz, der im Jahr 2020 ziemlich häufig fällt.

Lichtkunst von Pascal und Daniela Kulcsárr. Gesteuert wird per App auf dem Smartphone.

Das Lichtkunstprojekt "Flashlines" des Künstlerpaares gibt es schon seit einigen Jahren. Es hat die Kulcsárs bereits in viele Länder geführt: Schweden, Norwegen, Frankreich, Italien - doch das war vor der Corona-Pandemie. Das Konzept in den Anfangsjahren beschreibt Daniela Kulcsár so: "Losfahren, sehen, machen - und bevor irgendwer was merkt, sind wir schon wieder weg." Die Projektionen hält das Paar auf Fotos fest und teilt sie in Galerien auf Facebook und Instagram.

Festsitzen im spanischen Lockdown

Wie bei vielen Künstlern, läuft auch für die Kulcsárs 2020 alles anders als geplant. Im Frühjahr 2020 wollen sich die beiden einen Traum verwirklichen - eine Lichtkunstreise über die kanarischen Inseln. Es soll die letzte große Auslandstour vor der Einschulung des ältesten Kindes werden und mehrere Monate dauern. Das Wohnmobil gut bepackt, geht es Richtung Süden. Was zu diesem Zeitpunkt niemand so richtig kommen sieht, ist Corona.

Lichtkunst Pascal und Daniela Kulcsár - beleuchtetes Wohnmobil

Kurz nach der Ankunft auf Teneriffa geht es für die Familie in den spanischen Lockdown und der ist deutlich härter als in Deutschland. Acht Wochen dürfen Haus und Grundstück nicht verlassen werden, außer zum Einkaufen. Campingplätze geschlossen, Wildcampen verboten - die Kulcsárs haben Glück und kommen bei einer befreundeten Familie unter.

Veranstaltungen reihenweise abgesagt

Nach der harten Lockdown-Zeit folgt sie dann doch, die ersehnte Tour über die Inseln, die zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich von Einheimischen bewohnt werden. Schlussendlich ist die Familie einen Monat länger unterwegs als geplant. In Deutschland brechen derweil die Aufträge weg. Veranstaltungen sind reihenweise abgesagt.

"Wir haben uns dann im Sommer auf verschiedene Künstler-Stipendien beworben", erklärt Pascal Kulcsár. Dass nun hessische Sehenswürdigkeiten in ein ganz neues, buntes Licht gerückt werden, ist Teil einer solchen coronabedingten Künstlerförderung des Landes Hessen.

Lichtkünstler Pascal und Daniela Kulcsár vor dem Holzhausenschlösschen in Frankfurt.

Der Hessenpark, das Holzhausenschlösschen und die Burgruine Königstein sind in den vergangenen Wochen schon mit "Flashlines" bespielt worden. Daniela Kulcsár hat sich dabei ganz neu in den Hessenpark verliebt. "Man hat im Prinzip eine ganze Stadt und es sind alles kleine Häuschen, die sind ideal für uns." Ihr Fazit: "Das war richtig cool."

Was allerdings schmerzlich fehlt, ist das Publikum, denn die Aktionen finden derzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich über die Fotos und Videos finden sie ihren Weg hinaus in die Welt. Doch das Künsterpaar schaut mit Zuversicht in die Zukunft. "Ich denke, das wird ein spannendes Jahr und mit unserer Lichtkunst können wir einen kleinen Teil dazu beitragen, positive Erlebnisse zu schaffen", hofft Pascal Kulcsár.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.01.2021, 19.30 Uhr