Lavasee
Der Blick in das Herz der Erde am brodelnden Lavasee Erta Ale in Äthiopien Bild © Adrian Rohnfelder

Adrian Rohnfelder ist Lava-Jäger. Der Bad Homburger ist zu den sieben höchsten Vulkanen der Kontinente gereist. Seine Fotos hat er in einem Buch veröffentlicht. Im Gespräch sagt er, warum die brodelnden Gipfel ihn so faszinieren.

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Adrian Rohnfelder ist ein Fotograf aus Bad Homburg und zu den sieben höchsten Vulkane der Kontinente gereist.

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Früher einmal hatte er einen gut bezahlten Job als Banker und Unternehmensberater. Doch den hängte Adrian Rohnfelder an den Nagel, um seiner Leidenschaft nachzugehen: den Vulkanen.

Rund 40 dieser dieser zum Teil feuerspeienden Berge hat der Bad Homburger schon bestiegen, die Kamera immer im Gepäck. In den vergangenen Jahren konzentrierte er sich auf die "Volcanic Seven Summits". Daraus ist nun ein Buch mit 100 Farbbildern entstanden.

hessenschau.de sprach mit dem Autoren.

hessenschau.de: Herr Rohnfelder, was fasziniert Sie an Vulkanen?

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Als "Volcanic Seven Summits“ werden die jeweils höchsten Vulkane der sieben Kontinente bezeichnet: Pico de Orizaba (Mexiko), Ojos del Salado (Chile), Mount Sidley (Antarktis), Elbrus (Kaukasus), Damawand (Iran), Klimandscharo (Kenia), Mount Giluwe (Papua-Neuguinea).

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Rohnfelder: Was mich am meisten fasziniert, ist die Ursprünglichkeit, die man an einem Vulkan merken kann. Vor Milliarden von Jahren sah unsere Erde genau so aus, bedeckt mit Feuer oder Vulkanen, die gespuckt haben. An den Vulkanen kommt man dem Ursprung und dem wahren Kern unserer Erde extrem nahe.

Buchcover Feuer speiender Vulkan
Bild © Adrian Rohnfelder / teNeues

hessenschau.de: Was ist das für ein Gefühl, oben auf den Vulkanen zu stehen?

Rohnfelder: Wenn es dort oben auf den Gipfeln wirklich brodelt, dann ist das einfach faszinierend. Auf dem Weg dorthin schimpft man immer wieder und denkt: wie kann ich nur so bescheuert sein. Aber dann blickt man in den Krater, in das Feuerwerk - das ist unbeschreiblich. Aber ich bin kein Bergsteiger, kein Gipfelsammler. Ich freue mich auch über die Aussicht. In dieser Höhe, dieses Blau des Himmels, diese saubere Luft, das ist das, was mich an der extremen Höhe fasziniert.

hessenschau.de: Wie haben Sie Ihre Leidenschaft entdeckt?

Rohnfelder: Das war 2005. In Peru, direkt hinter der Stadt Arequipa, liegt der El Misti mit seiner perfekten Kegelform. Ich sah den Berg und dachte, da willst drauf. Ich habe es tatsächlich geschafft, ich war auf dem 6.000 Meter hohen Vulkan. Die Naturgewalt, die Form, die Asche, das hat mich so angefixt, dass ich mich danach auf die Suche nach weiteren Vulkanen gemacht habe.

So war ich 2008 das erste Mal in Indonesien, mit richtigen, aktiven Vulkanen, mit Feuerwerk und so. Und seitdem bin ich quer über die ganze Erdkugel gereist, natürlich immer mit der Kamera. Wenn man schon da ist, macht man eben auch Fotos.

hessenschau.de: Aber Sie machen ja keine Touristenfotos. Wie kamen Sie zum Fotografieren?

Rohnfelder: Ich war schon als kleines Kind immer mit dem Fotoapparat unterwegs, es hat halt Spaß gemacht, das zu dokumentieren, zu fotografieren. Und gereist bin ich auch schon immer sehr gerne. Irgendwann hat sich meine Frau eine Spiegelreflexkamera gewünscht, ich habe sie ihr geschenkt, aber nur ich habe sie in den Händen gehabt. Und dann habe ich das Thema Vulkane für mich entdeckt.

Im Jahr 2013, nach einer Tour zur Vulkanregion von Kamtschatka im Osten Russlands - mit Schneesturm im Sommer und einem tollen Feuerwerk - dachte ich: bietest die Fotos halt mal an. Und da hat ein Outdoor-Magazin die Fotos veröffentlicht. Danach haben auch englische Magazine ein paar Fotos von mir veröffentlicht und das Fotoforum. Ich habe das so nebenbei vermarktet, auch den ersten Vortrag gemacht. Dann kam die nächste Veröffentlichung und der nächste Kontakt. Und so ging das weiter.

hessenschau.de: Den Aufstieg zum Mount Sidley in der Antarktis haben Sie körperlich entkräftet abbrechen müssen. Sie blieben im Basislager. Ihre Weggefährten gingen weiter. Wie war das für Sie?

Rohnfelder: Ich wusste, ich komme da alleine gar nicht wieder weg. Was, wenn die nicht wiederkommen? Dann sitzt man da schon ziemlich blöd in der Patsche. Für mich ist die Erfahrung, diesen Tag dort alleine verbracht zu haben, mit den ganzen psychischen Herausforderungen, deutlich mehr wert, als nach dem Aufstieg einfach einen "Haken" gemacht zu haben.

hessenschau.de: Drei der sieben Vulkane haben Sie wegen Schneesturm, Nebel und anderer klimatischer Widrigkeiten nicht wirklich erklommen. Werden Sie diese Touren noch einmal wiederholen?

Natürlich juckt es in den Fingern. Eine Tour in die Antarktis ist aber eigentlich nicht zu bezahlen. Wenn es mir jemand finanziert - vielleicht. Den Darmawand im Iran werde ich sicher noch mal machen, der ist technisch einfacher. Auch den Ojos del Salado in Chile, der fast 7.000 Meter hoch ist, würde ich gerne nochmal versuchen. Aber: Ich werde nicht sterben und denken, wie doof, das nicht gemacht zu haben.

Das Interview führte Nicole Bothof.