Emojis auf einem Smartphone

Küsschen, Grinse-Smiley, oder Herzchenaugen - in unserer digitalen Kommunikation sind Emojis nicht mehr wegzudenken. Mehr als 3.000 gibt es inzwischen. Wie haben sie unsere Kommunikation geprägt und sind sie überhaupt nützlich? Ein Gespräch.

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Christine Domke
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Emojis sind zwar klein, aber keineswegs unwichtig, sagt Christine Domke. Sie ist Professorin für die Theorie und Praxis sozialer Kommunikation an der Hochschule Fulda. Aktuell forscht sie zur "Gesellschaft im Lockdown" und zur Mediatisierung des Alltags.

Immer wieder befasst sie sich auch mit den kleinen Zeichen, die wir tagtäglich in unser Smartphone tippen. Dass die es ganz schön in sich haben und sogar gesellschaftliche Vielfalt voranbringen, erklärt sie im hessenschau.de-Interview.

hessenschau.de: Was machen Emojis genau mit unserer Kommunikation? 

Christine Domke: Emojis bereichern die Kommunikation. Sie visualisieren erstmal. Und sie verändern, verdeutlichen, heben hervor. Sie sorgen dafür, dass manches eindeutiger wird, zum Beispiel, wenn sie am Ende von Äußerungen wie ein Satzzeichen stehen und dadurch das vorher Geschriebene eindeutiger lesbar machen. Sie sorgen aber auch dafür, dass manches mehrdeutiger wird.

hessenschau.de: Stichwort Job, sind Emojis im beruflichen Kontext in Ordnung?

Domke: Fragt man nach der Angemessenheit, hat in einem Kündigungsschreiben etwa ein Emoji nichts verloren. Ansonsten ist es aber schwierig, das zu generalisieren. Emojis sind zunehmend in der beruflichen Kommunikation etabliert, auch dadurch, dass diese leidenschaftlich digital geführt wird. Das hat sich natürlich durch die Pandemie noch einmal verstärkt. Das zeigt uns, dass die Emojis akzeptiert sind und sich unsere Nutzungsgewohnheiten ändern.

hessenschau.de: Ist es dann umgekehrt unhöflich, keine Emojis zu verwenden?

Domke: Das würde ich so nicht sagen. Ich würde es positiv formulieren, dass die Existenz von Emojis vielleicht in bestimmten Kontexten bedeuten kann: Das ist aber ein besonders nettes Verhältnis oder ein bestimmter Arbeitston.

hessenschau.de: Halten Sie Emojis also für nützlich? Oder sorgen sie für mehr Verwirrung, beruflich und privat?

Domke: Angesichts der Häufigkeit bei der Verwendung von Emojis würde ich sagen, dass ihr Nutzen überwiegt. Klar gibt es Missverständnisse, wir haben inzwischen über 3.000 Emojis, da bleibt das nicht aus. Einige sind ziemlich eindeutig, bestimmte Haarfarben zum Beispiel. Anders ist es mit Gemütszuständen, die man mithilfe von Emojis vermitteln möchte. Da gibt es mittlerweile sehr, sehr viele. Und Gefühle darzustellen, ist überhaupt nie eindeutig. Insbesondere neue Emojis können zu Unklarheiten führen.

hessenschau.de: Haben Sie dafür ein Beispiel? 

Domke: Letztes Jahr zum Beispiel kam das Masken-Emoji neu hinzu. Das könnte heißen ,Ich trage eine Maske, ich bin solidarisch‘. Es kann aber auch etwas ganz anderes bedeuten. Und da kommt es, wie immer in der Kommunikation, auf den Kontext an: Wenn jemand kurz vor einer Verabredung so ein Emoji verschickt, will sie oder er vielleicht darauf hinweisen ,Bitte, lasst uns Maske tragen.‘ In einem anderen Kontext kann es eine ironische Kommentierung sein, oder vielleicht ,Oh Gott, jetzt müssen wir schon wieder Maske tragen!‘ heißen.

Und es gibt auch länderspezifische Präferenzen für Emojis. In Deutschland zum Beispiel und auch in vielen anderen Ländern ist natürlich das klassische Grinsegesicht, also der positive Smiley, relativ weit vorne. Übrigens auch positiv besetzte Smileys wie das Herz. Dann gibt es diese Kommentierung des lachenden Auges, das Humor ausdrücken soll.

hessenschau.de: Welches Emoji meinen Sie damit? 

Domke: Sehen Sie, damit sind wir wieder im Thema. Das ist in der Tat mehrdeutig. Ich meine dieses Emoji, das so eine Träne hat, aber keine Traurigkeit impliziert, sondern eher Fröhlichkeit, eine Freudenträne. Mir ist das tatsächlich auch schon oft passiert, dass ich das geschickt bekommen habe und es sollte etwas Trauriges heißen. Und andere meinen es aber eben humoristisch. Das muss man in der Kommunikation aushandeln. Gerade bei Personen, mit denen man nicht so oft schreibt, kommt das gar nicht so selten vor.  

hessenschau.de: Das heißt, es ist auch entscheidend, wer mir ein Emoji schickt? 

Domke: Definitiv. Viele Familien oder Paare haben für sich ausgewählte Emojis etabliert, die für sie eine ganz bestimmte Bedeutung haben, die andere nie darin gesehen hätten. Da mag es dann ein Symbol geben, eine Blume oder ein Pferd oder eine Eule, das dann für die Schreibenden immer dasselbe bedeutet. Wie ein Geheimzeichen. Und da ist die Auswahl natürlich bei mehr als 3.000 Bildern immens. 

hessenschau.de: Wie haben sich die Emojis seit ihrer Entstehung verändert? 

Domke: Ende der Neunziger wurden 60 oder 70 Emojis vorgestellt. Inzwischen gibt es weitaus mehr und sie sind deutlich ausdifferenzierter: Wir haben unterschiedliche Hautfarben, unterschiedliche Glaubensrichtungen, unterschiedliche Geschlechtszugehörigkeiten, Berufsfelder oder Familienkonstellationen.

Wir haben die Möglichkeit, mithilfe von Emojis unterschiedliche Alltagskulturen darzustellen - also unterschiedliches Essen, das zum Beispiel auch auf unterschiedliche Kulturen hinweisen kann. Wir haben so eine Bandbreite an sehr kleinen, feinen Zeichen, die, wenn man es sehr positiv formuliert, dazu beitragen können, gesellschaftliche Vielfalt abzubilden.

  • Weitere Informationen

    Emojis weltweit

  • Lachende Katzen, lustige Gesichter oder verliebte Paare - die Auswahl an Emojis ist riesig. Mehr als 3.000 gibt es inzwischen - einmal im Jahr kommen neue hinzu. Der Welt-Emoji-Tag ist ein inoffizieller Feiertag, der am 17. Juli gefeiert wird. Seit 2014 wird der Tag jährlich mit Emoji-Events und Produktveröffentlichungen begangen.
  • Vorschläge einreichen kann jeder Mensch und dann wird entschieden. Verantwortlich für neue Emojis ist das Unicode-Konsortium. In dem Gremium haben sich Microsoft, Apple und Co. zusammengeschlossen. Ursprünglich kommen Emojis aus Japan. Ende der Neunziger Jahre sind die ersten kleinen Bildchen vorgestellt worden. Vorgänger der Emojis waren die Emoticons, Gesichter aus Doppelpunkten und Klammern.
  • Ende der weiteren Informationen

    Das Interview führte Milena Pieper.

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