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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Unisexteile sind immer noch ein Risiko

Harry Styles: Mann mit Karojackett und rosa Federboa grüßt eine Frau im Publikum.

Männer mit Perlenketten und Ohrringen oder Frauen mit übergroßen Kapuzenshirts: Das sind mittlerweile gewohnte Bilder. Es scheint so, als würde es in der Mode keine Grenzen mehr zwischen den Geschlechtern geben. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Das hessische Modelabel "Kleinigkeit" aus Hofheim am Taunus (Main-Taunus) ist eigentlich schon viel größer, als der Name vermuten lässt: An die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Label mittlerweile. Es setzt vor allem auf junge Mode, und auch auf der Frankfurter Fashion Week (5. bis 9. Juli) ist "Kleinigkeit" mit dabei.

Max Schubert von "Kleinigkeit"

Max Schubert arbeitet im Marketing- und im Salesbereich. Er hat bemerkt, dass es einen Trend in Richtung Unisex und Mode fernab von Geschlechterkonstruktionen gibt - auch angefeuert durch Schauspieler und Sänger wie Brad Pitt oder Harry Styles, die sich in Frauenkleidern für Cover von Hochglanzmagazinen fotografieren lassen.

"Dieser ganze offene Umgang lässt auf jeden Fall Spielraum zu, dass geschlechterübergreifend die Teile getragen werden können, wie Sie wollen", sagt Schubert. "Und wenn man es gut rüberbringt, kann alles immer sehr gut aussehen."

Unterschiede im Schnitt, weniger in Farbe und Motiv

Schubert hat früher in einem Modeladen in der Männerabteilung gearbeitet. Dort war es schon fast an der Tagesordnung, dass Frauen zu ihm kamen, die bewusst nach T-Shirts in männlichen Schnittmustern suchten. "Viele Frauen mögen es halt einfach etwas lockerer", erklärt der 30-Jährige.

Zwar produziert das Label "Kleinigkeit" nach Geschlechtern getrennte Mode. Aber auch hier hat sich schon einiges verändert. "Die Teile unterscheiden sich hauptsächlich in den Schnitten", sagt Max: "Bei Farben lasse ich das mal außen vor, das kann ja jeder selbst wählen. Da kann der Mann Gelb anziehen, die Frau Gelb anziehen oder sonst was. Ganz egal!" Insbesondere bei den Motiven oder Designs werde nicht immer zwischen Frauen- und Männermode unterschieden.

Geschlechtergrenzen infrage gestellt

Dass Geschlechtergrenzen in der Mode überwunden werden, merkt auch der 21-jährige Jacob Rott aus der Nähe von Friedberg (Wetterau). Er ist Model und Content-Creator. Auf Instagram folgen ihm knapp 250.000 Menschen, angezogen von den vielen Fotos und Videos, auf denen sich er sich in traditionell männlich gelesenen Outfits und Posen zeigt.

Model Jacob Rott: dunkelhaariger junger Mann

Doch auch an Shootings in Outfits, die die Geschlechtergrenzen infrage stellen, hat er sich mittlerweile gewöhnt. "Da hätte ich mir vor zwei Jahren noch gedacht: Huch?! Aber es ist vollkommen okay", erzählt er über ein Shooting in Netzhemd auf Blumenwiese.

Privat tastet er sich noch ran. Neulich beim Shopping mit der Mitbewohnerin ist deshalb die rosa Baseball-Cap auch im Laden geblieben. Die Kette mit der Perle, die wie ein Smiley aussieht, trägt er aber selbstbewusst. "Ich glaube, es gibt nicht mehr diese Geschlechterverteilung in der Mode", sagt Rott. Und das findet er "cool und lässig".

Mode "markiert" das Geschlecht - aber nicht eindeutig

Generell sei Mode zunächst einmal eine Ausdrucksform, um das eigene Geschlecht zu "markieren", erklärt Denise Bergold-Caldwell, wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung an der Universität Marburg. So gebe es bei der Kleidung verschiedene Codes, die das Geschlecht markieren können.

Aber auch diese Markierungen seien nicht eindeutig und kulturell unterschiedlich. "Der Schottenrock wird ja zum Beispiel ganz klar von Männern getragen", erklärt Bergold-Caldwell: "In diesem Fall werden Röcke dann auch männlich codiert."

Auf Diversität aufmerksam machen

Spannend sei in diesem Zusammenhang auch das "Cross Dressing" - dass Frauen oder Männer bewusst Kleidung anziehen, die eher dem anderen Geschlecht zugeordnet werden.

Hier gehe es vor allem darum, Grenzen zwischen den Geschlechtern zu überwinden und auch darum, auf das Thema der Geschlechterdiversität aufmerksam zu machen. Denn letztendlich lasse sich von der Kleidung nicht darauf schließen, welchem Geschlecht sich eine Person zuordnet.

Nachfrage nach getrennter Mode noch Standard

Dass die Gesellschaft immer offener wird und insbesondere die jüngere Generation immer weniger auf Geschlechtergrenzen achtet, findet auch Max Schubert vom Modelabel "Kleinigkeit" gut: "Es geht ja darum, dass wir alle miteinander cool leben können", sagt er. Warum aber produziert "Kleinigkeit" nun trotzdem Mode, die entweder dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeschnitten wird?

Das liege vor allem daran, dass die breite Masse und die Händlerinnen und Händler gezielt in Damen- und Herrenabteilungen in der Mode denken. Die Nachfrage nach geschlechterspezifischer Mode sei nach wie vor sehr groß und der Standard. "Aber das hält ja niemanden davon ab, sich trotzdem einfach mal ein Teil aus der anderen Abteilung zu schnappen."

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