Joseph Marioni Museum Wiesbaden
Joseph Marioni spricht im Museum Wiesbaden über seine Gemälde. Bild © Katrin Kimpel (hr)

Farbe, Farbe – und noch eine Schicht Farbe. Das Museum Wiesbaden zeigt Gemälde des US-Amerikaners Joseph Marioni. Und gräbt damit auch in seiner eigenen Vergangenheit.

Videobeitrag

Video

zum Video Die Persönlichkeit der Farbe steht im Mittelpunkt

Ende des Videobeitrags

Groß sind sie. Und farbig. Farbintensiv - aber nicht bunt. Tatsächlich bestehen die Werke des US-Amerikaners Joseph Marioni auf den ersten Blick sogar aus nur einer Farbe. Bei genauerem Hinsehen entwickeln die monochromen Werke eine starke Tiefe, wirken fast wie Skulpturen.

Marioni trägt entweder ein und dieselbe Farbe immer wieder auf, oder mehrere Töne übereinander. An den Bildrändern, besonderes am unteren Bildrand ist der Prozess mit Tropfspuren oft gut erkennbar: Die verschiedenen Schichten überlappen und offenbaren sich einzeln, als hebe man eine Bettdecke, um zu sehen, was darunter ist.

Die Schau in Wiesbaden “Liquid Light“ ist die erste Marioni-Überblicksausstellung in Europa und die zweite ihrer Art überhaupt. Der 75-Jährige macht sich rar und so ist der Kurator Jörg Daur auch ein wenig stolz, als er am Donnerstag sagt: "Seit über zehn Jahren wünsche ich mir diese Ausstellung, nun ist sie da."

Weitere Informationen

Joseph Marioni

Joseph Marioni (*1943 in Ohio/ USA) ist ein Vertreter des radical painting, einer Kunstrichtung der 1960er und 1970er Jahre. Diese Gruppe beschäftigt sich hauptsächlich mit Farbe und deren Wirkung. Die Farben, Texturen, Leinwände und der Farbauftrag bestimmen diese gegenstandslose Kunstform.

Ausstellung „Liquid Light“
Joseph Marioni
Museum Wiesbaden
29. Juni bis 14. Oktober 2018
35 Gemälde, davon 25 Arbeiten von Joseph Marioni und 10 von Michael Toenges, Peter Tollens Ulrich Wellmann

Ende der weiteren Informationen

Das jüngste Werk ist noch nicht trocken

Marioni hat die Hängung im Museum selbst konzipiert und die Ausstellung selbst eingerichtet. Das Museum sei "perfekt" für seine Malerei, die unbedingt ein Museum benötige. "Grafitti können Sie in der U-Bahn zeigen. Meine Kunst funktioniert nur in einem Museum. Dieses hier ist perfekt."

Joseph Marioni Museum Wiesbaden
Joseph Marioni zeigt seine monochromen Werke im Museum WiesbadenMuseum Wiesbaden. Bild © Katrin Kimpel (hr)

Die Bilder sind chronologisch geordnet und zeigen Marionis Entwicklung seit den frühen 1970er Jahren. Das jüngste Bild in einem dunklen Violett ist von 2018 und wörtlich noch nicht mal trocken. An der Wand im Museum schlägt es noch leichte Wellen. "Das geht noch weg" ist der Kurator sicher.

Marioni beschreibt sein Ringen mit Licht, Farbe und deren Auftrag auf die Leinwand so: "Die Aufgabe der (Öl-) Farbe ist es, Farbpigmente zu binden. Die Farbpigmente zerteilen das Licht. Das Licht wiederum enthüllt die Farbe."

Patenonkel war ein "Monuments Man" in Wiesbaden

Nicht nur das Licht im Museum fasziniert Marioni. Er hat auch eine besondere persönliche Beziehung zu Wiesbaden. Marionis Patenonkel war Captain Walter Farmer (1911 – 1997). Farmer war der Kunstschutzoffizier, der im Wiesbadener Museum nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für den Central Collecting Point (Zentrale Sammelstelle für Kunstwerke) zuständig war.

Er und die "Monuments Men", heute auch bekannt aus dem gleichnamigen Hollywoodfilm von und mit George Clooney, erreichten 1949 mit einer Protestnote (Wiesbadener Manifest) die Rückführung vieler deutscher Kunstwerke aus amerikanischen Museen nach Deutschland. Farmer erhielt dafür ein Jahr vor seinem Tod das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

"Über Bande thematisieren wir also mit dieser Ausstellung auch unsere eigene Geschichte", sagt Kurator Daur. Joseph Marioni hat die Ausstellung offiziell seinem Patenonkel gewidmet.