Pohlmann

Beim Music Discovery Project treffen musikalische Welten aufeinander. Für das Crossover-Event hat sich das hr-Sinfonieorchester diesmal Singer/Songwriter Pohlmann eingeladen. Im Interview erzählt er, wieso er sich die Demoaufnahmen zuerst nicht anhören konnte.

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hs
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Im vergangenen Jahr noch zog das Crossover-Projekt des hr-Sinfonieorchesters - kurz vor dem ersten Corona-Lockdown - mehr als 4.000 Menschen in die Jahrhunderthalle. Diesmal findet es als Livestream-Event statt.

Als Special Guest mit dabei: Singer/Songwriter Pohlmann. Unter dem Titel "SchwereLos" trifft seine melancholische Songwelt auf Musik von beispielsweise Mozart, Schumann und Bach. Im hessenschau.de-Interview spricht der Musiker darüber, was diese ungewöhnliche Konstellation mit seiner Musik macht und wie es ist, in Zeiten von Corona auf der Bühne zu stehen.

Das Music Discovery Project können Sie am 11. März 2021 um 20:00 Uhr im Livestream und im Anschluss als Aufzeichnung verfolgen:

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hessenschau.de: Mit einem Sinfonieorchester auf der Bühne stehen, das macht man nicht alle Tage. Wie geht es Ihnen so kurz davor?

Pohlmann: Es flößt einem auf jeden Fall Respekt ein. Mir wurde gesagt, das ist ein Schlachtschiff, ein Kreuzfahrtschiff, das fährt los und dann musst du zusehen, dass du nicht von Bord fällst. Bei so vielen Leuten kann man nicht Fünfe gerade sein lassen und mal einen Takt später einsetzen, das passt nach hinten raus nicht mehr. Als ich die Demoaufnahmen gehört habe, habe ich wirklich angefangen zu heulen. Das ist das Schlimmste. Emotional kann man sein, aber dabei kann man nicht singen. Da muss man aufpassen, dass man sich das nicht zu sehr zu Herzen nimmt.

hessenschau.de: Was macht das Sinfonieorchester mit Ihrer Musik? Nehmen Sie daraus vielleicht Inspiration mit für Ihre nächste CD?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Music Discovery Project führt unterschiedliche musikalische Welten zusammen

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Pohlmann: Ich finde es so toll, dass ich hoffe, es in meine Musik zukünftig hier und da einbauen zu können. Man muss halt gucken, wie man das finanziert. Und erst einmal muss die Corona-Pandemie vorbei sein. Bis dahin müssen wir uns über eine Finanzierung wirklich keine Gedanken machen. Das ist sonst eine Totgeburt. Es bleibt dann nur auf CD. Man kann einmal ins Studio gehen und das ist ganz toll, aber man will natürlich mit sowas auch auf Tour gehen. Aber das steht alles noch in der Zukunft.

hessenschau.de: Haben Sie denn einen Bezug zu klassischer Musik?

Pohlmann: Relativ wenig, muss ich sagen. Ich höre mal Klassikradio im Auto und natürlich viel Filmmusik. Aber ich glaube, um die Tiefe der Klassik zu verstehen, also wirklich mit eintauchen, Gänsehaut und so, das ist nochmal etwas Anderes. Aber ich gehe seit 15 Jahren mit einem Cellisten auf Tour, da kriege ich Gänsehaut und mir kommen die Tränen, wenn er im Soundcheck Bach spielt. Ich glaube, ich war bisher einfach ein bisschen faul, mich damit mehr auseinanderzusetzen.

hessenschau.de: Dabei gehen die Emotionen beim Hören ja gar nicht soweit auseinander.

