Prim Game Computerspielpreis

Bezauberndes Design, emotionale Geschichte: Das Spiel "Prim" des Langener Lehrers Jonas Fisch könnte einen Deutschen Computerspielpreis gewinnen. Entwickelt hat er es mit einem internationalen Team.

So schnell kann es gehen: Eigentlich ist die Entwicklung von Videospielen für Jonas Fisch aus Langen (Kreis Offenbach) nur ein Hobby, "wenn auch ein sehr schönes", wie er sagt. Seit 2016 nimmt der Lehrer für Englisch und Philosophie an so genannten Game Jams teil, also Online- oder Offlinetreffen von Spieleentwicklern. Ziel der Jams ist es, gemeinsam innerhalb einer kurzen Zeit von bis zu zwei Wochen ein Spiel zu planen, zu designen und zu entwickeln.

Vier Spiele hat der 33-Jährige so mit seinem internationalen Team geschaffen. Vom vierten existiert bislang nur ein Prototyp. Für den ist Fisch aber jetzt beim Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie "Bester Prototyp" nominiert, so dass er zum ersten Mal mit einem Budget planen kann.

20.000 Euro erhält jeder Nominierte in dieser Kategorie als Förderung. Der Gewinner, der am 27. April online gekürt wird, kann 35.000 Euro Preisgeld einstreichen.

Auch der Tod ist ein besorgter Vater

"Prim" heißt das Spiel, das Fisch und sein Team in den nächsten zwei bis drei Jahren fertigstellen wollen. Es ist ein so genanntes Point-and-click-Adventure, bei dem Kombinationsgabe und der Spaß an Rätseln gefragt sind.

Prim Game Computerspielpreis

Der Inhalt: Prim ist die Tochter des Totengottes Thanatos. Und der ist - wie die meisten Väter - durchaus besorgt, wenn es um seine Tochter geht. So besorgt, dass er sie im Reich der Toten quasi eingesperrt hat. Das pubertierende Töchterchen will aber die Welt der Lebenden entdecken.

Immer wieder träumt sie von einem Menschenjungen, der ihre Hilfe braucht. Und auch wenn sie die Tochter des Todes ist, so hat sie doch ein gutes Herz. Sie will ausbrechen, was zu allerlei emotionaler Verwirrung auch bei Gevatter Tod führt.

Seit neun Monaten selbst Vater

"Die Idee zu dem Spiel geistert mir seit zwei Jahren im Kopf herum", erzählt Fisch. "Das Spiel handelt von Vatergefühlen und vom Flüggewerden." Inspiriert ist es von den Figuren des Hollywoodregisseurs Tim Burton und der Autoren Terry Pratchett und Neil Gaiman. Irgendwie sei es prophetisch gewesen, sagt Fisch, der seit neun Monaten eine kleine Tochter hat.

Lehrer Jonas Fisch aus Langen, der mit einem Spiel für den Deutschen Computerspielpreis nominiert ist

Er selbst spielt seit seiner Kindheit: "Ich bin mit Super Mario aufgewachsen", erzählt er, "habe mich aber relativ schnell für die Art von Spielen interessiert, die ich jetzt selbst mache." An das erste kann er sich noch gut erinnern: "Day of the Tentacle" oder "Der Tag des Tentakels" hieß es und war noch auf eine CD-ROM gebrannt. "Seitdem bin ich dem Genre verfallen."

Immer professioneller geworden

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Vor vier Jahren dann kam der Wunsch auf, selbst Spiele zu schaffen und mit ihnen kleine Geschichten zu erzählen: "Ich liebe Geschichten", sagt Fisch. Da er nicht programmieren kann, besorgte er sich ein gut verständliches Programm, eine so genannte Engine, und wälzte Bücher über Spieledesign.

"In den Game Jams habe ich dann Leute kennengelernt, die das können, was ich nicht kann", erzählt er, "Animation zum Beispiel." Gleich beim ersten Jam habe er den zweiten Platz von 157 Einreichungen gemacht, freut er sich noch heute. Seitdem habe er ein Netzwerk aufgebaut und sei immer professioneller geworden.

So lernte er auch das internationale Team kennen, mit dem er jetzt "Prim" entwickelt. Common Colours oder CMMN CLRS nennt es sich, arbeitet trotz allem aber weiter nebenberuflich.

Crowdfunding-Kampagne geplant

Wegen der Corona-Krise unterrichtet Fisch seine Gymnasialschüler gerade digital, erzählt er. Womöglich hat er dabei weniger Probleme als so mancher Kollege. "Ich bin es gewöhnt, Workflows online zu koordinieren", sagt er.

Die Nominierung beim Deutschen Computerspielpreis ehre das Team sehr, sagt Fisch. Dank der 20.000 Euro kann er jetzt einen genauen Produktionsplan aufstellen. Reichen wird das Geld aber nicht, um das Spiel fertigzustellen. Gemessen an den üblichen Entwicklungsbudgets ist es klein. Deswegen plant das Team für den Herbst noch eine Crowdfunding-Kampagne.

Damit hat Fisch schon gute Erfahrungen gemacht, denn er hat ein weiteres "sehr schönes Hobby": Er ist Sänger einer Band, die über Crowdfunding ein Album produzierte. Auch hier war er übrigens ziemlich erfolgreich: 2018 war er hessischer Rock- und Pop-Preisträger.

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Hessische Nominierte

CMMN CLRS sind: Oskar Alvarado, Bryan Atkinson, Jonas Fisch, Florian Genal, Michael Kenny, Maria Pendolino, Sascha Schneider.

Weitere Nominierte aus Hessen sind Deck13 in der Kategorie "Bestes Studio". Für sein Spiel "The Surge 2" ist Deck13 außerdem in der Kategorie "Bestes Gamedesign" nominiert. Das Spiel "Song of Bloom" des Riedstädter Entwicklers Kamibox tritt in der Kategorie "Bestes Mobiles Spiel" an, in dieser Kategorie ist auch der Darmstädter Entwickler Rokaplay für das Game "Stranded Sails" nominiert.

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