Wie soll Hessens Kulturpolitik in Zukunft aussehen? Für einen großen Masterplan kommen erst einmal die zu Wort, die sich mit der Sache auskennen: die Kulturschaffenden. Später dürfen dann alle mitmischen, also auch Sie.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Erste Workshops auf dem Weg zum Masterplan Kultur

Bildcombo: Mercedes Thiel und Maren Matthes
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An diese Aufgabe sind Mercedes Thiel und Maren Matthes mit einer gehörigen Portion Skepsis herangegangen. Thiel ist Geschäftsführerin des Vereins Buchcafé in Bad Hersfeld, Matthes Geschäftsführerin und Intendantin des Kultursommers Nordhessen. Die Frauen sind also Expertinnen in Sachen Kultur und sollen gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden einen Masterplan für die Kultur in Hessen mitentwickeln.

Die Vorarbeiten dieses Großprojekts des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst laufen bereits seit einigen Jahren. Der aktuelle Stand der Dinge: Eine umfassende Bestandsaufnahme ist abgeschlossen. Im sogenannten Kulturatlas ist alles aufgelistet, was es an Kultur in Hessen gibt - vom historischen Denkmal über Museen bis hin zu Musikschulen und Kulturzentren.

Kulturexpertinnen von der Basis mischen mit

Weiter geht es nun mit Workshops und hier kommen Mercedes Thiel und Maren Matthes ins Spiel. Denn damit der Masterplan Kultur kein blutleeres, realitätsfernes Konzept bleibt, holt die Politik die Kulturschaffenden mit ins Boot. Einen "Master" gibt es bei diesem Plan somit nicht, sondern viele Experten, die die Sache gemeinsam angehen. "Mit vielen Kulturschaffenden aus allen Sparten wollen wir ein Leitbild erarbeiten, wie sich die Kultur in Hessen weiter entwickeln soll", fasst Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) die Idee zusammen.

Die ersten Workshops mit über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern - natürlich alles digital in Videokonferenzen - sind gerade gelaufen, weitere werden folgen. Und, wie war es bisher und was hat es gebracht?

Skepsis wandelt sich in angenehme Überraschung

"Ich bin sehr skeptisch in diese Workshops gegangen und war mir auch gar nicht sicher, ob das sinnvoll sein würde", berichtet Maren Matthes. Immerhin sei jede und jeder mit ganz eigenen Bedürfnissen und Ideen angetreten. In Untergruppen mit je acht Teilnehmenden wurden Themen diskutiert, die oft erst einmal abstrakt klangen und mit Inhalten gefüllt werden mussten, wie "Diversität und Teilhabe" oder "Evaluation und Förderung". Über allem steht die Leitfrage: Was wollen wir überhaupt?

Für Mercedes Thiel ist der Workshop eine Chance, ihre Ideen und jahrelangen Erfahrungen einzubringen. Mit ihrem Verein Buchcafé in Bad Hersfeld stemmt sie ein vielfältiges Kultur-Programm von Jazzmusik bis Kabarett. Vor dem Workshop fühlt sich Thiel von der Politik etwas vernachlässigt: "Meine Erwartung ist, dass die Kultur anders anerkannt wird, auch hier bei uns in der Region. Und dass man besser zusammenarbeitet." Da gebe es noch viel Handlungsbedarf.

Und wie sieht es nach den ersten Workshoptagen aus? "Ich bin angenehm überrascht worden und auch richtig motiviert, dort an diesem Prozess weiterzuarbeiten", freut sich Thiel. Die teils kontroversen Meinungen seien "super geklärt" worden, trotz der erschwerten Bedingungen einer reinen Online-Diskussion.

Von der Diskussion zum Masterplan

Bleibt nun noch die schwierige Aufgabe, die guten Diskussionen auch in konkrete Ziele und Ideen zusammenzufassen und zu Papier zu bringen. Bei diesem Punkt bekommt Mercedes Thiel Bauchschmerzen und nennt ein Beispiel. "Wir waren uns einig, dass auch Kultur stattfinden muss, die vielleicht ein Minusgeschäft sein kann - wie ein Jazzkonzert, das manchmal nur 20 Besucher hat oder dass es auch Angebote für Menschen mit Behinderungen geben muss."

Knapp zusammengefasst bedeute dies auf dem Papier die Forderung nach "Diversität in der Kultur". Aber ist das nicht zu abstrakt? "Hoffentlich vergessen wir nicht, wie wir zu diesen Inhalten, Leitlinien und Schwerpunkten gekommen sind", erklärt Thiel ihre Bedenken.

Regionalforen und Online-Befragung

Und so geht es mit dem Kultur-Masterplan jetzt weiter: Nach einigen weiteren Expertenrunden dürfen sich alle Kulturinteressierten beteiligen. In öffentlichen Regionalforen werden im Laufe des Jahres die bisherigen Ergebnisse vorgestellt. Zusätzlich wird es eine Online-Befragung geben, um weitere Ideen und Anregungen einzureichen.

In etwa einem Jahr soll der Masterplan fertig sein, verspricht Ministerin Angela Dorn. "Es ist eine Richtlinie, die aufzeigt, wohin man sich gemeinsam entwickeln soll." Kultur abseits der Ballungsräume, Digitalisierung, Förderung, Diversität - das alles soll darin seinen Platz finden - und zwar gefüllt mit Leben und nicht als abstrakte Worthülsen.

Sendung: hr2-kultur, 16.02.2021, 15:13 Uhr