Pohlmann: Wenn man bei Musik von Niveau und von Tiefe redet, von Emotionalität, dann wird es immer verwirrend bei Kunst. Du kannst einem 16-Jährigen, der vor Nirvana stand in den Neunzigern und einem 16-Jährigen, der vor Tokio Hotel stand, nicht das Gefühl absprechen. Einem Schlagerfan, der vor Helene Fischer steht und Rotz und Wasser heult, dem kannst du nicht sagen: Du spürst doch eigentlich gar nichts. Wo fängt das an, wo hört das auf? Hier mischt sich ein hochprofessionelles Symphonieorchester mit meiner seichteren Musik, ob ich jetzt Blues mache oder Pop. Vom Gefühl her würde ich mich fast devot erst einmal darunter stellen, ich sehe das Klassische als wirklich eine sehr, sehr hohe Kunst an. Aber wenn es dann zusammenkommt, so wie das jetzt hier mit meinen Songs der Fall ist, das finde ich großartig. Das Klassische ist dann nicht mehr ganz so unverständlich für den Laien und die Popmusik, die Bluesmusik, die ich mache, wird angehoben auf eine Ebene, die einem fast sichtbar emotional entgegenkommt. Wie gesagt, die Demos konnte ich erstmal nicht anhören, nicht singen, weil ich die ganze Zeit so nah am Wasser war.

hessenschau.de: Sehen Sie darin auch eine Chance, junge Menschen für klassische Musik zu begeistern?

Pohlmann: Ja, auf jeden Fall. Wir haben das ja nicht erfunden. Das ist schon bei Metallica entstanden und bei vielen anderen Projekten. Wo sich ein Sinfonieorchester mit Rock, Pop oder Blues verbindet, ist es immer sehr, sehr gut. Hier wird bestimmt der eine oder andere hängenbleiben, den Kopf schräg halten und sagen: "Meine Herren, was macht ihr denn da, was ist das denn?"

hessenschau.de: Sie sind nicht alleine auf der Bühne, sondern spielen unter anderem mit dem finnischen Geiger Pekka Kuusisto. Haben Sie sich schon kennengelernt?

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Pohlmann: Nein, wir haben uns noch nicht kennengelernt. Wir machen ein Stück zusammen, das heißt "Stark für dich". Ich bin mal gespannt. Er hat sich das angehört, zuhause etwas arrangiert und gleich werden wir uns in einen Raum setzen und uns gegenseitig mal vorspielen, was wir da machen.

hessenschau.de: Das Music Discovery Project kann wegen der Pandemie nur im Livestream und ohne Publikum stattfinden. Wie ist Ihre Erwartung daran?

Pohlmann: Ich habe zwei, drei Streamingkonzerte gegeben, auch mit Band. Aber diese Stille danach... Da sind dann zwei Leute vom Licht, zwei Leute an der Kamera und ein Regisseur. Die dürfen nicht klatschen, weil es so verhärmt rüberkommt! Wenn ich mir das Feedback vom Online-Publikum angeschaut habe, haben auch viele gesgt, dass die Stille zwischen den Liedern fast beängstigend wäre. Es ist auch wirklich ein komisches Gefühl. Das wird hier glaube ich nicht passieren, weil wir so in dieser Musik sein werden. Ich erwarte da keinen Applaus. Ich bin mit dem Kopf wirklich ganz woanders. Aber Publikum und Musik, das gehört zusammen. Das ist ein Wechselspiel zwischen den Egos auf der Bühne und dem Publikum. Das schaukelt sich immer weiter auf und dann entsteht Musik. Und die Musik ist größer als die Band.

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Das Music Discovery Project

Das Crossover-Projekt sorgt jedes Jahr für ungewohnte musikalische Begegnungen. Im hr-Sendesaal präsentiert das hr-Sinfonieorchester mit André de Ridder am Pult diesmal eine Compact Edition ohne Publikum als reines Livestream-Event. Eingeladen hat es sich dazu neben Singer/Songwriter Pohlmann den finnischen Ausnahme-Geiger Pekka Kuusisto sowie Bryce Dessner, Gitarrist der US-amerikanischen Rock-Band The National und neuer "Composer in Residence" des hr-Sinfonieorchesters.

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Das Gespräch führte Martin Kersten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 11.03.2021, 16.45 Uhr