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Audioseite Leica eröffnet interaktives Foto-Erlebnismuseum

Ein dunkler Raum mit Glühbirnen und einem Tisch mit Displays

Klick-Geräusche-Memory und Windmaschinen-Station: Im neu gestalteten Ernst Leitz Museum am Leica-Firmensitz in Wetzlar ist eine interaktive Hochglanz-Erlebniswelt für Fotofreunde entstanden. Auch eine der teursten Kameras der Welt zu sehen.

Ein dunkler Raum mit einem langen Arbeitstisch, auf mehreren Displays in einer Reihe wabert eine rot leuchtende virtuelle Flüssigkeit. Der Geruch von Chemikalien fehlt, aber trotzdem ist klar: Wir befinden uns in einer Dunkelkammer. Wie im Labor aus einem belichteten Film ein Papierabzug entsteht, diesen Vorgang kann man hier nachmachen, zumindest virtuell.

Auf einem Bildschirm wird erst das Papier im Hoch- oder Querformat positioniert, danach wird ausgewählt, wie lange das Negativ belichtet werden soll. Per Fingerwisch wandert das Bild dann von einem Tauch-Bad ins nächste und nach mehreren Arbeitsschritten entsteht schließlich ein kontrastreiches Schwarzweißfoto. Das kann man sich über eine App speichern und am Ende sogar ausdrucken lassen.

Fotografie erfahrbar machen

Verschiedene Kubusse, in denen weiße Strukturen und Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen sind

Linse, Blende, Belichtungszeit – wer früher ordentliche Bilder machen wollte, musste sich auskennen mit der Technik dahinter. Heute entstehen die meisten Fotos im vollautomatisierten Handymodus, viele Fotografen verlassen die Displayansicht nie. Doch die Begeisterung für Hochglanz-Fotografie und professionell gestaltete Bilder ist auch im Social-Media-Zeitalter ungebrochen.

Der Wetzlarer Kamerahersteller Leica möchte Teil dieser modernen Bildwelt bleiben und hat deshalb sein 2018 eröffnetes Firmenmuseum komplett umgebaut: von einer Galerie zu einer Erlebniswelt. Fotografie soll mit allen Sinnen erfahrbar, Analoges und Digitales miteinander verbunden werden. Besucherinnen und Besucher können sich interaktiv mit Fotografie auseinandersetzen: mit der Technik dahinter, der Gestaltung und Ästhetik, aber auch mit der Geschichte.

Klick-Geräusche-Memory und Windmaschinen-Station

Auf rund 600 Quadratmetern elegant gestalteter Ausstellungsfläche in Schwarz-, Weiß- und Goldtönen sind verschiedene Stationen entstanden. Neben der virtuellen Dunkelkammer gibt es etwa ein Memory mit Kamera-Klick-Geräuschen, an einer Windmaschine können Besucherinnen experimentieren und sich mit fliegenden Haaren ablichten.

Daneben gibt es ganz praktische Erklärungen zu den Grundregeln der Fotografie: Wo verlaufen Linien? Was ist der Goldene Schnitt? Wie sind eigentlich die bis heute gängigen Formate entstanden? Immer wieder geht es auch um Optik und Wahrnehmung. Ein weißer Raum mit unterschiedlichen Oberflächen und wechselnder Beleuchtung soll etwa zeigen, wie unterschiedlich Weißtöne wirken können.

Ganz große Leica-Show

Eine Wand mit verschiedenen Vitrinen mit Schriftstücken, Bildern und historischen Kameras

Neben vielen technischen Experimenten und optischen Spielereien sollten Besucher sich auch darauf einstellen: Das firmeneigene Privatmuseum ist natürlich auch ganz große Leica-Show, bei der auch die Unternehmensgeschichte mit ihren Urvätern, Erfindungen und Kultmodellen ausgiebig dargestellt wird. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder sie: die Leica, Mutter aller Kompaktkameras, made in Mittelhessen seit über 100 Jahren. Niemand sollte also erwarten, hier auch Produkte anderer Hersteller zu finden.

Bis Ende des Jahres wird im Museum noch ein besonders seltenes Exponat gezeigt: eine der teuersten Kameras der Welt. Es handelt sich um eine der ersten Kompaktkameras überhaupt aus der sogenannten 0-Serie. Sie stammt aus einer privaten Sammlung. Damit soll Leica-Konstrukteur Oskar Barnack in den 1920er Jahren sogar selbst fotografiert haben. Von der 0-Serie sind nach Firmenangaben nur noch rund ein Dutzend Kameras erhalten. Zuletzt wurde 2018 ein Exemplar für die Rekordsumme von 2,4 Millionen Euro versteigert.

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Leica-Galerie

Die erste Leica-Galerie wurde 1976 in Wetzlar eröffnet. Inzwischen gibt es 26 Galerien auf der ganzen Welt, in denen Fotostrecken international renommierter Fotografen gezeigt werden. Auch in Zukunft soll es in Wetzlar auf einer Etage weiter klassische Hochglanz-Ausstellungen geben. Bis zum 24. Oktober wurde die Ausstellung des Magnum-Fotografen Steve McCurry verlängert.

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Bernhard Kehrer hat mit seiner Agentur Studio KLV bereits mehrere interaktive Museen und Ausstellungen konzipiert, zum Beispiel für das Brüder-Grimm-Kulturzentrum in Hanau. Für ihn sei bei diesem Projekt besonders die Symbiose von Technik und Fotografie spannend gewesen. "Die Technik ist da, aber sie verschwindet auch wieder", erklärt Kehrer. "Die Besucher bekommen hier deshalb nicht nur tolle Technik präsentiert, sondern eine Einladung, die Welt auf spielerische Art und Weise Welt neu zu entdecken."

Angebote auch für die Generation Handyfoto

Fotoprints, die in einer Gallerie hängen

Leica-Art Direktorin Karin Rehn-Kaufmann ist überzeugt, dass der Firmensitz in Wetzlar ein guter Standort für das Museum ist und sowohl internationales Fachpublikum als auch Menschen aus der Region anziehen wird: "Das Museum richtet sich nicht nur an Leica-Freaks, die die Technik bis ins kleinste Detail sehen wollen, sondern auch an junge Menschen, die hier mit ihren Handys selbst Sachen ausprobieren können." Auch für Kinder und Schulklassen soll es in Zukunft Angebote geben. "Wir sind gerade dabei, da ein Konzept zu erstellen und Kontakte aufzubauen."

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