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zum Video Warum Skaterin Hanna sich selbst für einen Macho hält

Eine Kombination aus zwei Fotos: links ein Skateboard in Fahrt mit zwei Füßen, rechts das Portrait der Skaterin.

Kapuzenpullis, weite Hosen, das Basecap verkehrt herum auf dem Kopf und vor allem männlich - so stellt man sich den typischen Skater vor. Und tatsächlich wagen sich auch an Skater-Hotspots wie im Frankfurter Osthafen nicht viele junge Frauen aufs Skateboard. Woran liegt das?

Das Skateboard rast erst steil die Betonmauer nach oben, driftet nach rechts ab und fährt wellenförmig in einer Art Kessel die Wände entlang weiter. In der sogenannten Bowl im Frankfurter Skatepark am Osthafen bekommt Hanna ordentlich Geschwindigkeit drauf, steuert dann aber auf eine Art Rampe zu, bremst auf der Kante ab und für ein paar Sekunden balanciert das Board samt Skaterin gefährlich auf dem Grat, bevor sie umdreht und ausrollt.

"Frauen als Anhängsel"

Die Germanistik-Studentin Hanna ist oft die einzige Frau im Frankfurter Skatepark. "Es ist schon so, dass es wenige Mädchen gibt. Wir kennen uns dadurch alle und sind fast ein bisschen wie Verbündete", sagt sie. Dabei sei das Interesse am Skaten gerade jetzt in Corona-Zeiten eigentlich groß, auch bei jungen Frauen. Wenigstens anfangs: "Ich habe oft erlebt, dass Freundinnen mit mir dahin gegangen sind und sich dann vor Ort gar nicht wohlgefühlt haben".

Es ist nicht so, dass die männlichen Skater Frauen nicht auf der Bahn haben wollten, meint Hanna. "Ich hab den Eindruck, Mädels sind zwar schon gern gesehen im Skatepark, aber mehr als Anhängsel, das mal süß im Rock vorbeiskatet, ein paar Fotos macht und vor allem kommt, um die männlichen Skater zu bewundern. Und das ist eigentlich nicht, was die weibliche Skateszene sein möchte und wofür sie steht."

Wie Mathelernen mit Papa

Skaterin Franziska

Auch Skaterin Franziska aus Gießen kennt das Gefühl, als Sportlerin nicht richtig ernst genommen zu werden. Besonders selbsternannte 'Mentoren' oder Ratgeber findet sie anstrengend: "Wenn man einen Trick übt und dann sagt einer, der schon seit x Jahren Skateboard fährt: 'Ja, du musst einfach nur die Beine anziehen' - dann kriege ich das nicht gleich hin".

Die mitleidigen Blicke und die belehrende Haltung, das macht auch Hanna zu schaffen: "Skateboarden wird schnell mathematisch, wenn es darum geht, in was für einem Winkel man anfährt. Und wenn mir das ein männlicher Skater erklärt, dann ist das ein bisschen, wie wenn mein Vater mir früher Mathe erklärt hat. Man versteht nichts und wird ganz nervös und sagt, 'okay ich versteh's' - obwohl es nicht so ist".

"Girls day" hilft der Emanzipation auf dem Board

In der Skatelounge in Gießen, einer Indoor-Skate-Anlage, hat man auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse reagiert. Seit Jahren schon gibt es einen festen Tag in der Woche. Immer dienstags dürfen für drei Stunden nur weibliche Skateboarder an den Start. Außerdem gibt es auch spezielle Kurse nur für Mädchen.

Die 25-jährige Franziska ist durch diesen "Girls day" überhaupt erst zum Skaten gekommen und jetzt eine der Trainerinnen in der Gießener Skatelounge. Mädchen seien beim Skaten öfter mal verunsichert oder trauten sich nicht einen Trick zu machen, weil sie sich beobachtet fühlen. "Deswegen ist es cool, dass man sich als Mädel mal treffen kann und dann auch sieht, dass man auf dem gleichen Stand sein kann mit anderen Mädels. Das Unter-sich-sein ist so sinnvoll und es kommen seither auf jeden Fall mehr Mädels zu Besuch."

Unisex oder female fashion?

Sich von männlichen Skatern abzugrenzen könnte natürlich auch in anderen Bereichen sinnvoll sein. In der Mode zum Beispiel. Immer mehr Streetwear-Anbieter bieten mittlerweile nicht nur die üblichen Hoodies, Baggy Jeans und Motiv-Shirts an, sondern auch spezielle Mode für Skaterinnen. Das Wiesbadener Label Daughtersofskateboarding zum Beispiel hat sich ganz auf Mode für die weiblichen Brett-Fans spezialisiert.

Skaterin Hanna findet das völlig überflüssig: "Generell bin ich ein ganz großer Befürworter von Unisex-Mode. Und ich muss sagen, dass für mich Skatermode für Frauen schon immer nur Männermode mit einem Gürtel war."

Und auch die Franziska aus Gießen braucht keine Extrawurst beim Skate-Sport-Outfit: "Baggis und weite T-Shirts sind gut für den Sport, also unisex. Ich weiß jetzt nicht, warum man extra Mädels-Kleidung macht. Sexy müssen die Klamotten auch nicht sein, mir geht es um den Sport und ich will nicht angegafft werden. Egal ob von Männern oder Frauen".

Auch Frauen können "Macho" sein

Und Hanna aus Frankfurt hat mittlerweile sowieso herausgefunden, was das beste Mittel ist, um sich in der Skaterszene zu behaupten: "Es geht ja beim Skaten immer ein bisschen gegen die natürliche Physik, deshalb fühlt man sich wirklich cool, wenn man das schafft. Das tut viel fürs Selbstbewusstsein. Deswegen würde ich gar nicht abstreiten, dass Skateboard fahren auch die Frauen ein bisschen zum 'Macho' macht."