Dževad Karahasan

Der mit 50.000 Euro dotierte Goethepreis der Stadt Frankfurt geht in diesem Jahr an den bosnischen Autoren Dževad Karahasan. Er sei ein wichtiger Vermittler zwischen Islam und Christentum.

Er hat Romane, Dramen, Essays und theoretische Schriften verfasst: Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan ist Goethepreisträger der Stadt Frankfurt des Jahre 2020. Wie die Stadt am Donnerstag mitteilte, werde Karahasan für ein Werk ausgezeichnet, "das sich der Vermittlung zwischen Ost und West, zwischen Islam und Christentum verschrieben hat".

"In Zeiten eines wachsenden Nationalismus auch in Europa steht der diesjährige Preisträger Dževad Karahasan für das dauerhafte Überwinden von Grenzen, seien sie politisch oder kulturell", begrüßte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Wahl der Preisjury. "Den bosnischen Schriftsteller mit dem Goethepreis des Jahres 2020 auszuzeichnen, ist ein Bekenntnis unserer Heimatstadt Frankfurt zu Toleranz und Verständigung."

Karahasan sei ein großer europäischer Schriftsteller, ergänzte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). "Als Kind muslimischer Eltern geboren, weiß er um die Fragilität des Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen und Kulturen." Karahasan sei "als literarischer Brückenbauer für das geistige Klima Europas unverzichtbar." Dabei sei Goethe "ihm ein künstlerischer Leitstern, dem er immer wieder seine literarische Reverenz erweist".

Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet

Karahasan wurde 1953 in Duvno im damaligen Jugoslawien geboren, studierte Literatur- und Theaterwissenschaft in Sarajevo, promovierte in Zagreb und lehrte von 1986 bis 1993 Dramaturgie und Dramengeschichte an der Akademie für szenische Künste in Sarajevo. 1993 floh Karahasan aus der umkämpften Stadt, die eine zentrale Rolle in seinen Schriften spielt. Er arbeitete als Dozent für Dramaturgie und dramatisches Schreiben an verschiedenen europäischen Universitäten sowie als Dramaturg und Dramatiker.

Die Belagerung Sarajevos ist Thema seines in zehn Sprachen übersetzten "Tagebuchs der Aussiedlung" (1993) und seiner beiden Romane "Schahrijârs Ring" (1997) und "Sara und Serafina" (2000). Zu weiteren wichtigen Werken zählen "Das Buch der Gärten. Grenzgänge zwischen Islam und Christentum" (2002), "Der nächtliche Rat" (2006), "Der Trost des Nachthimmels. Roman in drei Teilen" (2016) und 2019 der Erzählungsband "Ein Haus für die Müden". Mit seinem Werk "Der östliche Diwan" (1993) nahm er Bezug auf Goethes "Diwan".

Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Preisen, unter anderem dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (1995), dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (2004), 2012 mit der Goethe-Medaille des Goethe-Institutes und 2019 mit dem Jeanette Schocken-Preis ausgezeichnet. Karahasan lebt mit seiner Frau in Sarajevo und in Graz.

Preis alle drei Jahre

Der Goethepreis wird alle drei Jahre am Geburtstag Johann Wolfgang Goethes, dem 28. August an eine Persönlichkeit verliehen, "die durch ihr Schaffen bereits zur Geltung gelangt und deren schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig ist". Er ist mit 50.000 Euro dotiert.

Neuere Preisträger waren unter anderem Amos Oz (2005), Pina Bausch (2008), und zuletzt Ariane Mnouchkine (2017). Frühere Preisträger waren unter anderem Sigmund Freud (1930), Hermann Hesse (1946) und Thomas Mann (1949). Erster Goethepreisträger war im Jahr 1927 Stefan George.

Im Kuratorium sitzen unter anderem der Frankfurter Oberbürgermeister, der Stadtverordnetenvorsteher, die Kulturdezernentin, die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst sowie die Präsidentin der Goethe-Universität.