Corona-Spiel aus Wiesbaden

Eine sechsköpfige Familie aus Wiesbaden hat die Zeit zu Hause im Lockdown genutzt und die Corona-Pandemie in ein Brettspiel verwandelt. "Corona - mit Eifer ins Geschäft!" heißt es. Die oberste Regel im Spiel: Wer hamstert, verliert!

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hs
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Was hat Klopapier mit einer Pandemie zu tun? Diese Frage hat sich Sarah Schwaderlapp im März dieses Jahres gestellt. Damals schnellen die Verkaufszahlen von Toilettenpapier genauso rasch in die Höhe, wie die Zahlen der Corona-Infizierten in Hessen.

"Wir haben überall in den Medien gesehen, wie die Leute Hamsterkäufe gestartet haben und fanden das richtig absurd", erzählt die Wiesbadenerin. Wie soll man auf so eine Situation reagieren, fragt sich die 20-Jährige damals. Ihre Antwort: "Am besten mit ein bisschen Humor."

Corona-Brettspiel greift Absurditäten des Alltags auf

Zusammen mit ihren drei Schwestern Stella, Rebecca und Lara entwickelt sie ein Brettspiel, das die Corona-Pandemie zum Thema macht. "Corona - mit Eifer ins Geschäft" haben sie es genannt. Darin geht es nicht nur um die Absurditäten, die ein Pandemie-Alltag so mit sich bringt, sondern vor allem auch um das Thema Solidarität, sagt Sarah Schwaderlapp.

Ziel des Spiels sei nämlich, die Einkäufe für einen Nachbarn zu erledigen, der zur Risikogruppe gehört und das Haus nicht verlassen kann. "In dem Spiel geht es um ein solidarisches Miteinander. Man soll nicht hamstern, sondern nur das kaufen, was man für seinen Nachbarn wirklich braucht", erklärt die Studentin. Nur wer das schafft, gewinnt.

Überschuss kommt an den Gabenzaun

Viele Spielelemente haben sich die Schwestern aus dem echten Leben abgeguckt. Wer beispielsweise zu viel eingekauft hat, kann überschüssige Produkte an einen Gabenzaun hängen. Wer die Aktionskarte "Balkonkonzert" zieht, setzt eine Runde aus.

Beim Einkaufen sind die Spieler außerdem immer der Gefahr ausgesetzt, dem Corona-Virus in Form eins roten Klötzchens zu begegnen. Das zirkuliert ständig auf dem Spielbrett. Wer auf demselben Feld landet wie das Virus, muss sich in Quarantäne begeben.

Spiel als Ablenkung im Lockdown-Light

Nachdem der Prototyp aus Papier ausgereift war, kommt den Schwestern schnell die Idee, das Spiel professionell illustrieren zu lassen und auch zu veröffentlichen, erzählt Sarah Schwaderlapp. "Wir wollten das Spiel dann auch mit anderen Leuten teilen, weil wir gemerkt haben, dass es uns hilft, diese verrückte Zeit zu überstehen."

So kommt auch Vater Benedikt Schwaderlapp ins Spiel. "Ich habe dann den Job übernommen, herauszufinden, welche Druck-Unternehmen so etwas überhaupt realisieren können", erzählt er. Mit ein wenig Recherche und der Hilfe eines befreundeten Illustrators habe sich der Prototyp dann schnell zum richtigen Brettspiel entwickelt.

Corona-Spiel aus Wiesbaden

Vom Prototypen zum Verkaufsschlager

Mittlerweile hat die Wiesbadener Familie schon über 500 Spiele in ihrem eigens dafür angelegten Online-Shop verkauft. Weitere 600 Spiele seien außerdem durch einen großen Spielwarenhändler bestellt worden.

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"Corona - Mit Eifer ins Geschäft" kostet 38,40 Euro und ist für 2 bis 4 Spieler ab 7 Jahren geeignet. Eine Spielrunde dauert zwischen 40 und 60 Minuten. Zehn Prozent des Gewinns fließen in eines von drei Hilfsprojekten.

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Dass ihre Idee mal so gut ankommt, hat im März noch keiner gedacht, meint Sarah Schwaderlapp. Umso mehr freue sich jetzt die ganze Familie über den Zuspruch: "Der Hintergedanke war, dass wir selbst mit ein bisschen mehr Leichtigkeit durch die Krise gehen wollten, ohne dass wir uns über die Situation lustig machen."

Ihr Brettspiel endlich in den Händen zu halten sei schon ein ganz besonderes Gefühl, sagt die Wiesbadenerin. Jetzt hofft sie, dass es den Corona-Alltag im "Lockdown Light" vielleicht für den ein oder anderen ein bisschen erträglicher machen kann.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 3.12.2020, 19.30 Uhr