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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Berufsbekleidungsexperte Engelbert Strauss befeuert Modetrend

Junge Männer in Outdoor-Kleidung vor einem Auto

Arbeitskleidung liegt voll im Trend. Modeexperten sehen darin den Wunsch nach Authentizität in einer flüchtigen Welt. Eine Firma profitiert davon ganz besonders: das Unternehmen Engelbert Strauss aus Biebergemünd.

Es gibt eine wichtige Regel in der Mode: Alles kommt wieder. Die Cargohose beispielsweise feierte diesen Sommer schon ihr zweites Comeback. Und mit ihr waren plötzlich auch Flanellhemden und Windjacken zurück. Aus der ehemaligen Arbeitskleidung wurde ein Modetrend, besonders unter Männern.

Den Grund dafür sieht André Bangert, Head of Menswear bei der Mode-Fachzeitschrift "Textilwirtschaft", in der damit einhergehenden Funktionalität und dem Komfort: "Männer mögen es, wenn Dinge praktisch sind. Deswegen gibt es auch eine starke Hinwendung zur Utility Wear, zu praktischen Dingen wie vielen Taschen, mit innovativen Stoffen. Wenn er sich ein neues Teil kauft und investiert, dann muss das mehr können als gut aussehen", weiß er.

Vom Nischenanbieter zur Lifestylemarke

Screenhot der Facebook-Seite von Engelbert Strauss

Nicht nur in der Herrenmode, auch bei den Damen sind Workwear-Elemente wie sogenannte Shackets, also Shirt-Jacken, oder Hosen mit aufgesetzten Taschen in. Eine Entwicklung, von der auch Engelbert Strauss aus dem hessischen Biebergemünd profitiert. Das Familienunternehmen ist der europäische Marktführer für Berufsbekleidung und Arbeitsschutz. Den Brüdern Steffen und Henning, die das Unternehmen in vierter Generation gemeinsam mit Vater Norbert führen, ist es gelungen, sich vom Nischenanbieter zur angesagten Lifestylemarke zu mausern.

Der Frankfurter Modeblogger Claus Fleissner

"Die haben mittlerweile wirklich stylishe Lines", findet der Frankfurter Modeblogger Claus Fleissner. Wer sich umschaut, wird feststellen: Damit ist er nicht alleine. Die Marke mit dem weißen Strauß im Logo ist omnipräsent. Ob nun im Kindergarten, im Outdoor-Bereich oder im Arbeitsumfeld, die funktionalen und trotzdem schicken Designs kommen an. Sogar Jugendliche tragen immer häufiger die Freizeitkleidung des Berufsbekleidungs-Experten.

Wunsch nach dem "Echtem"

Bangert vermutet dahinter den Wunsch, sich von Social Media mit seinen ständig wechselnden Trends abzugrenzen: "Wenn jeder nach Status heischt und man sich abheben will, ist es schon sehr individuell, Engelbert Strauss zu tragen und sich abzuheben über ein Statement, das sagt: Ich brauche den modischen Trends nicht nacheifern, ich will das alles nicht."

Die funktionale Mode von Engelbert Strauss wecke das Bedürfnis, sich von der digitalisierten Welt zu entfernen und stattdessen der Natur und dem Handwerk näher zu kommen - ganz egal, ob man selbst handwerklich begabt ist oder nicht. "Das ist eine Hinwendung zum Arbeitertum, zur ehrlichen Arbeit", hält Bangert fest.

Wollen jetzt alle Handwerker werden?

Auch Psychologe Holger Schlageter sieht diese gesellschaftliche Veränderung. Zudem sei das Ansehen von Handwerkern in den letzten Jahren wieder gestiegen. "Sie können was, das nicht alle können, deswegen brauchen wir sie, und Handwerker sind, wenn sie da sind, eine Erleichterung und ein Segen", sagt er.

Dass dadurch eine Renaissance des Handwerker-Berufs ausgelöst wird, glaubt er aber nicht. Wer Workwear trage, wolle das Statussymbol des Handwerkers - mehr nicht. "Ich finde auch einen Popsänger toll, nur ich will kein Popsänger werden. Ich will aber das anziehen, was der Popsänger hat und ich will so aussehen, wie der Popsänger aussieht", so der Psychologe.

Bodenständig, aber modern

Den Kult, der gerade um Engelbert Strauss entsteht, sieht er in der Marketingstrategie begründet. Es sei dem Unternehmen gelungen, mit seiner Mode ein gutes Gefühl zu verkaufen. Mehr noch: Sie vermittele dem Käufer, im eigenen Wert aufzusteigen. "Damit habe ich eine Funktionskleidung, die 'Gucci' unter den Funktionskleidungen geworden ist."

Funktionskleidung mit Designer-Ruf - passt das überhaupt zusammen? Tatsächlich lebt man diesen Widerspruch beim Mittelständler aus dem Main-Kinzig-Kreis: Einerseits steht er für Bodenständigkeit, auf der anderen Seite positioniert er sich als Player mit internationalem Flair: Die Ladengeschäfte sind aufwendig inszeniert als Erlebniswelten, das Firmengelände an der A66 erinnert an einen Campus im Silicon Valley. Auf YouTube und Instagram folgen zusammengezählt fast 200.000 Menschen den schnell geschnittenen Clips, mit Fernsehspots und Bandenwerbung im Fußball erreicht die Marke Millionen Menschen.

Mode für den Alltag

Zwei Models in Arbeitskleidung

Man könnte es locker aufnehmen mit großen Outdoormarken. Das wollen die Strauss-Chefs aber nicht. Für sie ist es wichtig, ihre Produkte immer im Arbeitsumfeld zu präsentieren, wenn auch auf moderne Weise: junge attraktive Menschen in einem Setting, das Abenteuerlust weckt - oder das man aus seinem Alltag kennt.

Auch das könnte ein Teil der Erfolgsstrategie sein. Modeblogger Fleissner hat die Erfahrung gemacht, dass seine Leser besonders gerne Outfits sehen, die sie in ihrem Alltag anziehen können. "Du siehst auf meinem Blog ganz viele wilde und verrückte Outfits, Spitze, Pailletten und sowas. Aber wirklich das coolste Feedback kriege ich auf Basic-Outfits, weil die Leute einfach nicht wissen, wo sie ihre Sachen für jeden Tag einkaufen können." Und dafür steht Engelbert Strauss letztlich: Kleidung für jeden Tag und jede Situation.

Sendung: hr-iNFO, 13.11.2020, 16:00 Uhr