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Audioseite Kulturbetriebe vor 2G- oder 3G-Entscheidung: Nur mit 2G zur Party?

Junge Metal-Fans in blaues Licht getaucht bei einem Konzert.

2G oder 3G? Das ist die Frage, vor der hessische Veranstalter und Gastronomen jetzt stehen. Die Antwort darauf ist nicht so einfach und kann sich über Nacht ändern, wie das Beispiel des Wiesbadener Schlachthofs zeigt. 

Seit Donnerstag haben Gastronomen und Veranstalter die Möglichkeit, ihren Kulturbetrieb nicht mehr nach den 3G-Regeln, sondern unter 2G-Bedingungen weiterzuführen. Sie können sich also dafür entscheiden, ausschließlich Geimpfte und genesene Gäste reinzulassen. Die Entscheidung machen sie sich nicht leicht.

hessenschau.de hat mit mehreren hessischen Veranstaltern gesprochen. Am Beispiel des Schlachthofs Wiesbaden zeigt sich, dass die scheinbar einfache 2G-Regelung jedoch im Detail viel komplizierter ist, als es auf den ersten Blick scheint.  

Schalter von 3G auf 2G umzulegen ist nicht einfach

"Von heute auf morgen den Schalter umzulegen und unter 2G die Türen aufzumachen, ist für Kulturveranstalter unserer Größe kaum möglich", sagt Schlachthof-Sprecher Hendrik Seipel-Rotter. Konzerte beispielsweise, die lange im Vorlauf geplant wurden, seien bereits ins Jahr 2022 verlegt worden. Manche Veranstaltungen werden möglicherweise trotz 2G abgesagt oder noch verschoben. Internationale Künstlerinnen und Künstler können weiterhin nicht anreisen. Zudem müssten die Ticketverkäufe erst wieder eingerichtet und Personal wieder aufgebaut werden. Dies sind nur einige der Herausforderungen, die sich großen Veranstaltern stellten, sagt Seipel-Rotter.  

Manchmal muss man aber auch eine Nacht über eine solche Entscheidung und deren Konsequenzen schlafen. Am Donnerstagmorgen kommt bereits ein Update aus dem Wiesbadener Schlachthof: Man habe sich erneut beraten und nun dazu entschlossen, bei Inhouse-Veranstaltungen schnell auf 2G umzustellen. Das bedeutet: "Alle Gäste, die Karten besitzen für eine bereits gebuchte 3G-Veranstaltung, die nun in 2G stattfindet, haben die Möglichkeit, ihre Tickets zurückzugeben, und bekommen den Kaufpreis erstattet", erklärt Hendrik Seipel-Rotter. 

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„Nur bestuhlte Konzerte mit Tanzverbot - das kann es auf Dauer nicht sein.“ Hendrik Seipel-Rotter, Schlachthof Wiesbaden Hendrik Seipel-Rotter, Schlachthof Wiesbaden
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Die meisten der Schlachthof-Besucherinnen und -Besucher seien schon jetzt durchgeimpft. Das wisse man aus der Erfahrung mit den Picknick-Konzerten dieses Sommers und deshalb habe man jetzt auf das Gaspedal getreten. Aus Seipel-Rotters Sicht bietet das 2G-Konzept dem Schlachthof neue und bessere Möglichkeiten in der Veranstaltungsplanung. "Bei aller Liebe zu unseren guten Konzepten in 3G, aber nur bestuhlte Konzerte mit Tanzverbot - das kann es auf Dauer nicht sein." 

2G nur Übergangslösung

Auch die 2G-Option sehe man nur als Übergangslösung: "Wir wollen wieder mit allen zusammen feiern. Solange das aber nicht geht, ist 2G für uns das bestmögliche Modell. Deshalb wünschen wir uns PCR-Tests für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, und fordern alle, die sich impfen lassen können auf, das auch zu tun, damit wir wieder gemeinsam feiern können."

Die neue Regelung gelte erst einmal bis einschließlich November. Weiter könne momentan kein Veranstalter in die Zukunft sehen, so Hendrik Seipel-Rotter. Zudem sei man im Schlachthof seit eineinhalb Jahren in Kurzarbeit. Von den geringfügig Beschäftigten musste man sich im März 2020 ganz trennen. "Es freut uns sehr, dass wir nun wieder loslegen können. Dafür suchen wir nun auch wieder Personal." 

Die Käs macht erstmal mit 3G weiter

Ortswechsel nach Frankfurt. Mustafa Pekdemir von der Käs hat momentan einige Veranstaltungen vor sich und geht erst einmal auf Nummer sicher: "Wir machen momentan noch mit 3G weiter."

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„Wir werden jetzt nicht am Einlass alles spontan ändern.“ Mustafa Pekdemir, Käs Frankfurt Mustafa Pekdemir, Käs Frankfurt
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Darauf habe man sich jetzt vorbereitet und man könne nicht alles sofort umschmeißen. "Bereits im Vorfeld haben wir von unseren Besucherinnen 3G abgefragt und werden jetzt nicht spontan am Einlass alles ändern."

Fabrik Frankfurt wechselt zu 2G

Seine Kollegin Karin Wagner, künstlerische Leiterin der Fabrik Frankfurt, will bis spätestens Ende September das 2G-Modell einführen. Die meisten Fabrik-Gäste seien ohnehin geimpft, das kündigten sie oft vor dem Besuch schon an. "Deshalb können wir umstellen. Wir finden, es ist eine gute Lösung, sie bietet mehr Sicherheit für unsere Gäste."

Auch die Fabrik werde momentan nicht überlaufen, im Zweifel könne man auch den Abstand immer gut einhalten. Das Angebot der Fabrik sei groß und müsse differenziert betrachtet werden. Von Konzerten bis zur Gastronomie und den Discoveranstaltungen an Wochenenden - man könne nicht alles über einen Kamm scheren. Die kleinen Clubs, so Wagner, täten ihr leid. Insbesondere enge, kleine Kellerclubs hätten es besonders schwer, vor allem sie sollten von 2G profitieren, denn: "Man muss wieder zu einem normalen Leben kommen können."

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