Black History Month

Jedes Jahr im Februar feiern Schwarze Communities den Black History Month. Es geht um die Forderung nach Sichtbarkeit in allen Bereichen der Gesellschaft. Auch in der Weißen Kulturlandschaft - zum Beispiel im Theater oder Ballett.

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Audioseite In der Kulturlandschaft fehlt es an Schwarzen Stimmen

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Haben Sie schon mal eine Schwarze Tänzerin in der Hauptrolle eines klassischen Balletts gesehen? Ein Schwarzes Dornröschen zum Beispiel oder eine Schwarze Klara im Nussknacker? Warum eigentlich nicht? "Diese Frage stelle ich mir immer wieder", sagt Marcos Novais nachdenklich. "Ich habe noch nie mit einer Schwarzen Tänzerin in Deutschland zusammengearbeitet."

Seit 2019 gehört der 28-Jährige zum festen Ensemble des Hessischen Staatsballetts - als einziger Schwarzer Tänzer der Company. Davor war er vier Jahre am Staatstheater Augsburg, auch dort als einziger Schwarzer Tänzer.

Initiative für mehr Sichtbarkeit

Seit Jahrzehnten schon ist der Februar für die Schwarzen Communities ein besonderer: Weltweit wird in diesem Monat der Black History Month gefeiert. Er fand seinen Ursprung 1926 in den USA und ist seit Anfang der 1990er Jahre auch in Deutschland präsent. Für Novais ist er wichtig, "um zu zeigen, dass wir da sind, dass wir kämpfen. Wir wollen nicht nur akzeptiert werden, wir wollen respektiert werden."

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Weil es kein Attribut ist, das auf die Hautfarbe zielt, sondern eine konstruierte politische Zuordnung, schreiben wir die Bezeichnungen "Schwarz" und "Weiß" in diesem Artikel groß. Schwarzsein ist in diesem Kontext verbunden mit einer gemeinsamen Rassismuserfahrung und bedeutet keine Zuordnung zu einer ethnischen Gruppe.

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Beim Black History Month geht es um Sichtbarkeit. Um Empowerment. Um die Würdigung Schwarzer Menschen, Schwarzer Errungenschaften und Schwarzer Geschichte. Er gibt starken Schwarzen Stimmen Raum. Denn es fehlt an Repräsentation, auch in der Kulturlandschaft, die dringend diverser werden muss. Wie zum Beispiel im Tanz.

In den Weißen Strukturen überleben

Die Frankfurter Choreographin Joana Tischkau.

"Die Institutionen der Hochkultur wie Theater oder Ballett sind noch extrem Weiß", sagt Joana Tischkau. Die Frankfurter Choreografin und Perfomance-Künstlerin ist eines der Gründungsmitglieder des "Deutschen Museums für Schwarze Unterhaltung und Black Music", einem Archiv Schwarzer deutscher Künstlerinnen und Künstler sowie Personen des öffentlichen Lebens.

Im Rahmen des Black History Month bespielt Tischkau im Februar die Social Media Kanäle der "Tanzplattform Rhein-Main" und spricht jeden Sonntag live mit einem anderen Schwarzen Gast aus der Tanz-Szene. So auch mit Marcos Novais vom Hessischen Staatsballett. "Mir geht es bei den Gesprächen nicht darum, Weiße Menschen aufzuklären oder auf Rassismuserfahrungen einzugehen. Ich will einen Austausch mit anderen Nicht-Weißen Menschen darüber haben, wie man in diesen Weißen Strukturen überlebt", sagt Tischkau.

"Die Tanzwelt belügt sich selbst"

Doch woran liegt es, dass die deutsche Tanzlandschaft noch immer so Weiß ist? Tischkau überlegt nicht lange: Zum einen sei die Tanzausbildung sehr akademisiert und auch kostspielig, was viele Menschen direkt ausschließe. Aber es fehle auch an Repräsentanz: "Es müssten konkret migrantisierte Menschen angesprochen werden, um ihnen zu zeigen, dass sie in dem Bereich auch einen Platz haben."

Denn auch wenn manche Dance Companies auf den ersten Blick divers aussehen würden, zeige sich, dass es sich um keine deutschen Tänzerinnen und Tänzer mit Migrationsgeschichte handele. Die Companies hätten meist einfach ein internationales Ensemble. "Die Tanzwelt belügt sich selbst", findet Tischkau.

Der Black History Month ist ein wichtiges Ereignis für Schwarze Menschen. Doch es ist keine exklusive Schwarze Veranstaltung. Auch Weiße Menschen sollten sich angesprochen fühlen, zuhören, lernen und sich selbst hinterfragen - sodass der Black History Month irgendwann zu einem dauerhaften Zustand wird.

Sendung: hr2, 12.02.2021, 16 Uhr