Jonathan Lutz, Stefan Thürck, Ines Hartmuth

Die harten Corona-Maßnahmen in der Kulturbranche beschäftigen auch viele junge Kulturschaffende, die noch in der Ausbildung sind. Mit welchen Gefühlen studieren sie in Zeiten wie diesen? Drei Beispiele.

Kein Schauspiel, keine Konzerte, keine Ausstellungen. Die Corona-Maßnahmen haben die Kunst- und Kulturbranche mit am härtesten getroffen. Das geht auch an Jonathan Lutz, Stefan Thürck und Ines Hartmuth nicht spurlos vorbei. Sie alle befinden sich noch im Studium oder in der Ausbildung: als Schauspieler, Künstler oder Trompeterin. Was beschäftigt die jungen Kulturschaffenden seither? Mit welchen kreativen Lösungen begegnen sie der Krise und was erwarten sie von der Zukunft?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kunst, Musik, Schauspiel - Studieren unter Coronabedingungen

Jonathan Lutz auf der Bühne
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Eigentlich hätte Jonathan Lutz diesen Monat sieben Mal auf der Bühne des Schauspiels Frankfurt stehen sollen - mit einer Rolle in dem Stück "Andorra". Doch seit dem Lockdown-Light beschränke sich der Alltag der Schauspiel-Studenten hauptsächlich auf Zoom-Konferenzen, erzählt er.

 "Normalerweise bin ich ständig unterwegs. Bei Proben in der Hochschule oder in Cafés, um dort zum Beispiel an Texten zu schreiben", erzählt der 23-Jährige. "Über den Computer sieht man zwar noch Gesichter, aber das Gefühl fehlt." Und das sei gerade für die Schauspielerei essenziell.

Trotzdem möchte er sich nicht zu viel beschweren. Immerhin hat er auch noch einige Stunden Präsenzunterricht in der Woche. "Ich genieße es sehr, dass ich die Chance habe, überhaupt was laufen zu haben." In der Branche, in der er in Zukunft Arbeit finden will, haben viele Profis derzeit gar nichts mehr zu tun.

Sich als Künstler in der Krise behaupten

Steckt auch eine Chance für ihn in dieser Krise? "Wie kann ich trotzdem Projekte machen, trotzdem spielen und in Kontakt mit meinem Gegenüber treten? Dafür neue Möglichkeiten zu finden ist faszinierend und auch irgendwie interessant", sagt der Jungschauspieler. Dabei sei die Tatsache, derzeit noch in der Ausbildung zu sein, ein großer Vorteil. "Ich bin in der Situation, lernen und ausprobieren zu können, wie man in einer Krise wie dieser als Künstler agiert." Finanziell sei er derzeit noch nicht von der Schauspielerei abhängig.

Stefan Thürck in seinem Atelier.

Ähnlich sieht das auch Stefan Thürck. Der 37-Jährige studiert Malerei an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach und ist gerade in der Diplomphase seines Studiums. Nächstes Jahr im März macht er seinen Abschluss. Auch sein Studienalltag habe sich seit Corona verändert.

"Ich war zum Beispiel an einer Ausstellung in Norwegen beteiligt, da hätte ich eigentlich hinfliegen sollen, aber die wurde dann wegen Corona verschoben." Kollegen, die die Kunst bereits hauptberuflich betreiben, hätten aber noch mit ganz anderen Einschränkungen zu kämpfen, schließlich müssten sie von ihrem Beruf leben.

 Wie funktioniert Kunst ohne Publikum?

Doch so weit weg ist dieses Thema auch für den HfG-Studenten nicht mehr. "Ich befinde mich schon in der Diplomphase und schreibe gerade meine Theorie und mache Vorarbeiten für meinen praktischen Teil." Dabei ginge es nicht nur um die Frage, was er mit seiner Kunst ausdrücken, sondern auch darum, wie er sie präsentieren will. "Benötigt es ein großes Publikum? Und wenn das in der Corona-Zeit nicht geht, muss man das neu bedenken und schauen, was da möglich ist", sagt der Student.

Besondere Zeiten, besondere Kunst

Trotzdem versucht auch Stefan Thürck, die Zeit um Corona irgendwie für sich zu nutzen. "Meine Kunst entsteht nicht im luftleeren Raum. Die entsteht durch äußere Einflüsse." Und davon gäbe es derzeit viele. Themen, die ihn gerade beschäftigen, seien zum Beispiel die Rodung des Dannenröder Forsts oder auch Aussagen von Corona-Leugnern, sagt er.

Ines Hartmuth mit Trompete

Kaum Proben, keine Konzerte: Auch für Ines Hartmuth ist das derzeit die bittere Realität. An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt studiert sie im fünften Semester Trompete. Trotz Corona ist sie fast jeden Tag zum Üben an der Hochschule - wenn auch unter strengen Hygienemaßnahmen. Für diese Möglichkeit ist sie sehr dankbar. Man müsse jetzt aber versuchen, das Beste daraus zu machen. "Dadurch, dass die Lage so ungewiss ist und wir alle gerade nicht wissen, wie es weitergeht, bringt es nichts, jetzt Panik zu schieben", erklärt die 22-Jährige.

"Gefühl der Unsicherheit ist in der Branche nichts Neues"

Dass sie einen Beruf in einer Branche anstrebt, die gerade unter massiven Einschränkungen leidet, sei für sie zwar beunruhigend, sagt Hartmuth. Das Gefühl der Unsicherheit sei in der Musikbranche aber auch nichts Neues. Ein Musikstudium bedeute nicht, dass man danach zu 100 Prozent einen Job bekommt. "Eine sichere Stelle ist da sowieso bei keinem drin."

Neue Musikprojekte, die gerade online entstehen, findet Ines Hartmuth zwar gut. Dass sie irgendwann mal Live-Konzerte ersetzen könnten, glaubt sie aber nicht. "Musik kann man nicht online ersetzen." Davon ist sie überzeugt. "Und ich hoffe, dass die Leute auch wahrnehmen, dass das eine große Sache ist, die in der Gesellschaft gerade fehlt."

Sendung: hr2, 20.11.2020, 8.11 Uhr