Cineplex Marburg

Die Situation der hessischen Kinos wird immer kritischer. Selbst den großen Ketten geht es schlecht. Ein Grund: Die Hilfen fallen wohl kleiner aus als erwartet.

Als Kino Mitglied eines Verbundes wie der Darmstädter Kinopolis-Gruppe zu sein, bedeutet in Corona-Zeiten keine Sicherheit: Mit dem traditionsreichen Rex in Wetzlar steht ein erstes Kino dieser Kette vor dem Aus. Es wird nach dem zweiten Lockdown nicht wieder öffnen, wohl auch nicht, wie ursprünglich angedacht, an einem neuen Standort.

In Marburg macht sich Marion Closmann zunehmend Sorgen. Sie betreibt in vierter Generation das Cineplex mit sieben Sälen, dazu das Filmkunsttheater Capitol – beide Häuser sind Teil eines Verbundes. In normalen Zeiten wären die beiden letzten Dezemberwochen die besucherstärksten des Jahres. In diesem Jahr: leere Sitze und leere Leinwände.

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Dabei häufen die Häuser jeden Tag Kosten an, unter anderem für Miete und Personal, obwohl Closmann von 111 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf 40 reduziert hat. Dazu kommen Versicherungen, Wartungsverträge für die Technik, darunter Computeranlagen für die Projektion und das Ticketing. Alles Dinge, die Closmann nicht eben so kündigen kann.

Nachteile für Kino-Verbünde

Kosten wie diese treiben Kinobetreiber momentan in die Verzweiflung, vor allem weil sie nicht wissen, wie sie nach dem Winter dastehen. Closmann lebt aktuell von dem, was ihre Familie zurückgelegt hat. Doch die Ersparnisse schmelzen allmählich weg.

Closmann erlebt dabei große Nachteile für Kinos, die im Verbund organisiert sind. So könnten die Betreiber Hilfen zum Beispiel nur einmal abrufen, auch wenn sie mehrere Kinos an verschiedenen Standorten hätten. Erschwerend komme hinzu, dass die Hilfen gedeckelt seien: Die Annahme von Fördergeldern dürfe eine bestimmte Summe nicht überschreiten, sonst kollidiere sie mit den EU-Förderrichtlinien.

So darf Closmann die eigentlich zugedachte Unterstützung für den Dezember voraussichtlich nur teilweise annehmen. Statt 75 Prozent der Vorjahresumsätze bekommt sie vermutlich nur 25 bis 50 Prozent erstattet - trotzdem ist sie dankbar für die Hilfen, wie sie betont.

Nach erstem Lockdown eingeschränkt

Das Film- und Kinobüro Hessen lobt die Förderung, bemängelt aber zugleich, dass sich bestimmte Förderungen gegenseitig ausschlössen oder gedeckelt seien. So spitze sich die wirtschaftliche Lage der Betriebe immer weiter zu. Zudem hätten die Kinos hätten in der Zeit nach dem ersten Lockdown bis zum November nur etwa 20 bis 25 Prozent ihrer Kapazitäten nutzen können. Und Blockbuster, die Besucher hätten locken können, waren Mangelware.

Vor diesem Hintergrund fordert Geschäftsführer Erwin Heberling, "dass Hessen sich dem 'bayrischen Fördermodell' anschließt und ab Januar Betriebskostenzuschüsse vergibt, die auch Unternehmerlöhne einbeziehen."

Die nach dem bayerische Modell vergebene Förderung kann außerdem jenseits von Beihilfegrenzen ausgezahlt werden und orientiert sich auch an der tatsächlichen Besucherzahl der Kinos. Damit würden größere Häuser wie das Cineplex Marburg mehr Geld bekommen.

Ministerin sieht Abstimmungsbedarf

Von Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) heißt es dazu, ihr Ministerium prüfe die verschiedenen Förderungen auf Lücken. Das bayerische Modell wolle sie sich anschauen, sagt Dorn in einem Interview mit hr-iNFO. Es gebe aber vor allem noch Abstimmungsbedarf mit dem Bund.

Marion Closmann hofft auf bessere Förderung, vor allem aber darauf, dass sie bald wieder öffnen kann. Ob noch weitere Häuser des bislang 17 Standorte umfassenden Kinopolis-Verbundes gefährdet sind, ist noch unklar. Geschäftsführer Gregory Theile fürchtet, wie bei anderen Förderungen "erneut hinten runter zu fallen".

Sendung: hr-iNFO, 11.12.2020, 20.35 Uhr